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07. August 2017

Hippe Schwarzwaldkunst

In der Ausstellung "Herzland" zeigen Jochen Scherzinger und Tobias Ackermann in Todtnau Bürstenmacher und andere Handwerker.

  1. Die Künstler und ihre Werke: Jochen Scherzinger (rechts) und Fotograf Tobias Ackermann. „Der Glasmann“ (links) blickt von einer Glastür auf sein Werkstück Foto: Ulrike Jäger

  2. Die Vorsitzende des Kulturhaus-Vereins, Monika Schneider, vor der Fotografie „Die drei Bürstenmacher“ mit Requisiten aus dem Fundus des Todtnauer Bürstenmuseums Foto: ulrike jäger

TODTNAU. Der Gewölbekeller im Todtnauer Rathaus bietet das passende Ambiente für die Foto-Ausstellung "Herzland" von Jochen Scherzinger und Tobias Ackermann. Zur Vernissage hatte der Verein Kulturhaus Todtnau am Samstagabend eingeladen, und es kamen auch einige jüngere Besucher. Jochen Scherzinger ist bekannt geworden durch seine modern gestalteten, aussagekräftigen Figuren in alter Schwarzwälder Tracht.

Jochen Scherzinger zeigt auf den Fotos Tradition und altes Handwerk, allerdings nicht als Fotos in alter Tradition, sondern verfremdet, mit kleinen Besonderheiten gespickt und in überraschenden Ansichten. Die Konzepte zu diesen Fotokampagnen stammen von Modedesigner Jochen Scherzinger, der aus Gütenbach im Schwarzwald-Baar-Kreis kommt, und der sich mit dem Label "artwood" als Modedesigner im dortigen Ortsteil Hübschental früh einen Namen gemacht hat. Fotografiert hat Tobias Ackermann aus Donaueschingen, der sich als "Lichtemotionist" auf besondere Landschaftsfotografie spezialisiert hat und dessen Leidenschaft mystische Lichtstimmungen sind.

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Die zwölf Fotomotive in Todtnau, zum Teil auf Canvas-Leinwand und auf alten Holztüren aufgebracht, zeigen altes Handwerk, einen Uhrmacher, einen Zimmermann oder die fünfte Jahreszeit. "Der Fasnacht die Farbe zu entziehen, ist schon frech", sagt Jochen Scherzinger zu letzterem, denn auch das Foto mit einer Elzacher "Schuttig" kommt schwarz-weiß daher. Die kleinsten der alten Türen stammen aus dem Haus seines Großvaters, die anderen habe er in der Nachbarschaft "geschnorrt". Seine Modelle, die Fotograf Tobias Raphael Ackermann ins rechte Licht gerückt und fotografiert hat, seien alles Laien, Freunde oder Freundinnen, die nicht professionell, aber dafür authentischer rüberkämen. Ralf Thoma, beim Todtnauer Kulturhaus-Verein für den Kunstbereich zuständig, hatte den überzeugten Schwarzwälder nach Todtnau geholt. Eigens zu dieser Ausstellung im Rathauskeller hat Scherzinger das Bild "Die Bürstenmacher" komponiert. Es ist das einzige Werk in Farbe in dieser Ausstellung, es steht gleich am Eingang des Gewölbekellers und zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Der Betrachter braucht eine Weile, bis er sich dem Blick der drei abgebildeten Männer, die mit Requisiten aus dem Bürstenmuseum des Vereins ausgestattet sind, wieder entziehen kann.

"Der Fasnacht die Farbe zu entziehen, ist schon frech"
Jochen Scherzinger, Modedesigner
"Jochen Scherzinger hat den Schwarzwald neu erfunden, jung und frech", so begrüßte Ralf Thoma die Gäste der Vernissage am Samstagabend. Die Bilder seien voller Kraft und Magie, so kraftvoll wie die dargestellten Menschen, die die harte Arbeit traditionellen Handwerks verkörperten. Zum Titel "Herzland" habe ihn die Band "U 2" inspiriert ("Feed your Heartland"), sein Herzland sei der Schwarzwald, zu dem eben auch die Handwerker wie der "Flößer" oder der "Glasmann" dazu gehörten, erklärte Scherzinger auf die Frage von Thoma. Zusammen mit Tobias Raphael Ackermann habe Scherzinger "hippe Schwarzwaldkunst" geschaffen, so Thoma, die auch jüngere Menschen interessiere.

Sie arbeiteten sehr schnell, erklärt Scherzinger im Gespräch, die Modelle seien oft sehr überrascht gewesen, wie schnell. "Wir wussten immer beide genau, wie es aussehen soll", sagt Scherzinger. Die statische Dynamik der Bilder habe er von den griechischen Götterstatuen abgekupfert, erklärt er lachend. Die Bilder seien in Schwarz-Weiß gehalten, weil Farbe ablenken würde. Die Türen mit ihren unterschiedlichen Strukturen vertrügen keine Farbe, außerdem wirkten die Bilder auf Holz epischer, erklärt Scherzinger. Fast dreidimensional wirkt manches Bild auf den Betrachter, so mutet es an, als ob der Kopf beim Foto "Der Zimmermann" aus dem Holz käme. Eine der alten Türen ist in der oberen Hälfte aus Glas. Und das Foto "Der Glasmann" ist, wie könnte es anders sein, genau auf dieser Tür zu finden. Die Fotos auf Leinwand (100 mal 150 Zentimeter) sind auf 50 Stück limitiert, die Türen auf zehn.

Die Ausstellung ist am 12. und 13. August und am 19. und 20. August jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Gewölbekeller im Todtnauer Rathaus, Meinrad-Thoma-Straße 8

Internet: http://www.artwood.de

http://www.lichtemotionist.de

Autor: Ulrike Jäger