Zinke-Hock neu belebt

Ulrike Jäger

Von Ulrike Jäger

Di, 29. August 2017

Todtnau

Rucksackberger feiern mit ihren Gästen auf dem Radschert.

TODTNAUBERG. Seit 1974 gibt es den Todtnauberger Wagenbau-Zinken, der mittlerweile Zinken Rucksackberger heißt. Am Wochenende hatte die mittlerweile stark verjüngte Truppe eine alte Tradition wieder aufleben lassen und einen "Zinke-Hock" veranstaltet, erklärte Sylvia Schneider, die seit zehn Jahren Zinkenvogt ist. Und so wurde am vergangenen sonnigen Sonntag auf dem Radschert beim Jakobuskreuz kräftig gefeiert.

Es gab Steaks und Würste vom Grill und alle möglichen Getränke. Die Jungs hinter dem Tresen hatten alle Hände voll zu tun, für das leibliche Wohl sorgten Thorben Dietsche, Manuel Schneider und Jochen Stückler, ehemaliger Olympia-Koch.

Die Gründungsmitglieder des Wagenbau-Zinkens vor 43 Jahren waren damals Anton Brender, Otmar Kiefer, Gerhard Klingele, Werner Mühl und Arnulf Wynen; Zinkenvögte waren Arnulf Wynen (1975-1990), Jürgen Mühl (1990-2007) und seit 2007 ist es Sylvia Schneider, die an Fastnacht als "d’Rab" dem Volk und den Stadträten gerne die Leviten liest.

Die Wagenbauer brachten die Baumaterialien wie Latten, Balken oder Schrauben selber mit und bauten damals noch im Engelschopf und später in anderen Schuppen in den 1970er Jahren zunächst unter Zinkenvogt Arnulf M. Wynen ihre Wagen. Der erste Zinkenvogt war für die Entwürfe und die Malarbeiten verantwortlich. Die Materialien für die Wagen bestanden aus Holz und Pappendeckel.

Seit 18 Jahren ein Abo auf den letzten Platz

In der 18 Jahre währenden Amtszeit von Jürgen Mühl hatte der Zinken etwa ein Dutzend Wagen gebaut. Unschlagbar war der Zinken bei der Platzierung: Generell landete der Todtnauberger Zinken auf dem letzten Platz.

Als der Zinken 1990 den Banküberfall in Todtnauberg auf dem Wagen thematisierte, gab es eine Sonderprämie für alle Wagenbauer. Grund war ein schwerer Sturm: Dem Zinken sind bereits auf halbem Weg die Pappdeckel des Wagens davongeweht. 2005 bastelten die Rucksackberger eine riesige "Rote Laterne" in Anspielung auf ihre Dauerplatzierung. Auch hierfür gab es – wie könnte es anders sein – den letzten Platz.

Im Jahr 2000 wurde am Stammtisch des Gasthauses Sternen in Todtnauberg beschlossen, den Namen in "Zinken Rucksackberger" zu ändern. Rucksackberger nennen sich die Todtnauberger, weil sie sich in früheren Zeiten mit dem geschulterten Rucksack zu Fuß auf den Weg nach Todtnau gemacht haben, um Besorgungen im Städtli zu machen. Dort wird jedoch gerne behauptet, dass diese sogenannten "Besorgungen" nicht immer redlich gewesen seien und eventuell auch Diebesgut im Rucksack auf den Berg getragen wurde.

Heute gibt es elf junge Zinkenmitglieder, denen Sylvia Schneider als Zinkenvogt und einzige Verbliebene aus der "alten" Garde vorsteht. Erstmals wollen die Zinkenmitglieder in der kommenden Fastnacht 2018 ein Scheibenschlagen in Todtnauberg veranstaltet, und einen Wagen wird der Zinken Rucksackberger auch wieder bauen, schließlich muss einer immer der Letzte sein.