Ein mitreißender Sog in Todtnau

Anja Bertsch

Von Anja Bertsch

Mo, 27. August 2018

Todtnau

"Kulturhaus Todtnau" bereichert den Ort kulturell – wie jetzt mit der "Saxy Hammond Night".

TODTNAU (jabe). Seit bald zehn Jahren bereichert der Verein "Kulturhaus Todtnau" die Kulturszene im Schwarzwaldstädtchen Todtnau mit Konzerten, Ausstellungen, Literatur- und Kleinkunstveranstaltungen. Am Samstag brachte die Initiative mit der "Saxy Hammond Night" einen weiteren musikalischen Höhepunkt in den Todtnauer Untergrund. Der nämlich ist in Gestalt des Gewölbekellers unterm Rathaus einer der Orte, an dem viele Veranstaltungen der Kulturinitiative ihre stimmige Bühne finden.

Gewölbekeller
Tatsächlich geht der bühnenreife Ausbau des bis vor einigen Jahren ungenutzten Kellers entscheidend auf die Initiative des Vereins zurück: Dessen Mitglieder erkannten den besonderen Reiz des Gewölbes mit seinem Gemäuer aus unbehauenen Steinen und seinem wohlig-höhligen Ambiente und fanden mit ihrer Initiative zur Erschließung dieses besonderen Veranstaltungsraumes im Gemeinderat Gehör. 2012 konnte das erste Konzert hier stattfinden; seither haben sich viele weitere dazugesellt, wie ein Blick ins sorgsam gepflegte Gästebuch belegt.

Heimatverein
Wo die Initiative seit 2010 unterm Namen "Kulturhaus" firmiert, reichen die Wurzeln bis ins Jahr 1985 zurück: Der damals gewählte Namen "Verein für Heimatgeschichte" entsprach eben seiner Bestimmung: Gründungsidee war die Schaffung eines Museum zur lokalen Geschichte, das sich der jahrhundertealten Handwerks- und Industrietradition Todtnaus gemäß vor allem auf die Bürstenmacherei konzentrieren sollte.

Umgründung zum Kulturhaus
2006 dann kam’s zur Umwidmung in "Kulturhaus Todtnau", mit der auch eine inhaltliche Neuausrichtung einherging: "Wir wollten uns breiter aufstellen und einen Raum für Kunst, Literatur und Musik schaffen", schildert Monika Schneider als Gründungsmitglied und langjährige Vorsitzende die Entwicklung.

So finden unterm Dach des (rein imaginären) "Kulturhauses" nun also Ausstellungen statt, Lesungen oder Kabarettveranstaltungen. Mit der Büchertauschbörse sorgt der Verein nach der Schließung der öffentlichen Bibliothek weiter für rege zirkulierenden Lesestoff im Ort, unterm Titel "Karl Ludwig Nessler – Erfinder der Dauerwelle" würdigt der Verein eine weitere Todtnauer Spezialität in einer Dauerausstellung.

Und: Nach all der Zeit rückt mittlerweile endlich auch die Gründungsidee des Bürstenmuseums in Reichweite, freut sich die aktuelle Vorsitzende Ursula Drändle-Heger.

Konzertleben
Schließlich sind es vor allem auch die Konzerte von Klassik über Rockabilly bis Jazz, mit denen der Verein regelmäßig aufhorchen lässt. Mit dem Musiker Hary de Ville als Initiator der "Saxy Hammond Night" war da am Samstag in gewisserweise ein Markstein am Start: De Ville stand in unterschiedlichen Formationen bereits mehrfach auf der Kulturhaus-Bühne und bespielte mit seiner "Real Blues Band" seinerzeit das erste Konzert nach der Umwidmung des Heimatvereines zum Kulturhaus; Ort des Geschehens war damals in Vor-Kellergewölbe-Zeiten die Gaststätte "Krähenfels" im Ortsteil Brandenberg.

Saxy Hammond Night
Für das Konzert am Samstag hatte sich der Gitarrist und Sänger de Ville den Saxofonisten Arno Haas und Reinhold Hettich mit seiner Hammondorgel an die Seite geholt, die dem Konzert ihren hochmusikalischen Stempel aufdrückten.

Jeder ein Virtuose auf seinem Instrument, kreierten die vier Musiker – neben de Ville, Haas und Hettich Jörg Bach am Schlagzeug – gemeinsam ein packendes Konzertereignis voll brodelnder Energie und Intensität. Mit spielerischer Leichtigkeit bewegten sich die Band durch Stile und Stimmungen vom entspannt dahingroovenden Oldtime-Swing zur funkigen Uptime-Nummer und von der anrührenden Jazz-Ballade zum mitreißenden Latin. Am Tastenvirtuosen Hettich war es, seinen Mitmusikern auf seiner Hammondorgel den dichten Soundteppich zu weben, um in seinen Soli dann buchstäblich alle Register zu ziehen und die soundtechnischen Finessen seiner Tasteninstrument mit traumwandlerischer Sicherheit auszuspielen: Die Töne brodelten, glucksten, perlten und fauchten, und kreierten einen mitreißenden Sog, der Gäste mal um mal zu begeistertem Zwischenapplaus animiert. Arno Haas stand dem mit seinen vollendet runden Saxofonsoli in nichts nach, und Hary de Ville setzte mit markanter Stimme, intensiven Gitarrensoli und einigen Ausflügen ins Mundharmonika-Metier Akzente. Drummer Jörg Bach schließlich kreierte seinen Frontmännern im Hintergrund das druckvolle, elastisch swingende und groovende Grundgerüst – und holte zum guten Ende hin mit einem brillanten Solo den Samba von den Straßen Brasiliens in den Todtnauer Untergrund. Schluss. Aus. Applaus!

Info: Nächste Veranstaltung des "Kulturhaus Todtnau": Mathias Deutschmann, Samstag, 17. November, Gemeindezentrum Brandenberg. Beginn 20.30 Uhr: Vorverkauf: Tel. 07671/1290