Wohlfühl-Quartier nimmt Kontur an

Anja Bertsch

Von Anja Bertsch

Mo, 30. Juni 2014

Steinen

Eine Architekten-Arbeitsgemeinschaft aus Düsseldorf und Köln gewinnt den Ideenwettbewerb fürs Quelle-Areal.

STEINEN. Am Freitag kürte eine Jury die Preisträger des Ideenwettbewerbes für die künftige Bebauung des Steinener Quelleareals. Damit nimmt die Zukunft des großformatigen Areals in Zentrumsnähe konkrete Formen an.

Das Areal
Das Quelle-Areal zieht sich zwischen Bahnhofstraße, Egertenweg und Lörracher Straße in Richtung Ortsmitte. Einst Standort der "Unteren Fabrik", ist das Areal mit seinem historische Gebäudebestand ein Relikt aus Steinens textiler Hochzeit; aktuell ist dort der Werkhof angesiedelt. Das Quelleareal biete "die einmalige Chance, ein großes, zusammenhängendes Gebiet in der Nähe des Ortskerns zu entwickeln", schwärmte der Stuttgarter Architekt Karl Haag, Vorsitzender des Preisgerichts. Um das Geschehen selbst in der Hand zu haben, hat die Gemeinde einen Teil des Areals erworben. Im Februar wurde ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben. Dieser wurde von Isolde Britz namens der Stadtbau Lörrach geleitet.

Besondere Herausforderungen
"Eine Gewerbebrache in ein Wohngebiet umzuwandeln, ist seit 30 Jahren unser Brot", erklärte Karl Haag. Der Steinener Fall aber hat einige Besonderheiten. Vor allem das benachbarte Industriegebiet und die künftig womöglich noch mehr befahrene Bahnhofstraße im Süden machten die Aufgabe zu einer besonderen Herausforderung. Derart "widrige Umstände" im Umfeld müssten durch eine besondere innere Qualität des Gebietes ausgeglichen werden: "Die Menschen brauchen dort ihren Freiraum und ihr eigenes Grün. Sie müssen sich in ihrem Quartier wohlfühlen. " Die mit vier Hektar verhältnismäßig große Fläche so zu entwickeln, dass sie zum Gesamtbild der Gemeinde passt, ist eine weitere Herausforderung. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Erhaltung historischer Gebäude: "Diese sind das städtebauliche Gedächtnis des Gebietes und bilden die Identität des neuen Quartiers", machte Haag deutlich. Da ein derart großes Projekt keinesfalls in einem Rutsch gestemmt werden kann, muss die Idee abschnittweise umgesetzt werden können. Dies um so mehr, als bislang nur ein Teil des Areals der Gemeinde gehört. Ein Geländeriegel in Richtung Ortsmitte ist in Privatbesitz.

Preisgericht
Das Preisgericht war mit Stadtplanern und Architekten aus Stuttgart, Basel und Freiburg besetzt; diese bildeten die Fachjury. Ein Landschaftsarchitekt aus Freiburg sowie ein Vertreter der Kommunalen Wohnbaugesellschaft waren als Fachberater dabei. Vertreter aller drei Gemeinderatsfraktionen sowie die Verwaltungsspitze fungierten als Sachpreisrichter. Stimmberechtigt waren fünf Personen: Bürgermeister König und sein Stellvertreter Wolfgang Deschler sowie drei Architekten. Zum Vorsitzenden der Jury wurde einstimmig Karl Haag aus Stuttgart gewählt.

Kür der Sieger
Knapp zehn Stunden beschäftigte sich die Jury am Freitag mit den 15 eingegangenen Wettbewerbsarbeiten. Welcher Entwurf von welchem Architekten kam, war den Jurymitgliedern nicht bekannt. Als es daran ging, unabhängig voneinander die Lieblingsmodelle zu kürten, gab es zwischen den Sach- und Fachrichtern bemerkenswerte Übereinstimmungen; absolute Einigkeit herrschte demnach bei den ersten drei Rängen.

Das Siegermodell
Eine Arbeitsgemeinschaft aus Düsseldorf und Köln (Architekturbüro "rheinflügel severin", "office03" und "hermanns landschaftsarchitektur") setzte die Anforderungen an die Entwicklung des Quelle-Areals nach einhelliger Meinung der Jury besonders gut um. Im Zentrum des Entwurfs steht unterschiedliche Wohnbebauung vom Reihenhaus über Doppelhäuser bis zum Geschosswohnbau, gruppiert um mehrere Höfe. Eine Gewerbespange soll das Areal in Richtung Bahnhofstraße abschirmen. "Eine herausragende Lösung haben die Stadtplaner für die historischen Gebäude gefunden", zeigt sich Bürgermeister König begeistert. Das ehemalige Verwaltungsgebäude soll Raum für Mehrgenerationenwohnen bieten, im Turbinenhäuschen ist ein Nachbarschaftstreff vorgesehen. Die Erinnerung an den Kanal wird mit einem Wasserlauf mit Sitzgelegenheiten erhalten. Angetan zeigte sich die Jury auch von der "Wohntypologie" der Gebäude, die eine lebendige und offene Struktur schaffe. Der erste Preisträger erhält für seinen Entwurf 20 000 Euro. 12 500 Euro gibt es für den zweiten Platz, den Petra Habammer und Urlich Leber aus Freiburg belegten. Der dritte Preis geht zusammen mit 8 500 Euro an die Lehmann Architekten GmbH aus Offenburg.

Weiteres Vorgehen
"Erstes Ziel erreicht: Wir haben den Wettbewerb mit einem guten Ergebnis für die Gemeinde beendet", zeigte sich Bürgermeister Rainer König hoch zufrieden. Nun soll es Gelegenheit zur Diskussion geben, im Herbst wird der Gemeinderat das Thema behandeln. Vorbehaltlich der Modifikationen, die sich im Laufe des Diskussionsprozesses ergeben, sollen auf Basis des Siegerkonzeptes der Bebauungsplan und die weiteren städtebaurechtlichen Grundlagen für die Besiedelung des Gebietes geschaffen werden.

Ausstellung: Die Wettbewerbsmodelle sind heute noch von 15 bis 19 Uhr im Haus der Sicherheit zu sehen.