Genuss im Dreivierteltakt

Elisabeth Saller

Von Elisabeth Saller

Do, 20. November 2014

Vogtsburg

Pianistin Elza Kolodin spielte in Oberbergen zugunsten des Vereins "Taube Kinder lernen hören".

VOGTSBURG-OBERBERGEN / FREIBURG. 14 Walzer von Chopin und ein Stück von Bach – bei ihrem Konzert in der Kellerwirtschaft in Oberbergen begeisterte die Pianistin Elza Kolodin die Zuhörer. Der Freiburger Verein "Taube Kinder lernen hören" veranstaltete das Benefizkonzert.

Nach dem Aperitif spielte die Musikerin Prelude, Gavotte und Gigue aus der Partita Nr. 3 für Geige von Johann Sebastian Bach, die von Komponist Sergej Rachmaninov 1933 für das Piano arrangiert wurden. Leichte, fröhliche Töne am Anfang, dazwischen gesellten sich nur selten ein paar melancholische. Doch dann kamen die tiefen, traurig stimmenden Töne immer öfter vor, dominierten das Stück sogar. Kolodin, die eine Professur für Klavier an der Musikhochschule in Freiburg innehat, ordnete zwar vor jedem Lied ihre Noten, blickte jedoch kaum darauf. Die Künstlerin ist Profi, sie tritt in ganz Europa, den USA und in Japan auf. Kolodin stammt aus Polen und hat in Krakau, Warschau und Paris studiert. Sie widmet sich nun vor allem der Ausbildung von jungen Pianisten, leitet Meisterkurse und beurteilt als Jurymitglied bei internationalen Wettbewerben das Können junger Musiker.
Nach der melancholisch klingenden Gavotte und der fröhlich-sanften Gigue spielte die Pianistin 14 Stücke von Frédéric Chopin in einer von ihr selbst festgelegten Reihenfolge. Chopin ist für Kolodin offenbar ein sehr wichtiger Komponist. Sie hat bereits drei CDs mit Werken von Chopin aufgenommen. Die kurzen, meist fröhlich-leichten Walzer dauerten jeweils nur ein paar Minuten. Unter anderem spielte Kolodin auch den schnellen "Minuten-Walzer" (Des-Dur Opus 64,1). Manch einer der über 100 Zuhörer schloss bei der Musik die Augen, wiegte sich leicht mit und dachte vielleicht darüber nach, wie dieses Konzert wohl für einen tauben Menschen sein würde.

Der Verein "Taube Kinder lernen hören" unterstützt die Arbeit der Ärzte an der Uniklinik Freiburg, hatte der Vorsitzende, Dr. Wolfgang Schmid, zu Beginn des Abends erklärt. Viele Jahre lang konnten die Ärzte Kindern, die auf beiden Ohren taub sind, mit einem Implantat in nur einem Ohr helfen – jedoch nicht denen, die nur auf einem Ohr taub waren. Denn lange hielten es die Mediziner für unwahrscheinlich, dass das Gehirn gleichzeitig Reize aus einem gesunden Ohr und einem Implantat verarbeiten kann.

Verein unterstützt die Uniklinik Freiburg

Jedoch ist eine solche Therapie nun möglich. Mithilfe des Cochlea-Implantats hat beispielsweise auch das pakistanische Mädchen Malala, die in diesem Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, wieder auf dem tauben Ohr hören gelernt, berichtete Anschi Grillmeister, stellvertretende Vorsitzende des Vereins. An der Studie für diese neue Therapie waren unter anderem die Uniklinik Freiburg und der Förderverein mit finanzieller Unterstützung beteiligt.
"Der Wein hat nun im Dreivierteltakt in den Fässern geschwungen", sagte Grillmeister am Ende des Konzerts. "Das wird ein vorzüglicher Jahrgang", meinte sie. Grillmeister und Professor Dr. Roland Laszig, Direktor der Freiburger Hals-Nasen-Ohren-Klinik, bedankten sich bei Fritz und Bettina Keller von der Kellerwirtschaft. Am Ende des Konzerts zeigten die Zuhörer ihre Begeisterung mit lang anhaltendem Applaus. Die Einnahmen aus diesem Konzertabend gehen an den Verein.