"Der Galgenbuck": Mystisches über den Schwarzwald

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Von jbs

Sa, 16. März 2013

Stühlingen

Autorin Petra Pauls-Gläsemann in der Stadtbibliothek Stühlingen zu Gast / Historischer Roman lädt zur Zeitreise ins Jahr 1522 ein.

STÜHLINGEN (jbs). Nicht nur in Leipzig standen Bücher und ihre Autoren im Mittelpunkt, auch in der Stadtbibliothek Stühlingen war in der Woche der Buchmesse die Direktbegegnung mit Schriftstellerin und Werk möglich. Das Bücherei-Team um Helga Kurth hatte Petra Pauls-Gläsemann aus Grafenhausen eingeladen, aus ihrem historischen Roman "Der Galgenbuck" zu lesen.

Ausgestattet mit Schriftrolle und Haube schlüpfte sie in die Rolle der Wehmutter Dorothea und lud zur Zeitreise ins Jahr 1522. Der historische Hintergrund des Romans bezieht sich auf den Beginn der Reformation und das neue, freiere Gedankengut, das die unterdrückten Menschen der damaligen Zeit immer stärker beschäftigt. Im Zentrum des Geschehens steht Grafenhausen im Schwarzwald, das damals noch zu Schaffhausen gehörte. In ihrem Buch verwebt die Autorin das Schicksal des Zimmermanns Jacob aus Münster mit dem des jungen Schaffhauser Mönchs Benedikt und vielen weiteren fiktiven Figuren. Vor historischem Hintergrund inszeniert sie eine Mischung aus Kriminal- und Liebesgeschichte mit viel lokalem Bezug.

In der Bücherei las sie eine Szene, die in der nahen Illmühle im Steinatal spielte. Unter anderem verfolgt Hans, der Viehbauer aus Bettmaringen, die an ein Wunder grenzende Rettung des jungen Benedikt, der sich aus Reue über seine fleischlichen Verfehlungen fast selbst getötet hätte. Die Autorin nahm auch Bezug auf das Leben der Menschen unter der Fron oder die Auswirkungen der Hexenprozesse: "Niemand konnte es sich leisten, beim Kräutersammeln gesehen zu werden." Die der Hexerei bezichtigte Gertrude war vom Klerus gerädert worden "und schließlich lag sie eines Morgens vor den Toren Stühlingens". Im Anschluss an ihren Vortrag verriet Petra Pauls-Gläsemann, dass ihr Buch nichts mit "heiler Welt" zu tun und somit auch kein Happyend habe. Grundsätzlich habe sie beim Schreiben versucht, so nah wie möglich an der Historie zu bleiben. Dazu betrieb sie unter anderem im Museum Allerheiligen in Schaffhausen intensive Forschung, wobei ihr Kuratorin Hortensia von Roda Einblicke in Arbeiten ermöglichte, die sonst als unzugänglich gelten. Petra Pauls-Gläsemann erstaunte ihre Zuhörerschaft mit der Information, dass sie die eigentliche Story in nur zwei Wochen – Tag und Nacht schreibend – zu Papier gebracht habe. Es folgten drei Jahre dauernde Recherchen, die der Ausarbeitung dienten. Die Idee zum Buch kam ihr übrigens in einer Basler Buchhandlung, wo sie plötzlich wusste: "Ich will etwas Mystisches über den Schwarzwald schreiben!"