"Erfolg für die Natur am Kaiserstuhl"

Gerold Zink

Von Gerold Zink

Di, 16. Januar 2018

Vogtsburg

BUND und NABU begrüßen, dass das Oberbergener Weingut Vogel voraussichtlich in Oberbergen und nicht im Hessental erweitert wird.

VOGTSBURG-OBERBERGEN. Der BUND-Regionalverband südlicher Oberrhein und der NABU-Bezirksverband Südbaden begrüßen in einer Pressemitteilung, dass das Oberbergener Weingut Vogel voraussichtlich innerorts und nicht wie ursprünglich geplant im Hessental expandiert.

BUND-Geschäftsführer Axel Mayer und NABU-Geschäftsführer Felix Bergmann bezeichnen dies als einen "Erfolg für die Natur am Kaiserstuhl".

"Die ursprünglichen Pläne des Weinguts Vogel, in einen schönen Talschluss im Kaiserstuhl, ins Oberbergener Hessental umzusiedeln, sind erst einmal vom Tisch", betonen beide. Wie von BUND und NABU schon frühzeitig vorgeschlagen, werde das Weingut jetzt das alte Kindergartengelände im Ort für eine Erweiterung nutzen.

Der ursprünglich vorgesehene Standort im Hessental liege in einer Grünzäsur des Regionalplanes, im FFH-Gebiet und im Vogelschutzgebiet Kaiserstuhl sowie in einer besonders reizvollen und charakteristischen Kaiserstühler Landschaft. Das ursprünglich geplante Projekt im Hessental wäre aus Sicht von BUND und NABU "im Hinblick auf Flächenverbrauch und Bauvolumen außergewöhnlich massiv" gewesen und hätte einen erheblichen Eingriff in eine bislang kaum gestörte und mehrfach geschützte Landschaft dargestellt.

"Mit dem jetzt gefundenen innerörtlichen Standort ist den Interessen des Weinbaus genüge getan und ein wertvolles Stück Natur und Heimat bleibt (erst einmal) erhalten", betonen Mayer und Bergmann weiter.

Grundproblem des Naturschutzes
Hinter dem Konflikt verberge sich ein typisches Grundproblem des Naturschutzes – nicht nur am Kaiserstuhl. Die verbliebenen kleinen Reste von Natur würden von vielen Gemeindevertretern nur dann geschätzt, wenn sie auch "Gewinne und Umsatz bringen". Um dies zu erreichen, werde eine "Verrummelung und Feldbergisierung nicht nur in Kauf genommen, sondern gezielt herbeigeführt". Die Zerstörung von Landschaft und Natur sei immer die Summe vieler kleiner Einzelentscheidungen.

Den Vorwurf der gezielten Verschleppung der Petition weisen Mayer und Bergmann entschieden zurück. In Sachen Grundwasser Köndringen warte die dortige Bürgerinitiative schon skandalöse 5 Jahre auf eine Entscheidung des Petitionsausschusses. Dort lasse sich von einer Verschleppung sprechen.

BUND und NABU fordern nun, dass das Freiburger Regierungspräsidium auf die neue Situation bald reagiert und die Zielabweichung vom Regionalplan, gegen die sich die Petition der Naturschutzverbände gerichtet hatte, umgehend zurück nimmt.

Auch Andreas Galli, Vorsitzender des Nabu-Ortsverbandes Kaiserstuhl, begrüßt in einer Mitteilung die "überraschende Wende", da mit dieser Lösung ein "schönes und geschütztes Stück Natur doch noch gerettet wird". Gleichzeitig verteidigt er die Möglichkeit von Bürgern und Institutionen, eine Petition gegen ein Projekt einzureichen: "Und so wie es für die Gemeinde ein ganz normaler Vorgang zu sein scheint, über ein Zielabweichungsverfahren mal eben doch eine Bebauung zu ermöglichen, wird nicht anerkannt, dass es auch völlig legitim ist, über eine Petition genau dieses zu verhindern."

"Eine gute Nachricht"
Dass sich der Petitionsausschuss, wohl bedingt durch die Landtagswahlen im Jahr 2016, allzu lang dem Thema nicht angenommen hat, empfindet auch Galli als "in der Tat ärgerlich". Dieses aber den Naturschutzverbänden anzulasten, sei nicht akzeptabel. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es der Initiative der Naturschutzverbände NABU und BUND zu verdanken sei, dass ein Kompromiss gefunden wurde.

Dass nun das im Ort liegende ehemalige Kindergartengelände für die Erweiterung des Weinbaubetriebes zur Verfügung stehe, sei "eine gute Nachricht". Die jetzt angestrebte Lösung sei weitaus besser als die Verwirklichung des Vorhabens im für den Naturschutz wichtigen Hessental.