Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

08. Oktober 2014

Die zauberhafte Landschaft verewigt

Im alten Rathaus von Muggenbrunn sind Bilder von Hermann Wolff zu sehen / Erinnerungen an den "Moler" des Schwarzwalddorfs.

  1. Ralf Andreas Thoma, Franz Bernauer (rechts das Bild von seinem Elternhaus), Helena Winkler und Markus Hendel (von rechts) im alten Rathaus Muggenbrunn mit Werken des Malers Hermann Wolff. Foto: Ulrike Jäger

TODTNAU-MUGGENBRUNN. Keine staubige Amtsstube, wie man bei dem Namen vermuten könnte, sondern eine Galerie ist das Alte Rathaus in Muggenbrunn für die nächsten zwei Wochen. In dieser Zeit sind Bilder des Malers Hermann Wolff in einer Ausstellung zu sehen, die am Samstag eröffnet wurde.

Galerist und Kunstexperte Ralf Andreas Thoma aus Basel hat die Treppenaufgänge, Sitzungszimmer und den Rathaussaal kurzerhand in Ausstellungsräume verwandelt, die als interessante Kulisse für die meist großformatigen Landschaftsbilder dienen. Der Todtnauer Kulturhausverein und Muggenbrunner Kunstfreunde unterstützten die Organisation. Auch die Witwe des jung verstorbenen Enkels von Hermann Wolff, die diese Ausstellung angestoßen hatte, war nach Muggenbrunn gekommen mit einigen Bildern ihres "Schwiegeropas" im Gepäck.

Ortsvorsteher Markus Hendel dankte den Muggenbrunnern, die 27 Bilder aus Privatbesitz für die Ausstellung zur Verfügung gestellt haben. Man könne die Entwicklung des Ortes wunderbar an den Werken Hermann Wolffs nachvollziehen.

Werbung

Hermann Wolff, 1893 in Stebbach (Kraichgau) geboren, studierte an der Kunsthochschule Karlsruhe und zog 1945 mit der Familie nach Muggenbrunn, wo er seit 1937 eine Ferienwohnung besaß. Den größten Teil seiner Bilder malte er im dann bezogenen "Molerhüsli". Es sind beeindruckende Landschaftsgemälde, die Motive meist aus Muggenbrunn oder der näheren Umgebung, Ausblicke zum Feldberg oder Belchen, aber auch Werke von Reisen an den Gardasee oder in die Provence. Wolff malte hauptsächlich in Öl, manche Bleistiftzeichnung und das eine oder andere Porträt sind ebenfalls in der kleinen, feinen Ausstellung zu finden.

Ralf Andreas Thoma sagte zur Einführung, dass die Ausstellung zwar unter dem Motto Schwarzwald stehe, doch würde er persönlich den passenderen Titel "Heimat" bevorzugen. Es seien nicht nur Stimmungsbilder oder Landschaftsaufnahmen einer Region, sondern der Betrachter werde sicher seine ganz eigenen Eindrücke und persönliche Erinnerungen an die Bilder haben. Es seien Sehnsuchtsorte, an die man sich in der hektischen Zeit gerne flüchten und aus denen man Kraft schöpfen könne. Thoma bezog dann auch Helena Winkler, die mit Wolffs Enkel verheiratet war, ins Gespräch mit ein.

Sie, die selber Künstlerin ist und in Karlsruhe ihr Atelier hat, zeigte sich begeistert von der Ausstellung und dem Elan, mit dem die Muggenbrunner hier zu Werke gingen. Sie lernte Hermann Wolff Mitte der 1980er Jahre kennen, da war er Anfang 90, beschrieb ihn als den "jüngsten alten Menschen", den sie je kennengelernt habe und als warmherzig, tolerant, offen und dynamisch. Er sei ein Meister darin gewesen, die Tiefe der Landschaft herauszuarbeiten, "eine große Kunst". Sie erinnerte sich daran, dass Wolff, der im Ersten Weltkrieg ein Bein verloren hatte, trotz Prothese in die Berge ging, mit Staffelei, Farben und Leinwand unterm Arm. Oft fertigte er eine Vorstudie mit Bleistift an.

Wolff war auch häufig zu Gast auf dem Notschrei, bei Trudel und Ernst Asal, den vorherigen Hoteleignern, die ebenfalls zur Vernissage gekommen waren. Sie hatten als Leihgabe das Porträt von Asals Schwester Friedhilde Lünig zur Verfügung gestellt. Auch Franz Bernauer hatte ganz eigene Erinnerungen an den "Moler", dem er als Bub über die Schulter gucken durfte, als er das Haus seiner Eltern malte. Neben zwei Bildern von Bernauers Elternhaus – eins im Sommer, eins im Winter – gibt es noch eines von Bernauers Skilift am Franzosenberg. Der Zufall wollte es, dass das Sommerbild auf einem Flohmarkt in Paris entdeckt wurde von einem Bekannten Franz Bernauers, der es dann von diesem französischen Uhrenverkäufer wiederum erwerben konnte.

Das Winterbild von seinem Elternhaus entdeckte Franz Bernauer, als das erste Skirennen 1951 in Muggenbrunn veranstaltet wurde: Es sollte der erste Preis für die Kombination Abfahrt und Slalom sein, wie Bernauer berichtete. Auch wenn die gesamte Skifahrerelite aus dem Schwarzwald nach Muggenbrunn gekommen war, Bernauer wollte unbedingt siegen und sich diesen ersten Preis, das Bild von seinem Elternhaus, sichern. "Er hat unsere zauberhafte Landschaft für ewig in Erinnerung gebracht", sagte Bernauer unter begeistertem Beifall der Besucher.

Autor: Ulrike Jäger