Ein selbst gedrechseltes Alphorn

Jutta Binner-Schwarz

Von Jutta Binner-Schwarz

Sa, 11. Dezember 2010

Stühlingen

Edwin Schanz aus Eberfingen hat rund 100 Stunden in den Bau seines ungewöhnlichen Instruments investiert.

STÜHLINGEN. Alphornklänge in Eberfingen? Edwin Schanz macht’s möglich. So überraschte er beispielsweise die Besucherinnen und Besucher des alpenländischen Weihnachtsbasars mit den ungewöhnlichen Klängen. Das Staunen wurde noch größer, als ans Tageslicht kam, dass er sich sein Alphorn selbst gebaut hatte und zwar ohne Anleitung. Wie ist das möglich?

Ganz am Anfang stand ein Drechselkurs an der Hohenlupfenschule. Den absolvierte der mittlerweile 41-jährige Eberfinger bei seinem Techniklehrer Gerhard Nowakowski im Rahmen des erweiterten Bildungsangebotes. An diese interessanten Stunden erinnerte er sich wieder, als ihm vor drei Jahren eine gebrauchte Drechselmaschine angeboten wurde. Der gelernte Zimmermann griff zu und fing an "z" Buebele", wie er seine ersten Drechselversuche nach über 25 Jahren lachend beschreibt. Um das Gespür für die Technik wiederzufinden, drehte Edwin Schanz im ersten Winter Holzschalen als Fingerübung. Dann kopierte der begeisterte Tenorhornspieler das Mundstück seines Instruments. Bis heute staunt er über den unerwarteten Erfolg: "Ich habe es auf dem Tenorhorn ausprobiert und war ganz überrascht, dass es funktioniert hat."

Jetzt war er so motiviert, dass er beschloss, sich im folgenden Winter in seiner Hobbywerkstatt ein Alphorn zu bauen. Gesagt, getan! 2008 nahm er das Werk in Angriff, ganz ohne Bauplan, "einfach so, frei Schnauze". Risiko bestand ja keines, denn zuvor war für ihn klar: "Wenn es nichts wird, säge ich es einfach zusammen und werfe es in den Ofen." Eine logische Idee, wenn man weiß, dass Edwin Schanz Fichtenstücke von seinem Brennholzstapel für das Instrument verwendet hat. Damit ist er in bester Alphornbauertradition. Er erklärt: "In den Alpen nimmt man auch Fichte, aber solche aus den Bergen. Dann ist das Holz langsamer gewachsen und feinfaseriger." Allerdings entstanden diese Alphörner aus einem von Natur aus krummen Stamm und musste nicht eigens gedrechselt werden.

Edwin Schanz begann mit einem neunzig Zentimeter langen Stück, und als das gut passte, folgten drei weitere Teile, so dass er schlussendlich auf eine Länge von 3,65 Meter kam. Das entsprach dem gängigen Alphornmaß. Als Nächstes musste er seine Drechselarbeit halbieren und mit Hammer und Stemmeisen mühsam aushöhlen. "Darum habe ich so lange Arbeit gehabt, das war alles Handarbeit, nur am Anfang konnte ich die Flexscheibe nehmen," berichtet der Eberfinger. Rund hundert Stunden kostete ihn sein Alphornbauabenteuer. Als Nächstes musste er die Einzelteile zusammenleimen. Die Mitte sollte eine Muffe verstärken und so griff der Praktiker zunächst zu der eines Abwasserrohrs. Er schmunzelt noch heute über seine Entdeckung: "Die hat einwandfrei gepasst, aber eben nicht so gut ausgesehen." Kurt Buntru aus Eberfingen drehte ihm deshalb auf der Drehmaschine ein schöneres Exemplar. Ganz zum Schluss machte eine ordentliche Portion Holzlack das Instrument zum endgültigen Glanzstück.

Nun kam die bange Frage, ob es sich auch musikalisch bewähren würde. Das Alphorn Marke Eigenbau enttäuschte Edwin Schanz nicht. Als geübter Tenorhornspieler des Musikvereins Eberfingen entlockte er ihm auch ohne Noten problemlos die gewünschten Töne. Und doch trat ein kleines Problem auf, das der Musiker so erläutert: "Als ich das erste Mal draußen spielte, bin ich ganz schön erschrocken. Das war eine ganz andere Situation als im Raum, man hört den Ton erst eine Zeit lang, nachdem man ihn gespielt hat." Aber auch dafür gab es eine Lösung, Edwin Schanz probte fortan auf dem Eberfinger Berg. Im September 2009 wollte er es dann ganz wissen und meldete sich zu einem Alphornbläserkurs auf dem Feldberg an. Der Kursleiter sah sein Instrument, um ihn lachend zu fragen: "Was willst du denn mit deinem Ofenrohr da?" Nach den ersten Tönen stellte er allerdings verwundert fest: "Das klingt ja richtig!" Wenn Edwin Schanz mit anderen zusammen spielen wollte, müsste er das gute Stück allerdings noch drei Zentimeter absägen, um etwas höhere Töne zu erhalten. "Solange ich allein spiele, geht es so bestens," meint er zufrieden.

Die Eberfinger finden das auch, denn sie freuten sich bereits mehrfach über ein kleines Alphornkonzert. Und was werkelt Edwin Schanz in diesem Winter? Er drechselt große Schachfiguren fürs Freie und stellt fröhlich fest: "Was macht man nicht alles, damit es einem nicht langweilig wird." Wer ihn allerdings kennt, der würde sich diese Sorge sowieso nie machen.