Virtuose Klänge in der Schlosskapelle

Andreas Mahler

Von Andreas Mahler

Mo, 08. Mai 2017

Stühlingen

Siebenköpfiges Ensemble aus Weißrussland gibt Freundschaftskonzert / Hilfe für Kinder aus dem Raum Tschernobyl.

STÜHLINGEN. Maiandacht und Konzert haben die Kapelle von Schloss Hohenlupfen gänzlich gefüllt. Die anwesende Schlossherrin Cécile Stamm hatte ihre Pforten für diesen andächtigen Musikabend geöffnet. Pfarrer Fabian Schneider zelebrierte die Andacht zu Ehren der heiligen Maria, die nach seinen Worten stellvertretend "Mutter aller Gläubigen geworden ist."

Ein siebenköpfiges Ensemble aus Weißrussland, das sich auf Tournee am Hochrhein befindet, gestaltete die Feier mit – unter anderem mit einem Schubert-Ave Maria des Tenors Semjon Burenkov. Organisiert hatte das konzertante Gastspiel der Verein "Zukunft für Ritschow. Leben nach Tschernobyl". Der Verein unterstützt in der Region Gomel/Belarus Kinder und Jugendliche, die noch immer unter der beständigen radioaktiven Bestrahlung leiden. Hedi Müller, die Vorsitzende des Vereins aus Albbruck-Birndorf, sucht derzeit noch Gasteltern, die bereit sind, vom 16. Juli bis 12. August ein oder zwei Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren aufzunehmen. Sie sollen hier im Südschwarzwald ihr Immunsystem stärken. Die Andachtsbitten der Gläubigen an Mater dolorosa, die unter dem Kreuz ihren Sohn verliert, waren also verknüpft mit einem konkreten Hilfsangebot.

Die Mitglieder des Ensembles entstammen mehrheitlich der weißrussischen Musikakademie, sind national und international preisgekrönt, arbeiten aber in unterschiedlichen Institutionen oder freiberuflich. Auf eigene Kosten hat sich die Truppe auf Tournee an den Hochrhein begeben, um hier eine Reihe von "Freundschaftskonzerten" zu geben. Ihr vollständiges Konzertprogramm konnten sie in der Schlosskapelle allerdings nicht absolvieren. Denn wenngleich diese alte, schön gestaltete Räumlichkeit eine eigentümliche Atmosphäre ausstrahlt, war es schlicht zu kalt für einen langen Abend – der Flötist Igor Skripto wärmte sein Instrument unter der Jacke. Dick eingemummt gab das Ensemble nach der Andacht dennoch ein eindrückliches, knapp einstündiges Konzert. Trotz des ungemütlichen Maiwetters erklang "Im wunderschönen Monat Mai" von Robert Schumann. Und – wann ist schon einmal eine Arie aus "Gianni Schicchi" von Giocomo Puccini live in Stühlingen so wunderbar opernhaft zu hören gewesen wie von der Sopranistin Viktorija Zbankova-Strigankova? Für Momente waren große Oper-Gefühle präsent. Bizets "Carmen" blitzte auf. "Wiener Blut" von Johann Strauß erinnerte manchen an alte fürstenbergische Zeiten des Schlosses unter vorderösterreichischer Hoheit. "Moskauer Nächte" von Wassilij Solowjow-Sedoi, das alte russische Volkslied, weckte russische Stimmung. Das Ensemble brachte mit seinem Auftritt insgesamt einen Hauch von orthodoxer Volksfrömmigkeit in die Schlosskapelle. Die Andacht wurde intensiver.

Der Applaus war überaus kräftig und herzlich – das Publikum bewegt und innerlich erwärmt.