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27. September 2016

Turnen

Kovacs-Salto und mehr - Karl-Wettach-Wettkampf so hochklassig wie noch nie

Spitzenturner Helge Liebrich gewinnt mit Julia Schneid den Mixed-Wettkampf des PTSV Jahn.

  1. Helge Liebrich Foto: Clemens Wiedenmann

KUNSTTURNEN. Der Kovács-Salto weist eine besondere Schwierigkeit auf. Der Turner lässt los, dreht sich in der Luft – und verliert über mehrere Zehntelsekunden hinweg den Augenkontakt zur Reckstange. "Man sieht die Stange erst sehr spät, weil man sich einmal um die eigene Achse dreht", erklärt Helge Liebrich. "Man fliegt durch die Luft und hofft, dass man die Stange irgendwie wieder trifft."

Liebrich, 28, turnt den Kovács-Salto, trifft die Reckstange natürlich wieder, bringt seine Show souverän zu Ende und begeistert die 200 Zuschauerinnen und Zuschauer beim Mixed-Wettkampf der Kunstturnerinnen und Kunstturner in Freiburg. 13 Paare treten an, aber der Sieger steht praktisch schon von vornherein fest. Es wird Helge Liebrich sein, der frühere Junioren-Europameister und mehrmalige WM-Starter vom TV Schwäbisch-Gmünd-Wetzgau. Er startet zusammen mit Julia Schneid vom TV Epfenbach und ist so eine Art Stargast. Liebrich turnt konkurrenzlos gut bei diesem Spaß- und Demonstrationswettkampf, bei diesem Trainings-Test und Meeting der regionalen Szene, das der PTSV Jahn schon seit dem Jahr 2010 regelmäßig in Freiburg organisiert. Der Kovács-Salto kann auch als eine Art Symbol dafür gelten, dass sich der sogenannte Karl-Wettach-Wettkampf aus kleinen Anfängen heraus kontinuierlich weiterentwickelt hat und an Attraktivität hinzu gewann. "Den hab ich hier noch nie gesehen", sagt Manfred Jäger über das Element, das nach dem ungarischen Kunstturner Péter Kovács benannt wurde.

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"Mani" Jäger, über Jahrzehnte so eine Art Herz und Kopf des Kunstturnens beim PTSV Jahn, freut sich jedes Mal neu, wenn die Athletinnen und Athleten aus ganz Südbaden, aber auch von weiter her nach Freiburg kommen, um zu dokumentieren, wie vielfältig und lebendig die Szene ist. Jeder will sich hier gut präsentieren, aber es wird nicht verbissen um Punkte gekämpft und es fließen auch keine Tränen, wenn einmal etwas nicht klappt am Reck oder am Boden, am Balken oder am Pauschenpferd. "Einfach einzigartig" sei dieses Meeting, sagt Helge Liebrich. "So einen Wettkampf wie hier habe ich noch nicht erlebt."

Julia Schneid, seine Partnerin aus dem kleinen Verein im Odenwald, schwärmt ebenfalls vom Karl-Wettach-Wettkampf. Er sei "super organisiert", sagt die 28-Jährige. "Die Atmosphäre ist locker, das Turnen macht Spaß." Schneid ist froh, dass sie überhaupt wieder mitturnen kann. Im Frühjahr riss sie sich zwei Bänder und vor zwei Wochen in den USA knickte sie abermals um mit dem Fuß. "Helge hat zum ersten Platz natürlich viel beigetragen", sagt sie. Sabine Storz, die deutsche Meisterin im Jahn-Neunkampf und Lokalmatadorin vom PTSV Jahn, freut sich über Platz drei zusammen mit Zweitliga-Turner Florian Wissert vom TV Herbolzheim. "Der Sturz am Balken wäre nicht nötig gewesen", erklärt sie, "aber mehr als Platz drei wäre ohnehin nicht dringewesen". Dann wirft Storz, die 26 Jahre alte Referendarin für Sport und Mathematik am Gymnasium in Kenzingen, noch einen Blick auf die Ergebnisliste. Sie erkennt, dass sie und Wissert nur 0,7 Punkte entfernt sind von Platz zwei. Da hadert sie doch noch einmal kurz mit ihrem Sturz. Aber Dabeisein ist alles in diesen drei Stunden in der Sporthalle der Staudingerschule, das Ergebnis am Ende zweitrangig.

Michael Thoma vom Sportreferat der Stadt Freiburg sieht im Karl-Wettach-Wettkampf "wirklich einen Glücksfall für Freiburg". Er habe sich toll entwickelt und sei auch "ein Ansporn für junge Turnerinnen und Turner, an ihrem Sport dranzubleiben". Michael Thoma ist wie Manfred Jäger zuversichtlich, dass das Kunstturnen in Freiburg nicht nur eine große Vergangenheit hinter sich, sondern auch noch eine Zukunft vor sich hat. So bald wie möglich will die Stadt den Neubau der Staudinger-Gesamtschule in Angriff nehmen, und dann sollen auch die Kunstturnerinnen und Kunstturner eine Halle bekommen, von der sie seit so vielen Jahren träumen: einen Ort, der nur fürs Turnen reserviert ist. An dem die Geräte nicht ständig auf- und abgebaut werden müssen, sondern einfach stehen bleiben können so wie im Leistungszentrum Herbolzheim. "Die Planung ist sehr konkret, nur der Zeitpunkt für den Startschuss ist noch offen", sagt Thoma.

Karl-Wettach-Mixed-Wettkampf 2016: 1. Julia Schneid (TV Epfenbach)/Helge Liebrich (TV Schwäbisch-Gmünd-Wetzgau) 87,9 Punkte, 2. Benita Braun (SV Forchheim)/Antonio Huber (TV Herbolzheim) 84,4, 3. Sabine Storz (PTSV Jahn Freiburg)/Florian Wissert (TV Herbolzheim) 83,7.

Autor: Andreas Strepenick