17 000 Euro für taube Kinder

Elisabeth Saller

Von Elisabeth Saller

Mi, 02. Dezember 2015

Vogtsburg

Das Cécile Verny Quartet gab in der Kellerwirtschaft in Oberbergen ein Benefizkonzert.

VOGTSBURG-OBERBERGEN / FREIBURG. Das Cécile Verny Quartet sei eine der besten Jazzbands Deutschlands, sagte Dr. Wolfgang Schmid, Vorsitzender des Vereins "Taube Kinder lernen hören". Er zeigte sich sehr stolz, dass er die Musiker für ein Benefizkonzert für seinen Verein gewinnen konnte. Dies fand nun in der Kellerwirtschaft in Oberbergen statt.

Nach einem Aperitif spielte das Cécile Verny Quartet etwa eine Stunde für die Gäste in der fast voll besetzten Kellerwirtschaft. Sängerin Cécile Verny und ihre drei Musiker Bernd Heitzler (Kontrabass und Bassgitarre), Andreas Erchinger (Piano und Keyboard) sowie Lars Binder (Schlagzeug) präsentierten vor allem Eigenkompositionen wie "Car desespérée".

In diesem Stück geht es um die Frage, ob es für den eigenen Schutz nicht besser sein könnte, keine Erinnerungen zu haben, erklärte die Frontfrau und sang los. Wie schmerzverzerrtes Weinen klang das Lied, ein kurzes Lachen dazwischen, dann helle Töne, als würden Tränen von der Wange tropfen – den französischen Text muss man nicht verstehen, um den Inhalt zu begreifen.

Zwischenapplaus
Ein anderes Stück, "To Thomas Butts", handelt von der Briefkorrespondenz zwischen dem englischen Schriftsteller William Blake und seinem Freund Thomas Butts. Wie ein rhythmischer Wirbelsturm dominierte in diesem Stück das Schlagzeug – bis sich nach und nach auch das Klavier und die Gitarre in den Vordergrund drängten.

Immer wieder belohnte das Publikum die Band für besondere musikalische Einlagen mit Zwischenapplaus.

Doch das Quartett kann auch ruhige Töne spielen: Andreas Erchinger komponierte die Soul-Balladen "How do I love Thee", in der Cécile Verny zeigen konnte, dass sie auch die tiefen Töne beherrscht. Die Zuhörer dankten den Musikern mit viel Applaus und die Jazzgruppe spielte als Zugabe das gospelartige "Lord mercy".

Wellenfeldsynthese
Das Konzert des Cécile Verny Quartets war gleichzeitig der Abschluss eines Jubiläumsjahrs – der Freiburger Verein "Taube Kinder lernen hören" besteht seit 20 Jahren. Die stellvertretende Vorsitzende Anschi Gillmeister, die die Veranstaltung für den Verein organisiert hatte, erhielt viel Lob von Dr. Schmid und Professor Roland Laszig, Ärztlicher Direktor und Leiter der HNO-Klinik Freiburg.

"Welches Privileg, dass wir hören können", sagte Gillmeister und bedankte sich bei Christine Isele von der Uniklinik, Bettina und Fritz Keller von der Kellerwirtschaft sowie Rolf Holtmann (Techniker der Band) und der Freiburger Firma Hörwelt für ihre Unterstützung.

Der Erlös des Abends, laut Schmid sind es 17 000 Euro, wird für die Wellenfeldsynthese an der Uniklinik Freiburg verwendet. Auch die Band spendete einen Teil des Geldes aus dem CD-Verkauf. "Wir sind sehr stolz, so viel beitragen zu können", sagte Schmid.

Störende Geräusche ausblenden
In einem schalldichten Raum und mit Hilfe von 80 Computern werden bei der Wellenfeldsynthese Geräusche erzeugt, die Patienten mit einem Cochlear-Implantat stören, sagte Professor Laszig in seiner Ansprache. Die Professorin Antje Aschendorff, stellvertretende Leiterin der HNO-Klinik Freiburg, erklärte im Gespräch mit der BZ, dass gesunde Menschen störende Geräusche wie beispielsweise das Quietschen einer Straßenbahn gut ausblenden und sich gleichzeitig auf andere Geräusche, etwa ein Gespräch, konzentrieren können.

Patienten, denen aufgrund einer Taubheit das Cochlear-Implantat eingesetzt wurde, empfinden dieses Quietschen als äußerst unangenehm. Bei der Wellenfeldsynthese werden diese Störgeräusche "unter perfekten Bedingungen künstlich erzeugt", so Aschendorff. Ziel ist, dass der Lärm, wenn er in der Umgebung der Patienten auftritt, nicht mehr so laut wahrgenommen wird und sie das, was sie wirklich hören möchten, gut verstehen.