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11. Januar 2010
Inszenierung ist geplatzt
Theater "Wider das Vergessen"
SULZBURG. Die Enttäuschung ist groß. Sowohl bei den Akteuren als auch bei Regisseur Willi Sander und gewiss auch beim mittlerweile großen Publikum, das sich die Jugendtheatergruppe der evangelischen Kirchengemeinden Sulzburg und Laufen in den vergangenen vier Jahren erspielt hat. Denn in diesem Jahr wird es keine Fortsetzung der Theaterreihe "Wider das Vergessen" geben.
Große Beachtung weit über Sulzburg hinaus haben die szenischen Lesungen der Jugendtheatergruppe der evangelischen Kirchengemeinden Sulzburg und Laufen gefunden. Unter dem Motto "Wider das Vergessen" haben die Jugendlichen unter der Leitung des Theaterpädagogen, Schauspielers und Regisseurs Willi Sander mit Stücken wie "Als unsichtbare Mauern wuchsen" nach dem Roman von Ingeborg Hecht, "Synchronisation in Birkenwald" von Viktor Emil Frankl sowie Günter Eichs Hörspiel "Die Mädchen aus Viterbo" und zuletzt mit Wolfgang Borcherts Theaterstück "Draußen vor der Tür" eindringlich und berührend ein Thema auf die Bühne in der Sulzburger Synagoge gebracht, das, so Willi Sander, "in unserer Gesellschaft noch unerlöst ist".
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Dass die Jugendlichen mit ihrer Auseinandersetzung mit dem Holocaust beim Publikum tatsächlich einen Nerv getroffen haben, zeigte sich in der Vergangenheit nicht nur in den Zuschauerreaktionen, sondern auch in der wachsenden Zahl der Zuschauer. Für die Fortsetzung der Theaterreihe mit dem Theaterstück "Janusz Korczak und die Kinder" von Erwin Sylvanus wurden daher von Anfang an sechs Aufführungstermine festgesetzt. Schon seit März vergangenen Jahres hatte sich Willi Sander mit dem Stück beschäftigt, hatte angefangen sich in die Figur des berühmten jüdischen Kinderarztes und Pädagogen hineinzudenken. Doch eineinhalb Monate nach Probenbeginn im Oktober musste er sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Projekt zurückziehen. Für die jugendlichen Schauspieler war die Nachricht zunächst ein Schock, der erst einmal verarbeitet werden musste. Bei einer Krisensitzung fasste die Gruppe jedoch den Entschluss, ohne Willi Sander weiterzumachen und übertrug die Regie an Anna Gehlhaar, die zuvor schon Willi Sander assistiert hatte.
"Das hat die Gruppe unheimlich zusammengeschweißt", berichtet Anna Gehlhaar. Außerdem waren wir "schon so tief drin in dem Stück, dass wir es unbedingt machen wollten". Das endgültige Aus kam kurz vor Weihnachten durch die Absage der Musiker. "Natürlich hätte ich mir neue Musiker suchen können", meint Anna Gehlhaar, die Grenze des Machbaren sei damit aber klar überschritten gewesen. Die Enttäuschung bei ihr und den anderen Jugendlichen sitzt nun tief.
Auch Willi Sander findet es "sehr schade", dass die Inszenierung geplatzt ist, hegt jedoch den Wunsch, "dass wir dieses Stück noch machen", weil ihm und den Schauspielern die Figur des Janusz Korczak und seine selbstverständliche Liebe zu den Kindern enorm wichtig geworden sind.
Autor: Martina Faller
