Textile Kunst macht das Gundelfinger Rathaus bunt

ast

Von ast

Fr, 17. Juni 2011

Gundelfingen

Zierdecken in allen Farben und Formen: Die Textilkünstlerinnen Dorle Stern-Straeter und Isabelle Wiessler präsentieren im Foyer des Verwaltungszenrums ihre Werke.

GUNDELFINGEN (ast). Die bekannten Textilkünstlerinnen Dorle Stern-Straeter und Isabelle Wiessler präsentieren eine ganz andere Kunstausstellung in Gundelfingen und verleihen damit dem Rathausfoyer bis 3. Juli eine besondere Note. "Textile Kunst als Gesamtausstellung von zwei Künstlerlinnen, das ist ein Novum in unserem Kunstverein", begrüßte Vorsitzende Ulrike Bach die zahlreichen Besucher der außergewöhnlich gut besuchten Vernissage.

"Was macht man damit", fragte bei der Ausstellungseröffnung Bürgermeister Reinhard Bentler, der sich dann aber doch sehr beeindruckt zeigte, von den "farbenfrohen Näharbeiten". Antwort bekam er und die Zuhörer von Ulrike Bach: "Der Quilt ist eine Zierdecke, die aus zwei oder drei Lagen Stoff besteht." Oben ist die Schauseite, die auch Top genannt wird, dazwischen befindet sich ein wärmendes Vlies, die Rückseite besteht aus Stoff. Alle drei Lagen werden mit Heftstichen zusammengeheftet, entweder von Hand oder mit der Maschine. Es ist eine Kunstform die unendliche Geduld und Hunderte von Arbeitsstunden einfordert, bis ein Werk fertig ist.

"Aber Quilten ist auch eine meditative Angelegenheit, bei der man seinen Gedanken nachhängen kann, währen unter den Händen eine Kunstwerk langsam entsteht", verdeutlichte die Vorsitzende. Von China ausgehend verbreitete sich diese textile Kunst und nordamerikanischer Siedler entwickelten sie weiter und betreiben das Handwerk bis heute. Besonders die Amish People sind berühmt für ihre Quilts und ihre ganz spezielle Mustern, die sie von Generation zu Generation weitergegeben haben.

Die Künstlerin Dorle Stern-Straeter lernte die textile Kunst in Amerika kennen. "Sie war so angetan von den Werken, dass sie gleich zu Hause einen Patchworkkurs besuchte", erzählt Bach. Die Gemeinschaft mit anderen quiltenden Frauen und die Begeisterung für das Handwerk gingen ihr nie mehr verloren – im Gegenteil: Sie entwickelte ihren eigenen Stil, gab selbst Kurse und wurde so auf diesem Gebiet berühmt in Deutschland, USA, Israel, Saudi Arabien, Australien und Japan. "Überall dort, wo ihre Quilts ausgestellt wurden."

Über 300 Zierdecken hat sie in den 35 Jahren ihres künstlerischen Schaffens angefertigt. Drei bis vier Monate und viel Geduld braucht sie für einen mittelgroßen Quilt.

Eine besondere Technik die sie aus Mangel an Stoffen während ihres mehrjährigen Aufenthalts in Saudi Arabien entwickelte, wird "Crazy-Technik" genannt, in der viele Zufälligkeiten liegen. 1995 entstanden ihre Flic-Flac Quilts: Spitze Dreiecke werden dabei in den Quilt eingearbeitet. "Die Begeisterung und Befriedigung hat in den ganzen Jahren nicht nachgelassen", bekräftigt die Künstlerin. "Und die Ideen gehen mir nicht aus." Details und Techniken zu ihren Kunstwerken können in ihren Büchern nachgelesen werden, die bei der Vernissage zum Verkauf angeboten waren. Die Künstlerin lebt seit Jahren in München.

Isabelle Wiessler gibt in ihren Arbeiten Stimmungen wieder. Als Ausgangspunkt nimmt sie alltägliche Dinge, Strukturen aus der Natur, aber auch Ereignisse, die sie bewegen. Neben den gequilten Kunstwerken verwendet sie in ihren Bildern auch andere Materialien, die aufgeschichtet, bestickt, bemalt, verbrannt oder geschmolzen werden und dadurch einen besonderen Effekt erzielten. "Mit dieser Kunstform zeigt die Künstlerin etwas von der gegenwärtigen Situation in der Welt", verdeutlichte Bach.

So macht das Werk "Golf von Mexiko 2010" auf die Ölkatastrophe aufmerksam. "Die Kehrseite der Medaille" lautet der Titel eines weiteren Bilds, das auf Konsum zum Beispiel in der Modebranche und auf schwere, nicht angemessen bezahlte Arbeit oder gar Kinderarbeit in Dritte Welt Ländern aufmerksam macht. Isabelle Wiessler ist geboren in Paris, lebt aber seit 1985 in Gundelfingen. Sie bearbeitet ihre Quilts frei geführt auf der Maschine und bemalt sie anschließend mit Acrylfarbe.

Mit ihren Kunstwerken hat sie schon zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellung in Deutschland, der Schweiz und in Frankreich bestückt.

"Bei aller Verschiedenheit der Werke, ist doch beiden Künstlerinnen die Begeisterung und Faszination für ihre Kunst gemeinsam", betont Ulrike Bach. Musikalisch verwöhnt wurden die Vernissage-Gäste von Tanja Averkovych (Gesang) und Martin Maurer am Klavier, mit russischen Liebesliedern.

Die Ausstellung im Rathaus kann bis 3. Juli von Montag bis Freitag von 8 Uhr bis 18 Uhr besichtigt werden.