Texas im Gewölbekeller

vwe

Von vwe

Mo, 04. Juni 2018

Todtnau

Johnny Falstaff Trio begeistert mit Rockabilly in Todtnau.

TODTNAU (vwe). Es war eine besondere Nacht, die Nacht zum Sonntag. Denn unten im Gewölbekeller des Rathauses in Todtnau spielte sich etwas ganz Außergewöhnliches ab. Authentischer Rockabilly dröhnte in den Gemäuern – die Vollblutmusiker des Johnny Falstaff Trios rissen ihr Publikum mit. Und man fühlte sich, als sei man mit ein paar Freunden in einer gemütlichen Bar mitten in Texas.

Das Trio aus Houston singt von der Heimat, der Liebe, der Musik. Bandleader Johnny Falstaff, die preisgekrönte Gitarrenlegende aus Texas, spielte schon als Kind Gitarre. Der heute 49-Jährige kommt aus einer Musikerfamilie und hat das Musiker-Gen von seinem Vater geerbt. Er lebt und liebt den Rockabilly. Mit seinem Trio ist er immer wieder in vielen Ländern auf Tour. Alle drei leben in Dresden – von dort nahmen sie nun den Weg für diesen tollen Abend in Todtnau auf sich.

"Wir kommen zusammen, um ein Teil der Musik zu sein", begrüßte Johnny Falstaff mit Cowboyhut, Lederweste über dem roten Westernhemd und Blue Jeans sein Publikum. Seine tiefe, rauchige Stimme sorgte für Gänsehaut. Wenn Falstaff seine eigenen Songs sang, steckte besonders viel Gefühl drin. Ob bei Rockabilly, Bluegrass oder Country – bei diesem entspannten Klang wackelten die Füße im Publikum automatisch mit.

Alle Musiker hatten extrem viel Spaß auf der Bühne – das übertrug sich schnell auf die Zuhörer. Vor allem "The Josh" am Kontrabass lachte ständig und das auch gerne laut. Bei den Musikern spürte man in jedem Moment die pure Leidenschaft. Beim Spielen kniete sich Johnny richtig rein. Michael Zumstein, ein befreundeter Country-Musiker aus Freiburg, durfte zwischendurch auch auf die Bühne und griff zur Mandoline. Es war schön, mitzuerleben, wie die Musiker beim Bluegrass regelrecht auf ihren Saiteninstrumenten ausrasteten und sagenhaft, was Johnny mit seinen Gitarren anstellt. Und er sagte, bescheiden, wie er nun mal ist: "Das ist einfach nur Spaß." "Wahnsinn", war des öfteren aus dem Publikum zu hören.

Neben dieser Professionalität kam auch eine Portion Humor mit dazu. Nach ein paar Schluck Bier haute Johnny alles raus, was er in 600 Stunden Deutschunterricht gelernt hat, zum Beispiel "Ihr seid süß". Immer wieder rief er ein "Halleluja" in die Menge – der Running Gag an diesem Abend. Zumstein durfte nach der Pause nochmal ran, dieses Mal mit Mundharmonika. Und wieder gingen sie, ab als gäbe es kein Morgen mehr. Kaum zu glauben, dass der Gastmusiker alles nur improvisierte, wie er später zugab. "Die Jungs spielen eben, was sie wollen", so Zumstein.

"Wie schön, dass wir so etwas in Todtnau erleben dürfen", sagte später eine Dame aus dem Publikum. Der Veranstalter, der Verein Kulturhaus Todtnau, organisiert immer wieder solche außergewöhnlichen Abende, die begeistern. Auch wenn nur 25 der 80 Plätze besetzt waren, war es zumindest für alle, die da waren, ein Abend, den sie so schnell nicht vergessen werden.