Kein Interessent

Zwangsversteigerung: Niemand bietet für Umkircher Park

Manfred Frietsch

Von Manfred Frietsch

So, 22. Januar 2017 um 12:53 Uhr

Umkirch

Ein Park in Umkirch steht zur Versteigerung aus – haben will ihn niemand. Das Amtsgericht Freiburg hat am Freitag umsonst Bieter gesucht. Wie geht es weiter mit der Grünanlage?

Der Queen-Auguste-Viktoria-Park in Umkirch stand am Freitagvormittag im Freiburger Amtsgericht zur Zwangsversteigerung an – erfolglos. Vor sowie während der halbstündigen Mindestgebotszeit wurde kein einziges Gebot abgegeben. Jetzt kann es innerhalb des nächsten halben Jahres zu einem zweiten Versteigerungstermin kommen, wenn dies der Hauptgläubiger, das Finanzamt Freiburg-Land, beantragen sollte.

Ein Gelände so groß wie 14 Fußballfelder

Der Saal III des Amtsgerichts füllte sich rasch – so groß war das Interesse an dem "außergewöhnlichen Objekt", wie es Rechtspfleger Christoph Müller selbst bezeichnete, das da unter den Hammer kommen sollte. Drei Grundstücke umfasst das Areal im Südwesten der Gemeinde, insgesamt über 10 Hektar – das entspricht 14 Fußballfeldern. Es liegt zwischen der Waltershofer Straße, den Kleingartenanlagen im Gewann Bigarten und dem Schlosspark des Fürstenhauses Hohenzollern. Müller machte gleich zu Beginn klar, dass alle drei Grundstücke nur zusammen zur Versteigerung kommen würden, darauf habe die Gemeindekasse Umkirch als einer der Gläubiger gedrungen. Müller nannte die Gemeinde als einen der drei Betreiber des Verfahrens zur Zwangsvollstreckung, zusammen mit der Landesoberkasse sowie dem Finanzamt Freiburg-Land. Dieses steht auch an erster Stelle der Gläubigerliste, zu der noch zwei Banken gehören.

Für die drei Grundstücke hatte zuvor ein Sachverständiger die Verkehrswerte ermittelt. Auf allein vier Millionen Euro taxiert er das 1,1 Hektar große Grundstück rund um das sogenannte Landhaus. Auf rund 700 000 Euro ist die 6,8 Hektar große Wald- und Freifläche veranschlagt, die den Hauptteil der Parkanlage umfasst. Hinzu kommt eine weitere Freifläche von knapp 2,7 Hektar mit einem Verkehrswert von 180 000 Euro. Für die Flächen gelten acht sogenannte Grunddienstbarkeiten, die Leitungsrechte für Abwasserkanäle sowie die Zufahrten und Leitungen zu dem Landhaus betreffen.

Das Mindestgebot: 2,44 Millionen Euro. Keiner bietet mit.

Am gesamten Verkehrswert von 4,88 Millionen Euro machen sich die Gerichtsgebühren von rund 49 400 Euro fest, sowie, im Falle der erfolgreichen Versteigerung, noch knapp 9700 Euro Gebühren für die Erteilung des Zuschlags. Doch dazu kam es nicht. Denn niemand wollte das geforderte Mindestgebot von 50 Prozent des Verkehrswertes abgeben, also mindestens 2,44 Millionen Euro, geschweige denn ein Gebot über 70 Prozent oder rund 3,4 Millionen Euro. Ab der letztgenannten Grenze hätte das Finanzamt das Gebot in jedem Falle akzeptieren müssen. Ein Bieter hätte zudem zehn Prozent des Verkehrswertes als Sicherheit beim Gericht hinterlegen müssen, als Scheck oder Bankbürgschaft. Doch es meldete sich kein Bieter.

Der Umkircher Bürgermeister Walter Laub zeigte sich davon nicht überrascht. Er hält den Verkehrswert teilweise für zu hoch angesetzt. Hauptgläubiger ist das Finanzamt mit steuerlichen Forderungen.

Das Landhaus mit dem umgebenden Gelände war 1934 an die aus dem Haus Hohenzollern stammende portugiesische Königswitwe Auguste-Victoria gekommen, die das Areal Fulwellpark nannte. Nach ihrem Tod 1964 wurde es ihr zu Ehren umbenannt. Der Park verwilderte zusehends, doch dann wurde er vom vorerst letzten Eigentümer in mehrjähriger Arbeit im Stil eines englischen Landschaftsparkes wieder hergerichtet und weiter entwickelt.

Natur- und Denkmalschutz machen bauliche Nutzung unmöglich

Das Landhaus steht unter Denkmalschutz. Nahezu das ganze Areal liegt zudem im Landschaftsschutzgebiet Freiburger Mooswälder und ist außerdem als Vogelschutzgebiet und Flora-Fauna-Habitat eingestuft. Eine bauliche Nutzung der Flächen scheidet damit praktisch aus.

Nachdem der erste Zwangsversteigerungstermin ergebnislos abgesetzt wurde, kann das Finanzamt binnen eines halben Jahres einen zweiten Termin beantragen. Dann dürften die Mindestgebotsgrenzen vermutlich fallen.

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