Alkohol ist auch keine Lösung

Verena Wehrle

Von Verena Wehrle

Fr, 17. November 2017

Todtnau

Bei einem Schulbesuch erzählten zwei Suchtkranke in Todtnau Gemeinschaftsschülern aus ihrem Leben.

TODTNAU. Die Deutsche Rentenversicherung war diese Woche in der Gemeinschaftsschule in Todtnau zu Besuch. Neben Marc Mehler vom Renten-Regionalzentrum Freiburg war auch der Bundestagsabgeordnete Armin Schuster (56) gekommen. Aufmerksam wurde den Schilderungen von zwei Patienten der Rehaklinik Birkenbuck über ihre Abhängigkeit zugehört.

Beim Schulprojekt der Deutschen Rentenversicherung (DRV) geht es um viele Themen, die für die Zukunft der Schüler wichtig sein können. Die Neuntklässler in Todtnau konnten hautnah erleben, welche Einschränkungen man im Alter haben kann – dazu stiegen sie in einen Alterssimulationsanzug.

Auch die Altersrente war Thema. Die Referenten des Regionalzentrums Freiburg der DRV machten deutlich, warum dieses Thema einem auch in jungen Jahren nicht egal sein sollte. Die Schüler fragten, warum sie, wenn sie jung sind, schon für später zahlen müssten. "Ihr lebt im Schnitt noch 25 Jahre nach der Rente, aber mit welchen Geld?", entgegnete ihnen Armin Schuster. Man müsse selbst viel tun für eine gute Rente, sagte er. Am Anfang sollten die Schüler daher "nicht das größte Auto kaufen" und das ganze Geld verprassen, sagte er. Wenn man jung ist, mache ein großes Auto und ein teurer Urlaub "nur Spaß" – wenn man älter ist, brauche man solche Dinge aber. "Seid am Anfang stark, und dann wird’s am Ende auch gut – das ist das Prinzip der Rente."

Auf die Frage hin, warum man nicht schon mit 50 in Rente gehen könne, erklärte Schuster seine persönliche Situation. Auch er könne jetzt mit 56 Jahren noch nicht aufhören zu arbeiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schüler von heute bis 70 arbeiten müssten, sei nicht klein, prophezeite Schuster. Auch andere politische Themen, die die Jugend betreffen, wurden besprochen, etwa die Legalisierung von Cannabis. Mit seinem Statement gegen eine Cannabis-Freigabe schlug er den Bogen zu den Folgen von Drogen. Zu Gast waren Fabijan Pasujkovic, Therapeut der Rehaklinik Birkenbuck in Malsburg-Marzell (eine Einrichtung der Rentenversicherung) sowie seine Patienten Olaf (44) und Oliver (45). Beide sprachen offen über ihre Abhängigkeit. Der 44-Jährige ist in seiner Jugend mit Alkohol in Berührung gekommen und dann in eine Alkohol- und Tablettensucht verfallen. Er erklärte den Schülern, wie sich nach einem Entzug und 20 Wochen Rehabilitation nun seine Lebensqualität verbessert habe und dass er jetzt mit sich selbst sehr achtsam umgehen könne. Er machte deutlich, was im Leben alles egal werde, wenn erst einmal das Suchtmittel im Vordergrund steht.

Oliver ist seit 30 Jahren alkoholabhängig und in seiner dritten Langzeit-Rehabilitation. Schon mit 15 begann er, regelmäßig zu trinken. Er gab den Schülern ein ganzes "Päckchen" als Ursachen an. So waren seine Mutter und sein Vater bereits alkoholabhängig. Oliver kam mit vier Jahren in ein Kinderheim. "Man versucht, die schlechten Erlebnisse wegzutrinken", sagte er den Schülern. Nach der Scheidung von seiner Frau erfolgten Rückfälle. "Gesund sind wir nie, das begleitet uns ein ganzes Leben", sagte er. Die Folgen: "Alles kaputt – Arbeit, Familie, Kontakte", sagte er. Die eindrücklichen Schilderungen der Männer machte die Schüler und Schülerinnen erst einmal sprachlos; sie verzichteten auf das Angebot, Fragen an die Referenten zu stellen.