Militärischer Schutz bis zum Notschrei

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 08. September 2017

Todtnau

BZ-SERIE GRENZWANDERUNG (7): Historiker Werner Störk hat in Muggenbrunn mehrere Schanzen aus dem Barock wiederentdeckt.

MUGGENBRUNN (BZ). In einem neuen Forschungsprojekt untersuchte der Schopfheimer Historiker Werner Störk den Bereich Muggenbrunn . Dabei stieß er auf viele vergessene Spuren mächtiger Verteidigungsanlagen des Barocks. Die Schanzen aus dem 17. Jahrhundert hatten Verbindungen zu den Anlagen in Wieden und Neuenweg. Initiiert wurden die Recherchen vom Verein Freunde Muggenbrunns.

War es zunächst nur das Ziel, Grundlagen für eine Rekonstruktion eines Wallgrabens für einen neuen Kulturpfad im Ort zu erfassen, wurde schnell klar, dass es bis auf eine Ausnahme "keinerlei gesicherte archäologische Befunde gab", sagt Werner Störk. Denn bis dahin war nur die scherenförmige Schanzanlage auf dem Franzosenberg bekannt sowie der Gewannname "Schanz" im südlichen Teil (bei der Hohfelsstraße). Die Forschungsarbeiten im Gelände und in Quellen hatte Störk im März begonnen. Zuvor hatte er durch die Wiederentdeckung einer Bergbauanlage und weiterer Funde in Neuenweg von sich reden gemacht.

Die jetzigen Entdeckungen sind umso überraschender, als sie den örtlichen Behörden unbekannt waren und auch bei Einwohnern in Vergessenheit geraten. So hieß es schon im Jahr 1996 im Bebauungsplan der Stadt Todtnau im südlichen Muggenbrunn: "Im Plangebiet sind weder archäologische Bodendenkmale noch sonstige Kulturdenkmale wie Wegekreuze oder Ähnliches vorhanden." Werner Störk sagt hingegen: "Muggenbrunn kann heute auf einen reichen Schatz an archäologischen Spuren und einer in ihrer archäologischen Gesamtheit beeindruckenden Palette von mehr als einem Dutzend konkret nachgewiesener Fortifikationselemente aufwarten." So listet das Forschungsprotokoll die erstmals nachgewiesenen Standorte von zwei Schanzen auf: Sie liegen im südlichen Teil von Muggenbrunn an der engsten Stelle des Tales und sicherten den historischen Verbindungsweg zwischen Notschrei, Muggenbrunn und Aftersteg.

Störk: "Dabei handelt es sich auf der westlichen Seite des Langenbachs um eine sogenannte Viereckschanze, die dort noch um das Jahr 1930 vollständig erhalten stand." Ansichtskarten aus jener Zeit belegen dies eindeutig. Auf der Ostseite genau gegenüberstand eine kleine Fünfeckschanze – verbunden mit einem Sperrgraben, der das Tal nach Norden wie Süden gegen Eindringlinge sicherte. "Hier befinden sich mitten in einer großen Blockhalde aus Granitfelsen zum ersten Mal nachgewiesene und sehr gut erhaltene Unterstände, deren ringförmige Mauerwerke aus massiven Granitbrocken auch heute noch beeindrucken", berichtet Werner Störk. Sie sicherten im unteren Teil des Steilhanges den 1200 Meter langen Laufpfad, die direkte Verbindung hoch zum Standort eines Alarm- und Signalfeuers, das in Sichtverbindung mit dem Wiedener Eck und dies wiederum mit Böllen und Neuenweg stand.

Ein 530 Meter langer und zum Teil vollständig erhaltener Laufgraben verband die Schanzen im Tal mit der Scheren-Schanze. Diese wurde auf der Kammlinie mit einem weiteren Fortifikationselement gesichert: einem Gatter. Der Gewannname "Gätterle" zeugt heute noch davon.

Im Norden von Muggenbrunn zog ein auf Luftaufnahmen von 1968 gut erkennbarer Sperrwall von West nach Ost, so dass Muggenbrunn im Norden wie im Süden gesichert war. Wobei im Süden eine mächtige Doppelsperre aus mannshohen Steinwällen das südliche Plateau sicherte. Störk: "Vermutlich war dies auch der Platz, auf dem man ein Feldlager errichten konnte." Ein Wuhrkanal versorgte das Gelände mit frischem Trinkwasser. Weitere Feldlagerspuren liegen bei Aftersteg.

Werner Störk wurde bei seinen Forschungen von vielen Menschen unterstützt, etwa von Heimatforscher Benno Dörflinger (Todtnau), den Revierleitern Riesterer (Aftersteg) und Lohmüller (Wieden), Andreas Haasis-Berner (Landesdenkmalamt), Ingenieur Wulf Springhart (Böllen) und dem Verein "Mein Muggenbrunn". Die archäologischen Spuren sind für Störk Zeugen unfriedlicher Zeiten. Er wünscht sich, dass sie auch nachfolgenden Generationen zum Frieden mahnen.