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05. Dezember 2008

Initiative für ein Kulturhaus

Einige Todtnauer suchen Mitstreiter, die sich für eine solche Stätte einsetzen / Unterstützung vom Verein für Heimatgeschichte.

TODTNAU. Musik, Kunst, Geschichte und Kommunikation sind willkommen im Kulturhaus Todtnau. Das hätte Stadtrat Christoph Buck von der neu gegründeten Initiative Kulturhaus Todtnau gerne gesagt. Doch was konkret klingt, ist bislang Zukunftsmusik. Bei einem Infoabend konnten sich Interessierte die Pläne anhören.

Die Initiatoren suchen den Rückhalt der Bürger, Vereine und Firmen mit dem Ziel, in kurzer Zeit 200 bis 300 Mitglieder für einen neuen Verein zu gewinnen. 50 Interessierte waren zur Infoveranstaltung gekommen, so viele hatten die Initiatoren nach eigenem Bekunden nicht erwartet.

Der 1985 gegründete Verein für Heimatgeschichte soll im neu zu gründenden Verein aufgehen und dort für die Abteilung Museum zuständig sein. Daneben soll es weitere Abteilungen beispielsweise für eine Mediathek, Kunst und Kleinkunst oder Jugendarbeit geben. Auch den Vereinen soll Raum gegeben werden. Die Stadt habe signalisiert, dass sie ein Haus zur Verfügung stellen und als Einrichtungsträger agieren würde. Kaufpreis und Einrichtung könnten etwa zur Hälfte über Förderprogramme finanziert werden.

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Kontrovers und heftig sei das Thema in nichtöffentlichen Gemeinderatssitzungen diskutiert worden, sagte Christoph Buck. Der Gemeinderat hat einen Museumsausschuss gebildet, und eine Initiative mit Christoph Buck, dem früheren Todtnauer Ralf Andreas Thoma und der Stadträtin Monika Schneider habe nun die Aufgabe, das Interesse der Bürger zu erkunden. "Todtnau hat zwar den höchsten Wasserfall und Weltcup-Pisten, aber ein kulturelles Haus existiert nicht", bedauerte Buck.

Problematisch sind die laufenden Kosten

"Einrichtungs- und Sanierungskosten sind nicht das Problem, eher die laufenden Kosten." Letztere beziffere die Stadt auf 50 000 Euro pro Jahr. Etwa die Hälfte könnte durch Eintritt und Raummiete gedeckt werden. Ein Trägerverein müsste 10 000 bis 25 000 Euro pro Jahr aufbringen. Aus dem stadteigenen Lehrerwohnhaus an der B 317 ein Museum zu machen würde nach Angaben der Stadt etwa 350 000 Euro kosten. Als mögliche Standorte sind außerdem das Haus Elisabeth Krumm, das Haus von Margarete Schwittay an der Feldbergstraße und das Forsthaus im Gespräch.

"Meine Position ist etwas frustüberladen", gab Stadträtin Monika Schneider, die seit diesem Jahr Vorsitzende des Vereins für Heimatgeschichte ist, unumwunden zu. "Doch der Optimismus, dass wir was erreichen können, ist immer noch da." Die im Keller der Grundschule gelagerten Bilder seien hin. "Wir müssen bald was gegen den Verfall machen", sagte Monika Schneider. Auf 1300 Euro Einnahmen komme der Verein durch Mitgliedsbeiträge, 600 Euro Betriebskosten muss der Verein pro Jahr für die Nesslerausstellung bezahlen. Finanziellen Spielraum gebe es durch die Einnahmen aus dem Bürstenbinden an Messen und Märkten von Friedrich Busse.

In der Diskussionsrunde sah Margarete Kunz Handlungsbedarf, "weil’s ganz dringend ist, so ein Haus zu haben". Dass ein Jugendraum ins Kulturhaus Einzug halten könnte, sieht Jugendreferent Steffen Pick kritisch: "Ich werde das Gefühl nicht los, dass ein Jugendtreff eher ein Anhängsel ist und nicht so zur Geltung kommen würde." Stadtrat Leonhard Zimmermann hält es für wichtig, dass bei einem Kulturhaus vereinsübergreifend zusammengearbeitet wird.

Touristische Vermarktungsmöglichkeiten sieht Tourismus-Geschäftsführer Axel Rauch eher nicht. Gäste kämen in erster Linie der Natur wegen ins Todtnauer Ferienland. Martina Schmid sieht in einer Mediathek eine wertvolle Ergänzung auch für Urlaubsgäste. Margarete Schwittay hält einen Austausch von Jung und Alt für wichtig und sagte: "Ich könnte mir vorstellen, dass das im neuen Haus unter meinem Dach sein könnte." Bernd Schneider kommentierte den Kulturhausflyer mit den Worten: "Hochgstoche, aber super gut", und sagte in puncto Museum, dass ein Mensch, der nichts von seiner Geschichte weiß, arm sei.

Doris und Michael Spychalski umrahmten die Veranstaltung musikalisch. Die Initiatoren hoffen nun, dass eine baldige Gründungsversammlung keine Zukunftsmusik bleibt.

http://www.kulturhaus-todtnau.de

Autor: Karin Maier