Wo das Wasser fällt

Jörg Oehler

Von Jörg Oehler

Mo, 12. März 2018

Todtmoos

Hintertodtmoos mit seinen Wasserfällen und den urigen Bauernhöfen diente schon einmal als Kulisse für einen Heimatfilm /.

Nach Vordertodtmoos und Todtmoos-Weg ist Hintertodtmoos mit 115 Einwohnern (ohne Nebenwohnungen) der drittgrößte Todtmooser Ortsteil. Nach Süden in Richtung Vordertodtmoos ist das Tal offen, im Norden wird der Ortsteil durch das Gewann "Ruschgumpen/Musloch" und die vielbesuchten Wasserfälle begrenzt.

Der Rüttebach schlängelt sich durch die grüne Talaue bis hin zu seiner Mündung in die Wehra im Zentrum Vordertodtmoos’. Das idyllisch gelegene "Musloch" grenzt zusammen mit dem herrlich gelegenen Fichtenhof am Wasserfall den Ortsteil im nördlichen Bereich ab. Das "Musloch" war damals eigentlich als Mühle geplant und 1775 als Bauernhaus erbaut worden.

Die Todtmooser Wasserfälle befinden sich oberhalb des Ortsteils auf dem Weg zu Todtmoos-Rütte, knapp zwei Kilometer nördlich vom Hauptort Vordertodtmoos entfernt. Die Wasserfälle werden vom Rüttebach gespeist und bestehen aus mehreren Einzelfällen. Die gesamte Fallhöhe erstreckt sich über knapp 40 Meter, der höchste "Einzelfall" misst etwa sieben Meter.

Ein ausgeschilderter Wanderpfad führt zu den Wasserfällen, und über eine Holzbrücke lässt sich der Rüttebach mit Blick auf die Einzelfälle überqueren. Wer den Premiumwanderweg "Genießerpfad – Todtmooser Lebküchlerweg" mit knapp 13 Kilometer Länge unter die Sohlen nimmt, kommt ebenfalls an den Todtmooser Wasserfällen vorbei.

Wie kam der Ortsteil zu seinem Namen? In früheren Jahren war Todtmoos aufgeteilt in zwei Gemeinden. Die hintere Gemeinde mit den nördlichen Ortsteilen wurde Hintertodtmoos genannt, die vordere Gemeinde mit den südlichen Ortsteilen bekam den Namen Vordertodtmoos. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Kinder der beiden Ortsgemeinden Vorder- und Hintertodtmoos im alten Rathaus in Vordertodtmoos gemeinsam unterrichtet, bis dann Hintertodtmoos am Ortsausgang gegenüber den Wasserfällen "Im Bühl", neben dem heutigen Haus Kreuzwieser, ein eigenes Schulhaus bekam, das Jahre später abbrannte. Fortan wurden die Kinder aus Hintertodtmoos, Höfle, Rütte, Prestenberg und Strick in der großen Stube der Familie Schwald am Ortseingang von Todtmoos-Rütte unterrichtet. In Hintertodtmoos wurde dann letztlich 1902 ein neues Schulhaus gebaut. Es "ragt" bis zum heutigen Tag an der Straße nach Bernau in die Landschaft.

An der Schule in Hintertodtmoos wirkten Alleinlehrer, unter anderem Alfred Stenzel, Hermann Nägele (Schulhelfer), Franz Zeller, Hermann Oehler, Erwin Kessler. Die heute 94-jährige Helga Luther, im Todtmooser Oberdorf wohnend, war die letzte Alleinlehrerin in Hintertodtmoos. Sie zog 1972 im Rahmen der Zentralisierung der fünf Todtmooser Außerortsschulen mitsamt der Kinder in die neu erweiterte Grund- und Hauptschule Vordertodtmoos.

Hintertodtmoos war vor vielen Jahren auch einmal Hauptdrehort für den Film "Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt" aus dem Jahre 1953. Die Haupthandlung des für die Nachkriegszeit so typischen Heimatfilms spielte damals im hinteren "Christihof". Auf dem Internet-Portal Youtube ist der Streifen heute noch zu sehen.

Heute wohnen im "Christihof" die Landwirte Manuel und Roland Waßmer. "Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt" ist einer der großen Heimatfilme in der Nachkriegszeit. Die schöne Todtmooser Landschaft und die urigen Bauernhöfe in Hintertodtmoos dienten aber nicht nur diesem Streifen als Kulisse.

Aus Berlin war zu jener Zeit die bildhübsche Staatsschauspielerin Ingeborg Körner zu den Dreharbeiten angereist, die im selben Jahr noch als Partnerin von Heinz Rühmann in "Keine Angst vor großen Tieren" mitspielen sollte. Der damals siebenjährige Hansjörg Kaiser aus Hintertodtmoos kümmerte sich eifrig um das Wohl der Schönen. Als kleines Dankeschön durfte er seiner großen Freundin auch ein Küsschen aufdrücken.