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12. März 2011
Verhindern durch Erinnern
Vizepräsidentin in Synagoge.
SULZBURG (mps). Prominenten Besuch hatte das alte Residenzstädtchen Sulzburg am Donnerstag: Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), nutzte ihren Aufenthalt in Südbaden zu einer Besichtigung der alten Synagoge. Sie betonte, wie wichtig besonders für die Nachfolgegenerationen eine lebendige Erinnerungskultur sei.
Die Bundestagsvizepräsidentin und Präsidentin der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland zeigte sich sehr interessiert an der jüdischen Geschichte Sulzburgs und am Umgang mit den Ereignissen in Zeiten des Nazi-Regimes. Zuvor führte Stadtarchivar Jost Großpietsch ins Thema ein. Er erläuterte die Geschichte der Sulzburger Synagoge, die 1822 erbaut wurde. Damals sei praktisch jeder dritte Sulzburger jüdischen Glaubens gewesen. Mit der Sanierung der Synagoge und ersten Begegnungen mit ehemaligen jüdischen Mitbürgern in den achtziger Jahren habe sich die Stadt um die Aufarbeitung der Geschichte bemüht, erläuterte Großpietsch.
In diesem Zusammenhang fragte die Bundestagsvizepräsidentin, wie groß das Interesse der jungen Menschen an diesem Teil der Stadtgeschichte sei. Es beschäftige sie sehr, dass die Erinnerungskultur zum nationalsozialistischen Völkermord und zur Judendeportation bei den jungen Menschen nachlasse und eine Einordnung der schrecklichen Ereignisse entweder nur noch unzulänglich oder gar nicht geschehe. Gerade aber das Erinnern sei für eine verantwortungsvolle Zukunftsentwicklung fernab von Extremismus und Radikalität besonders wichtig, erklärte die studierte Theologin.
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In diesem Zusammenhang interessiere sie auch das gesellschaftliche Engagement, wie es beispielsweise vom Freundeskreis der ehemaligen Synagoge gelebt werde. Sie bedauerte allerdings, dass junge Menschen den Weg in den Freundeskreis nicht fänden, um die Arbeit zu unterstützen. Erfreut zeigte sich Katrinn Göring-Eckardt indes über die projektbezogene Auseinandersetzung Jugendlicher mit dem Antisemitismus und den Folgen unter der Nazi-Herrschaft. Dazu meinte die Politikerin: "Junge Menschen müssen sich mit dem Thema befassen, die Folgen kennen und einschätzen lernen und durch die Erinnerung diesen Extremismus künftig verhindern."
Autor: mps
