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12. Oktober 2011
Markus W. will auspacken
Der ehemalige Todtmooser Hotelier hat für kommenden Dienstag ein Geständnis angekündigt / Mehrjährige Haftstrafe erwartet.
TODTMOOS/BIELEFELD. Der frühere Todtmooser Hotelier Markus W. wird eine mehrjährige Haftstrafe akzeptieren. Die Verteidigerin des 48-jährigen Kaufmannes erklärte gestern vor dem Bielefelder Landgericht, ihr Mandant werde den "Verständigungsvorschlag" der Richter annehmen. Dieser "juristische Deal" sieht eine Haftstrafe von bis zu sechs Jahren im Fall eines umfassenden Geständnisses vor.
Markus W. muss sich seit Anfang September vor der 9. Strafkammer des Bielefelder Landgerichts verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und zwei Mitangeklagten aus Paderborn (Ostwestfalen) bandenmäßigen und gewerbsmäßigen Betrug vor. Bundesweit sind demnach 139 711 Personen in den Jahren 2009 und 2010 in den Sog der Gewinnspieltricks der drei Angeklagten geraten; diese Opfer wurden nach der Anklage von Oberstaatsanwältin Bettina Wiedemann durch mehr als 327 000 Lastschriften in Sammelverfahren überschüttet. Den Teilnehmern dieser Gewinnspiele sei zunächst ein gesamter Verlust von 18,8 Millionen Euro entstanden. Allerdings war 40 Prozent dieser Lastschriften später widersprochen worden, diese Beträge wurden zurückgebucht. Nach Ansicht der Ankläger soll der Schaden sogar noch mehr als 40 Millionen Euro höher liegen. Die Ermittlungen hinsichtlich dieser Taten wurden indes "vorläufig eingestellt".Werbung
Den Angerufenen war zunächst vorgegaukelt worden, sie hätten sich bisher kostenfrei an diesen Spielen beteiligt. Künftig sei die Teilnahme daran aber kostenpflichtig. Ihnen stehe eine "Geldzurück-Garantie" bei Nichtgewinn oder die Kündigung zu, dafür müssten aber ihre Kontoverbindungen für das Lastschriftverfahren preisgegeben werden.
Die Strafkammer hatte den Angeklagten bereits am zweiten Verhandlungstag Strafobergrenzen genannt. Dem Todtmooser Kaufmann und der Paderborner Thorsten S. (40) wurden danach bis zu sechs Jahre Haft in Aussicht gestellt. Die 37-jährige Angeklagte sollte bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe absitzen. Dafür erwarteten die Richter jedoch umfassende Geständnisse.
Markus W. nahm dieses Angebot gestern an. Er will nun am kommenden Verhandlungstag am 18. Oktober in Bielefeld seine Aussage machen. Seine Mitangeklagten schlugen den Vorschlag der Richter indessen aus.
Autor: Uwe Koch
