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03. September 2010

Geschichtspflege nicht zum Nulltarif

Ausgrabungen, Alamannenmuseum und die Ortssanierung waren Themen beim Besuch des Wirtschaftsstaatssekretärs in Vörstetten.

  1. Auf seiner Denkmalreise ließ sich Wirtschaftsstaatssekretär Richard Drautz (4. von links) auch die archäologischen Ausgrabungen im Gewerbegebiet Grub erläutern. Foto: pia grättinger

VÖRSTETTEN. Auf seiner Sommertour zum Thema Denkmalpflege besuchte der Staatssekretär im Baden-Württembergischen Wirtschaftsministerium, Richard Drautz (FDP), auch Vörstetten. Dabei interessierten ihn besonders der Stand der archäologischen Ausgrabungen an der Reutemer Straße, sowie das Alamannen-Museum, dass die Ergebnisse der Ausgrabungen aufgreift.

Bürgermeister Lars Brügner begrüßte die Delegation direkt an der Ausgrabungsstelle und stellte bei dieser Gelegenheit das Fachwerkdorf mit launischen Worten vor, da Staatssekretär Drautz zum ersten Mal in Vörstetten weilte. "Wir sind noch ein Dorf geblieben, jedoch wünschen sich die Einwohner mehr die städtischen Möglichkeiten", meinte der Rathauschef. Er wies aber auch darauf hin, dass Vörstetten noch eine tolle Zukunft vor sich habe, so wie dies damals sicher auch die Alamannen hatten. Ein Höhepunkt Vörstettens sei das Alamannen-Museum mit dem Freigelände, das privat von Professor Helmut Köser finanziert und mit den Museums- und Geschichtsverein realisiert wurde.

Mit dem Staatssekretär waren auch Werner Hoffmann, Abteilungsdirektor des Denkmalamtes beim Regierungspräsidium, sowie der FDP-Landtagsabgeordneter Dieter Ehret und FDP-Landtagskandidat Hanns-Georg von Wolff nach Vörstetten gekommen.

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"In Vörstetten wird auf geschichtsträchtigen Boden gebaut", mit diesen Worten erläuterte die wissenschaftliche Leiterin der Ausgrabungen, Jutta Klug-Treppe, die Ausgrabungsschritte. Seit Jahren finden am östlichen Rand des Gewerbegebietes "Grub" immer wieder Ausgrabungen statt. Bevor ein Grundstück für die Bebauung frei gegeben wird, wird es von Archäologen genauestens untersucht. Denn in der ganzen Gegend wurden sowohl jungsteinzeitliche wie frühmittelalterliche Siedlungsreste dokumentiert. In Form von Gruben und Pfostenverfärbungen wurden dabei Reste von Wohnstallhäusern und Siedlungen entdeckt, erläuterte der Vörstetter Grabungsleiter Elmar Christmann. Im Anschluss an die Ausgrabungen sollen die Funde wissenschaftlich ausgewertet und veröffentlicht werden. Erläutert wurde die Komplexität einer archäologischen Ausgrabung, beginnend von der Planungsphase, über die Finanzierung und die grabungstechnischen Umsetzungen vor Ort bis zu den wissenschaftlichen Ergebnissen und der abschließenden musealen Präsentation. Die Ausgrabungen sollen bis Ende September abgeschlossen sein und das Grundstück kann dann den Bauherrn übergeben werden.

Auch das Alamannen-Museum und den dazu gehörenden Alamannenhof besichtigte die Delegation. Eine Dauerausstellung zur Geschichte der frühen Alamannen im Breisgau und Fundstücke sowie Kopien von den Ausgrabungen sind dort zu sehen, wie Wolfgang Burkart vom Vorstand des Museums- und Geschichtsvereins erläuterte. Der Historiker Dieter Geuenich erklärte dann die einzelnen Ausstellungstafeln mit den historischen Informationen, aber auch die Rekonstruktionen im Freilichtmuseum, wie das Wohnstallhaus, den Lehmbackofen sowie die anderen Nachbauten. Der Professor ging auch auf die hohen Unterhaltungskosten des Museums ein, das sich nicht selber trägt, da es zu wenig Besucher hat. Professor Köser habe mit rund 1,2 Millionen Investitionen das Haus erst ermöglicht. "Die Unkosten dieses Hauses sind hoch", meinte Geuenich und stellte die Frage an den Staatssekretär, ob man das Museum mit Landesmitteln erhalten könne, denn die laufenden Jahreskosten liegen bei rund 15 000 Euro.

Staatssekretär Drautz lobte das Engagement von Bürgerinitiativen und den Fördervereinen und betonte, "dass es auch in Zeiten knapper Kassen wichtig sei, das Engagement von Denkmaleigentümern und -förderern durch eine effektive staatliche Denkmalförderung zu unterstützen".

Da der Staatssekretär vom Wirtschaftsministerium auch für die Landeszuschüsse für die Ortskernsanierung des Fachwerkdorfes zuständig ist, führte Bürgermeister Lars Brügner mit Drautz ein Zweiergespräch über den Stand der Vörstetter Ortskernsanierung und darüber, dass die Gemeinde noch mehr Mittel benötige als bisher bewilligt wurden. Denn bisher bezuschusste die Gemeinde schon 18 private Gebäudemodernisierungen mit mehr als einer halben Million Euro. Hinzu kommen nochmals eine halbe Million Euro für die Erschließung der March- und Alemannenstraße. Der Gesamtförderrahmen des Landessanierungsprogramms liegt bei 1,166 Millionen Euro, davon zahlt das Land 60 Prozent und die Gemeinde trägt 40 Prozent. Ohne einen Aufstockungsvertrag hätte die Gemeinde lediglich eine Restsumme von 126 554 Euro zur Verfügung und dieser Betrag reiche bei weitem nicht für weitere Maßnahmen aus, meinte Brügner.

Autor: Pia Grättinger