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31. Mai 2011

Eine Hommage in Klängen an St. Cyriak

"Die Glöckner" gastierten in ihrer "absoluten Lieblingskirche".

  1. Mit einer eigenes auf die Klosterkirche Sankt Cyriak abgestimmten Performance loteten "Die Glöckner" um Percussionist Tilo Wachter den romanischen Kirchenraum mit archaischen Klängen,durchdringenden Tönen und feinen Geräuschen aus. Foto: Martina Faller

SULZBURG. Eine Hommage in Klängen machten "Die Glöckner" um Musiker Tilo Wachter "ihrer absoluten Lieblingskirche", der Klosterkirche Sankt Cyriak in Sulzburg. Und das Publikum erlebte in der eigens auf die romanische Klosterkirche abgestimmten Performance eine einmalige Darbietung, die, so Tilo Wachter eingangs, "wir noch nie gemacht haben und so auch nicht wieder machen werden".

Neu war indes längst nicht alles. Das von Tilo Wachter komponierte Stück "No Bantu nara" war schon des Öfteren zu hören. Doch erst aus dem Hochchor des ottonischen Sakralbaus, getragen von der einmaligen Akustik der Klosterkirche, schien der archaische Gesang seinen Zauber vollständig entfalten zu können. "Um frisches Spiel reinzubringen", haben Tilo Wachter, Hennes Vollmer und Joscha Baltes, durch das Fehlen von Martin Kutterer auf drei Glöckner reduziert, nicht alles abgesprochen und bewusst viel Freiraum gelassen. Doch wären unter den Glöcknern nicht ab und an fragende Blicke ausgetauscht worden und wäre in ihren Gesichtern nicht ab und zu ein überraschter Ausdruck aufgeblitzt, das Publikum hätte die Improvisation als solche nicht erkannt. Verwoben sich doch feste Kompositionen und eingeübte Strukturen mit dem freien Spiel zu dem großen Ganzen eines außergewöhnlichen Klangerlebnisses. An dessen Anfang stand die Erfahrung: Wie laut es ist, wenn es leise ist. Denn in der gespannten Stille des Publikums und der außergewöhnlichen Akustik von Sankt Cyriak bekam jedes Geräusch Bedeutung, jeder Schritt auf den Stufen Hall und jede Bewegung Klang.

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Ganz ungeahnte Klänge entlockten die drei Glöckner dem Metall der englischen Handbells durch verblüffende Spieltechniken. Da wurden die dünnwandigen Glocken mal mit Holz gerieben und aneinander gewetzt, mal in körperlicher Schwerstarbeit angeschlagen und geschwungen, mal in Bündeln geschüttelt und mit Trommelschlegeln bearbeitet und dabei mal Klanggewalt, mal meditative Klangbilder erzeugt, die die Urkraft dieser alten und seltenen Instrumente hör- und spürbar machen. Der Zuhörer wird dabei ganz zum Spielball der Klänge, mal von den Wellen eines gewaltigen Klangtsunamis regelrecht fortgespült, mal auf den Flügeln eines sphärischen Klangteppichs emporgehoben zu den Grenzen des Kirchenraums.

Wer da versucht, diese Kunst mit Inhalt zu beschweren, dem bleibt der Höhenflug verwehrt. Die Klänge sprechen für sich, verbinden sich jedoch mit der Erfahrung des mittelalterlichen Kirchenraums zu einer eindrücklichen Performance, die nicht mehr will, als beim Zuhörer etwas zum Schwingen zu bringen. Bei dem einen möglicherweise nur das Trommelfell, bei anderen sogar die Seele.

Autor: Martina Faller