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16. Juni 2015 17:05 Uhr

Ohne Todtnauer Silber kein Münster

TODTNAU. Mit der feierlichen Enthüllung einer Fiale (gotisches Ziertürmchen) vom Freiburger Münster auf dem Todtnauer Rathausplatz als Geschenk an die ganze Stadt, sowie der Eröffnung einer Ausstellung im Gewölbekeller über "Das Silber von Todtnau" erinnert der Kulturhaus-Verein in seinem 30. Jahr an den großen Beitrag, den Todtnau für den Freiburger Münsterbau geleistet hat.

Großer Andrang herrschte im Foyer des Rathauses beim Festakt mit Vortrag von Dr. André Gutmann (Universität Freiburg) über "das Silber, Bergwerke und Froner" zur Erinnerung an die Stiftung des St-Anna-Fensters vor 500 Jahren durch Teilhaber der Todtnauer St.Anna-Grube. Ulrich Pfleiderer spielte auf der Laute mittelalterliche Melodien.

Vorsitzende Monika Schneider sprach von einer langen Zeitreise während der dreijährigen Vorbereitungen. Sie dankte der Stadt für die Unterstützung beim Transport der Fiale und dem Bau des Fundaments, sowie Benno Dörflinger, der sein profundes Fachwissen für die Ausstellung einbrachte, die unverkennbar seine Handschrift trage.

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Bürgermeister Andreas Wießner erinnerte an den Silbererz-Abbau im St. Anna-Stollen, der im Schönbachtal begann mit bis zu 80 Zentimeter dicken Adern. Aus dem Stollen komme heute silberhelles Trinkwasser für die Stadt Todtnau mit einer Schüttung von 12 Litern pro Sekunde. Umgerechnet soll das von Todtnau fürs Freiburger Münster gelieferte Silber einem heutigen Wert von 40 Millionen Euro entsprechen (Wießner: "Hoffentlich fragt uns OB Salomon nicht nach den Unterhaltskosten"). Dem Kulturhaus-Verein, von Herbert Würth als Verein für Heimatgeschichte gegründet, übergab Wießner einen Scheck der Stadt über 2000 Euro. Er sprach den reifenden Museumsgedanken an und lobte das "außerordentliche Engagement" von Monika Schneider. Beifall gab es auch für Bürstenmacher Friedrich Busse, "Botschafter von Todtnau" auf Messen und Märkten.

Der Festvortrag
Dr. André Gutmann beleuchtete die Geschichte des St.Anna-Fensters, das zu den drei Bergbaufenstern im Münster gehöre. Es befindet sich an der Nordseite des Münsters in der ehemaligen Anna-Kapelle. Hans Baldung Grien, der Maler des Hochaltars im Münster, hatte einen Teil des Fensters entworfen. Vollendet wurde das Fenster am 23. Juni 1515 von Glasmaler Jakob Wechtlin, der dies unter der Jahreszahl eingeritzt hat. Der Silberbergbau im Schwarzwald ging bis in die Römerzeit zurück, die Blüte lag im 13. und 14. Jahrhundert. Profiteure waren besonders die Grafen von Freiburg. "Die Gründung der Marktsiedlung Freiburg dürfte eng mit dem Ertrag aus den regionalen Silber-Revieren verbunden gewesen sein", sagte Gutmann. Die Erschließung des Todtnauer Reviers falle ins 13. Jahrhundert, der früheste Beleg stammt von 1288, als das Kloster St. Blasien den Bau einer steinernen Kirche genehmigte und diese "selbst bei einer Ertragsminderung der Silberbergwerke" finanzieren wollte.

Die Bergherrschaft über das Todtnauer Revier lag bis ins frühe 15. Jahrhundert bei den Grafen von Freiburg, dann bei den Habsburgern. Bergwerksrechte wurden im 14. Jahrhundert von den Grafen von Freiburg an "Froner" verliehen, das waren Gesellschafter und Finanziers der Silberbergwerke.

Als später das eindringende Wasser den Aufwand erhöhte, stiegen wohlhabende Adelige und Bürger ein, vor allem aus Freiburg. Viel Kapital sei aus Freiburg in den Todtnauer Bergbau geflossen, "aber eine noch größere Menge wieder zurück", so Gutmann. Im 14. Jahrhundert bestand ein Todtnauer Bergwerkslehen aus 62 Anteilen. Um auch Silberbarren zu gießen, entstanden nördlich des Zusammenflusses von Schönenbach und Stübenbach auch Schmelzhütten.

Das Freiburger Münster hätte ohne die Erträge aus dem Silberbergbau nicht weiter errichtet werden können. König Maximilian I. von Habsburg habe wegen des Silbers ein besonderes Interesse am Todtnauer Revier gehabt, der von "seinem Bergwerk zu Todtnau im Gauch" sprach. Maximilian ließ 1507 das Breisgauer Bergamt sogar in Todtnau installieren. Angehörige der wohlhabenden Freiburger Führungsschicht waren auch Teilhaber des Gewerks zum Gauch, das 1515 das St.-Annen-Fenster stiftete. Nach dem Bauernkrieg 1523/25 kam der Silberbergbau bis 1580 zum Erliegen.

Die Enthüllung
Bernd Schneider hatte die Idee, eine Fiale vom Freiburger Münster aufzustellen zur Erinnerung an den Todtnauer Beitrag zum Münsterbau. Im April 2014 wurde beschlossen, dass der Kulturhaus-Verein die Fiale kauft. Dass das Kulturhaus-Jubiläum mit dem 500-jährigen Stiftungsjubiläum des Annen-Fensters zusammen fällt, war ein glücklicher Zufall.

Zahlreiche Zuschauer verfolgten die Enthüllung der Fiale durch Bernd und Monika Schneider. Bürgermeister Wießner gratulierte zum großzügigen Geschenk an die Stadt. Zuvor spielte das Bläserduo Matthias Wunderle und Valentin Bernauer und Trachtenkinder verlasen einen Prolog.

Dr. Heike Mittmann vom Freiburger Münsterbauverein schilderte die Arbeit der seit 350 Jahren bestehenden Münsterbauhütte. Die Fiale – ein Ziertürmchen vom Hauptturm – ist eine Kopie aus den 1960er Jahren, denn mittelalterliche Originale werden nicht hergegeben.



Die Ausstellung
Im kühlen Gewölbekeller – eine Wohltat an diesem heißen Tag – wurde dann die Ausstellung "Das Silber von Todtnau" zur Besichtigung freigegeben. Der Ort ist geradezu ideal für das Thema Bergbau. Am Eingang angebracht war zur Orientierung eine Skizze des Münsterturms, auf der die Stelle eingezeichnet ist, woher die Fiale stammt. Ein Blickfang ist eine Reproduktion des Annen-Fensters. Ein Todtnauer "Schatzgräber", die Wappenfigur mit dem Pickel weist den Weg am Eingang. Zu sehen sind Urkunden, Pläne von den Dimensionen des Todtnauer Bergbaus, Details von Bergbaufenstern des Münsters, in Vitrinen auch ein Todtnauer Silber-Rappen mit dem aufgeprägten "T" und Mineralien. Auch ein Film wird gezeigt. Benno Dörflinger war sogleich ein gefragter Mann beim Rundgang.

Öffnungszeiten: Ausstellung bis 12. Juli im Gewölbekeller des Todtnauer Rathauses. Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

Autor: Hermann Jacob