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22. Mai 2013

Die weite Welt der Kultur im einstigen Kartoffelkeller

Mit der Sängerin Christine Schmid und dem Maler Udo Ehrenfeuchter hatte der Verein Kulturhaus Todtnau Hochkaräter zu bieten.

  1. Christine Schmid und Florian Metz unternahmen im Todtnauer Gewölbekeller eine musikalische Reise von Wien nach Paris. Foto: Felix Held

TODTNAU (lix). Zwei künstlerische Leckerbissen hatte der Verein Kulturhaus Todtnau im Gewölbekeller des Rathauses vorbereitet. Im Rahmen eines Kulturwochenendes stellte zum einen der in St. Blasien lebende Maler Udo Ehrenfeuchter seine Acryl-Gemälde zum Thema "Schwarzwald trifft Mexico" aus, zum anderen unternahmen die Akkordeonistin und Chansonnière Christine Schmid und ihr musikalischer Partner Florian Metz eine Musik-Reise von Wien nach Paris.

So holte der Verein Kulturhaus also die große weite Welt in den Gewölbekeller, in dem früher noch die Kartoffeln gelagert wurden, wie der Leiter Musik und Kleinkunst, Christoph Buck scherzte. Einen Hauch von Wiener Schmäh und Pariser Luft, von stimmlichen Hochlagen und ironischen Tiefschlägen – besonders gegenüber dem männlichen Publikum – verbreitete Christine Schmid bei ihrem Auftritt.

Mit ihrer voluminösen Stimme verzichtete sie, ebenso wie Florian Metz, der sie an diversen Instrumenten begleitete, auf Mikrofon und Verstärker. Diese hatte sie aber auch gar nicht nötig. Egal ob bei Musical-Klassiker, wie "Midnight" aus Cats oder "Don’t cry for me Argentina", oder bei klassischen Chansons wie "Non, je ne regrette rien": Mit ihrer glasklaren Stimme und starkem Ausdruck war sie auch bis in die letzten Winkel gut zu hören. Etwas störend war nur das E-Piano, dessen oft etwas unsauberer Klang im Kontrast zur Stimme von Schmid doch stark abfiel. Einen Flügel in die Katakomben des Rathauses zu bugsieren, wäre aber wohl zu viel verlangt und auch schon aus Platzgründen wohl eher ein schwieriges Unterfangen. Als Florian Metz bei den vier Zugaben, die vom Publikum gefordert und auch gerne gewährt wurden, aber zu Tuba und Kontrabass griff, hatte sich das Problem ohnehin erledigt. Ebenso weltläufig präsentierte sich der in St. Blasien wohnhafte Maler Udo Ehrenfeuchter. Seine Werke in Acryl, die er unter dem Titel "Schwarzwald trifft Mexico" zeigte, schufen eine Brücke zwischen dem Schwarzwald und Mittelamerika. Ehrenfeuchter lebte zwei Jahre in Mexico City und nun seit mehreren Jahren im Schwarzwald, er kennt also beide Lebenswelten gut. Das wurde in den Bildern deutlich. So zeigte er ebenso die im Zusammenhang mit Mexico wohl unvermeidbaren Sombreros, aber ebenso das Auto, das sowohl in Deutschland als auch in Mexico Kult ist: Den VW-Käfer – oder "el vocho", wie ihn die Mexikaner nennen. Während seine Ansichten von Südamerika farbenfroh gestaltet sind, sind die Gemälde zum Schwarzwald in gedeckten Farben gehalten.

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"Ich male immer von Fotografien ab. Bei den Schwarzwaldbildern habe ich einen schwarz-weiß Bildband von 1942 interpretiert", erklärt Udo Ehrenfeuchter. Allerdings kupfert er die Fotografien nicht eins zu eins ab, sondern erweitert diese mit der Dimension der Realität, die er in ihnen sieht.

Interessant war vor allem, wie in der Tat der Schwarzwald und Mittelamerika verschmelzen können. Bei den Bildern wie "Was man sät, erntet man", das einen Sämann auf dem Feld und im Hintergrund einen Pferdepflug sieht, ist nicht auf den ersten Blick klar, ob es sich nun um eine historische Aufnahme aus dem Schwarzwald oder um eine aktuelle aus Mexico handelt.

Wer sich selbst ein Bild von seiner Kunst machen will, kann Ehrenfeuchters Werke vom 17. Juni an bis Mitte September im Café Ell in St. Blasien sehen.

Autor: lix