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16. Januar 2013

Macbeth als Einmann-Show

Bernd Lafrenz inszeniert Shakespeare-Klassiker einmal anders.

  1. Der Freiburger Schauspieler Bernd Lafrenz entdeckt die Komik in Shakespeares Klassiker Macbeth. Foto: Felix Held

TODTNAU. Macbeth – das klingt zunächst einmal nach schwerer Kost, nach klassischem Theater mit intriganter Story und viel Drama. Dass das nicht unbedingt so sein muss, hat der Freiburger Schauspieler Bernd Lafrenz mit seiner ganz speziellen Inszenierung dieses Stückes als "blutrünstiger Komödie" im katholischen Pfarrsaal in Todtnau gezeigt.

Organisiert hatte seinen Auftritt der Verein Kulturhaus Todtnau, der sich am Samstag wohl über eine etwas größere Resonanz gefreut hätte. Der Saal war bei weitem nicht ausverkauft, doch es fanden sich etwa 50 Besucher ein, um der One-Man-Show von Lafrenz beizuwohnen.

Dieser zog die Zuschauer mit seiner bemerkenswerten Bühnenpräsenz von der ersten Sekunde an in seinen Bann. Egal ob als Hexe, die dem Feldherrn Macbeth seine Zukunft prophezeit, oder gar als William Shakespeare selbst – Lafrenz wechselt seine Rollen so schnell und ohne Unterlass, dass er ganz alleine sämtliche Figuren auf der Bühne zum Leben bringt.

Dabei hält sich Lafrenz nicht stur an die Textvorlage, sondern spielt mit einigen selbst beigefügten Elementen, die seiner Version von Macbeth viel Komik verleihen. So inszeniert er eigentlich nicht Macbeth an sich, sondern vielmehr zeigt er den Dichter Shakespeare beim Schreiben des Stückes. Die alltäglichen Unzulänglichkeiten – der Besuch seiner nervtötenden Mutter oder des berühmten Shakespeare-Darstellers Robert Burbage, den Lafrenz eher als Speichellecker zeichnet, der unbedingt eine Rolle in dem neuen Stück haben will – die Lafrenz seinen Shakespeare durchleben lässt, brechen dessen Nimbus als dichterisches Übertalent und machen ihn so selbst zur komischen Figur.

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Dies ist aber nicht der einzige Kniff, mit dem Lafrenz den Spannungsbogen in seiner Inszenierung spannt. Genau genommen veranstaltet er nämlich gar keine One-Man-Show, vielmehr wird ab und zu das Publikum selbst zu Schauspielpartner oder Requisite. Etwa, wenn Lafrenz die Zuschauer auffordert, die knarzende Tür zu geben, als Macbeth zu seiner blutigen Mordtat an König Duncan ansetzt.

Mit diesen Aktionen hat er die Lacher auf seiner Seite und schafft es so, die Zeit wie im Fluge vergehen zu lassen. So kann sich der Kulturverein Todtnau sicher gut damit trösten, dass an diesem Abend zwar die Quantität der Zuschauer nicht zufriedenstellend war, die Qualität des Darstellers dafür aber umso mehr.

Autor: Felix Held