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05. Juli 2014

Traum von Windkraft-Unternehmer ist ausgeträumt

60 Kommanditisten der Windpark GmbH Ettenheim Mahlberg-Mühle beschließen in Münchweier die Liquidation der Gesellschaft.

  1. Spektakulär: Demontage und Abtransport des Windrads im August 2013. Für die Windpark-Kommanditisten war es das Ende ihrer Windkraftträume. Foto: Archivbild: Erika Sieberts

ETTENHEIM/MAHLBERG (fi). Das Ende der "Windpark Ettenheim GmbH &Co Mahlberg-Mühle KG" ist besiegelt. Die rund 60 Kommanditisten haben am Mittwoch in einer Gesellschafterversammlung in Münchweier einstimmig die Liquidation der Gesellschaft beschlossen.

Seit der Gründung im Jahr 2000 hat die Gesellschaft auf Mahlberger Gemarkung in der Vorbergzone ein Windrad betrieben. Von Anfang an aber mit bescheidenem Erfolg. "Die Anlage der Firma Nordex hat nicht die erwartete Leistung erbracht", erklärte Geschäftsführer Andreas Markowsky (Ökostrom Freiburg) gestern der BZ. Sie stand mehrere Jahre still, wurde im Sommer 2013 schließlich demontiert. Inzwischen ist auch der Betonsockel entfernt. Im Zuge der Liquidation wird die Fläche, auf der das Windrad stand, unter Aufsicht der Forstbehörde renaturiert, "dann ist das Kapitel geschlossen" (Markowsky). Gerechnet hat sich die Investition für die Kommanditisten nicht. Nach Abzug von Steuervorteilen und Gewinnausschüttungen müssen sie zu guter Letzt über die Laufzeit einen kleinen Verlust auf ihre Einlagen hinnehmen, pro 2500 Euro Anteil (Mindestanteil im Gründungsjahr 2000 waren 5000 D-Mark) etwas mehr als 1000 Euro.

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Mit einem Gesellschaftskapital von 1,4 Millionen D-Mark (700 000 Euro) war die Gesellschaft vor 14 Jahren ins Windenergiegeschäft eingestiegen. Die Firma Nordex hatte damals die modernste Windkraftanlagetechnik installiert und auch für fünf Jahre die Kosten für Wartung, Instandsetzung und Erneuerung übernommen. Im Dezember 2000 war die Anlage ans Netz gegangen. Von Anfang an aber habe es technische Probleme gegeben, so Markowsky. "Bei normalen Windverhältnissen lief die Anlage einwandfrei. Immer dann aber, wenn stürmische Winde herrschten und die Anlage eigentlich höchste Leistung bringen sollte, standen die Rotoren wegen eines technischen Defekts still", erklärte Markowsky. Die Betreibergesellschaft klagte schließlich vor dem Landgericht Kiel gegen die Herstellerfirma auf Schadensersatz, weil "am Landgericht Kiel in Windkraftverfahren erfahrene Richter sitzen" (Markowsky). 1,83 Millionen Euro Schadensersatz forderte die Betreibergesellschaft vom Hersteller. Über fünf Jahre zog sich das Gerichtsverfahren hin, fünf Jahre stand das Windrad still, lieferte keinen Strom. Dann kam es zum Vergleich. Eine Zahlung von 1,4 Millionen Euro Entschädigung an die Betreibergesellschaft akzeptierten sowohl Herstellerfirma als auch Kommanditisten, letztere einstimmig. Im August des vergangenen Jahres hat die Herstellerfirma das Windrad demontiert und abtransportiert.

Die Hoffnung der Kommanditisten, den drohenden Verlust von Teilen ihrer Kapitaleinlagen in die Gesellschaft im Rahmen der Liquidation noch über den Repowering-Bonus zu erwirtschaften, also dem Ersetzen von alten Anlagen durch neue, leistungsfähigere Windräder um die bestehende Infrastruktur zu nutzen, erfüllte sich nicht. "Minister Gabriel hat zum 1. August diesen Bonus gekippt", erklärte Markowsky. Rund 300 000 Euro hätte die Gesellschaft über den Repowering-Bonus noch einnehmen können, so Markowsky. Dann wäre die Liquidation für die Kommanditisten vielleicht null auf null aufgegangen. Jetzt wird das Windkraftgeschäft für sie wohl zum Verlustgeschäft.

Autor: fi