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20. August 2010
... und plötzlich war das Fahrrad weg
MIT DEM FAHRRAD UM DIE WELT: Dorothee Fleck hat die letzte Etappe ihrer Reise hinter sich – die Fahrt über die Anden.
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Himmel, Salz und sonst nichts: Dorothee Fleck auf dem größten Salzsee der Erde, dem „Salar de Uyuni“ in Bolivien. Foto: privat
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Himmel, Salz und sonst nichts: Dorothee Fleck auf dem größten Salzsee der Erde, dem „Salar de Uyuni“ in Bolivien. Foto: privat
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Die strahlende Bezwingerin vieler Andengipfel. Foto: privat
STEINEN. Zweieinhalb Jahre war die Steinenerin Dorothee Fleck mit dem Rad unterwegs – einmal rund um den Globus. Heute berichtet sie für die BZ über das letzte Stück ihrer Reise – ein sehr bergiges Stück: Die Fahrt quer durch Südamerika, vom Pazifik über die Anden hinüber zum Atlantik.
Nachdem ich mich in Chile langsam an Südamerika gewöhnt hatte, konnte ich die Anden in Angriff nehmen. Jegliche Zivilisation und geteerte Straßen ließ ich hinter mir. Auf fast 4000 Metern habe ich eine Nacht im Zelt verbracht, nur von ein paar Felsen vor dem Winde geschützt. Sobald die Sonne untergegangen war, wurde es furchtbar kalt. Wie kalt, merkte ich aber erst am nächsten Morgen: Das ganze Wasser war eingefroren, es waren minus sechs Grad. Wieder einmal mein Glück, dass bald die Polizeistation Ascotan kam. Dort bekam ich nicht nur Wasser in flüssigem Zustand, sondern durfte mich auch bei einer heißen Tasse Kaffee aufwärmen.In Bolivien wurden die Jeeps mit Touristen immer häufiger. Sie alle wollten auf den "Salar de Uyuni". Dies war einer der Höhepunkte meiner Reise, den größten Salzsee der Welt zu durchqueren. Die Oberfläche hatte eine sonderbare Struktur, lauter Hexagons. Nur weiß um mich herum, umgeben von schwarzen Vulkanen am Horizont. Erst am Hotel de Sal – einem Museum – tummelten sich die Scharen. Im Museum ist alles aus Salzblöcken, sogar die Möbel. Ich möchte nicht wissen, wie es aussieht, wenn es regnet.
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Danach ging es über den Altiplano nach La Paz. Mein Zuhause für die nächsten drei Wochen war das Chuquiako Bike Café. Da ich auf meine neue Kreditkarte wartete, war mir ein längerer Aufenthalt vergönnt. Hier wohnte ich, half im Café aus und traf viele Fahrradfahrer. Nicht nur deswegen habe ich es sehr gut dort ausgehalten. Ich kam auch in den Genuss, von Chacaltaya hinunter nach La Paz zu fahren. Auf 5200 Metern gelegen war Chacaltaya ehemals das höchstgelegene Skigebiet der Welt. Wegen der Erderwärmung ist der ganze Gletscher mittlerweile geschmolzen, von Skifahren kann nicht mehr die Rede sein. Die Landschaft aber war einfach fantastisch. Und so hoch war ich wirklich noch nie.
Ende April fuhr ich weiter zur Grenze nach Peru. Die Zollbeamten haben gleich festgestellt, dass ich mein Visum sechs Tage überzogen hatte. Sie wollten für jeden überzogenen Tag 20 Bolivianos, etwa zwei Euro. So viel hatte ich aber nicht mehr und legte ihnen alles hin, was ich hatte – 70 Bolivianos. Damit gaben sie sich zufrieden, dafür durfte der Zollbeamte meinen Fahrradhelm aufsetzen. Anfang Mai ging es quer über die Anden zum Pazifik. Mein nächstes Ziel war Trujillo. Dort gibt es das wohl bekannteste "Casa de Ciclista" in ganz Südamerika, ein Treffpunkt für Fahrradfahrer. Es ist schon fast ein "Muss" hier vorbei zu schauen und sich in das "Goldene Buch der Fahrradfahrer" einzutragen. Ich war Nummer 1323.
Ende Mai hatte ich die Grenze zu Ecuador erreicht. Ecuador ist eines der kleinsten Länder Südamerikas. Würde man es glatt bügeln, würde es sicher die Größe Brasiliens einnehmen. Unglaublich, was mich hier erwartete. Gleich hinter der Grenze ging es los, von Null auf 1500 Höhenmeter in ein paar Kilometern. Anscheinend soll wild Zelten im Hochland von Ecuador kein Problem sein, aber wo? Es gab kaum eine ebene Stelle, nicht mal für mein Minizelt. Im gewohnten Auf und Ab ging es nach Quito, der Hauptstadt. Gleich am ersten Tag machte ich mich auf in das Viertel Mariscal Sucre, ein buntes Touristenviertel. Hier fand ich alles, was ich so brauchte, Waschsalon, Buchläden, etc.
Am Tag des Viertelfinales, Deutschland-Argentinien, erreichte ich Cartagena. An jeder Tankstelle, Werkstatt, in jedem Restaurant stand ein Fernseher. Dieses Spiel hat wahrscheinlich nicht nur in Kolumbien der deutschen Mannschaft sehr viel Sympathie verschafft. Von nun an erkannte jeder die deutsche Fahne, die an meinem Fahrrad wehte. Die letzten Kilometer nach Cartagena waren dann wie ein Triumphzug, als ob ich das Spiel gewonnen hätte.
Dann hatte ich den Atlantik erreicht, mein großes Ziel in Südamerika. Ich flog von Santa Marta nach Bogota. Noch zwei Tage blieben mir vor dem Abflug nach Deutschland, um die Stadt anzuschauen, meine Sachen zu packen und Souvenirs zu kaufen. Dann war der Tag des Abflugs da. Die Reise verlief reibungslos. Nur: Bei der Ankunft in Frankfurt war mein Fahrrad nicht aufzufinden. Zwei Tage später aber kam es doch heil in Deutschland an.
Insgesamt war ich 888 Tage unterwegs und bin 61 140 Kilometer gefahren. Vielen Dank an all die unzähligen Menschen jeglicher Hautfarbe, Religion, Staatszugehörigkeit, ohne deren Hilfe die Reise so nicht möglich gewesen wäre. Es war ein unbeschreibliches Erlebnis und ich hoffe, es irgendwann fortsetzen zu können.
Autor: dfle


