Filialsterben

Volksbank Breisgau Nord schließt Filiale in Neuershausen

Mario Schöneberg

Von Mario Schöneberg

Mo, 11. Februar 2019 um 12:44 Uhr

March

Der Trend zu weniger Filialen hält an. Ab März wird die Volksbank Breisgau Nord ihre Filiale in Neuershausen schließen. Die Kundenfrequenz habe deutlich abgenommen, so die Begründung.

"Wir müssen als Genossenschaftsbank die ganze Gemeinschaft im Blick haben. Wenn wir defizitäre Entwicklungen erkennen, können wir sie zwar eine gewisse Zeit überbrücken und mittragen, doch dann müssen wir reagieren und uns gegebenenfalls auch von solchen Filialen trennen", sagt Karl-Heinz Dreher, Vorstandssprecher der Volksbank Breisgau Nord.

Diese hat ihren Schwerpunkt im Raum Emmendingen, verfügt laut Dreher über mehr als 80 000 Kunden und rund 42 000 Genossenschaftsmitglieder und beschäftigt etwa 300 Mitarbeiter. Seit mehreren Jahren beobachte man die Entwicklung, dass bestimmte Filialen immer weniger frequentiert würden, sagt Dreher. Als Folge seien schon 2016 zehn der seinerzeit 33 Filialen geschlossen worden. Nach der Schließung weiterer vier Filialen, bleiben bei der Bank 19 Geschäftsstellen übrig.

Der Trend zu weniger Filialen hält an

"Mit diesen Schließungen vollziehen wir eigentlich nur nach, was uns die Kunden durch ihr Nichtkommen vorgeben", sagt Dreher. Der Trend auch bei der Volksbank Breisgau Nord gehe zur Konzentration in größeren Filialen mit den Schwerpunkten in Emmendingen, Waldkirch und Elzach sowie einer vermehrten Nutzung des Online-Angebots. Die Idee, durch räumliche Nähe viele Neukunden zu akquirieren, habe sich nicht bestätigt, sagt Dreher. Viele Neubürger nutzten ihr Konto, das sie schon vor einem Umzug hatten, auch weiterhin. Dreher sagt: "Wir müssen größer denken und Regionalmärkte mit kompetenten Beratungszentren bilden." Für den Bereich Kaiserstuhl und March sei diese Zentrale nun in Bötzingen. "Dort, wohin unsere Kunden pendeln und arbeiten, dort finden viel mehr Kundenkontakte statt, als am Wohnort", das hätten interne Analysen ergeben. Die Menschen wollten kurze Wege von der Arbeit zum Einkaufen und dann zur Bank oder zum Geldautomaten.

"Unsere Kunden nehmen die Veränderungen an", so gebe es mittlerweile täglich 600 bis 800 Anrufe im Kundencenter in Emmendingen, das wochentags von 7.30 Uhr bis 19 Uhr erreichbar sei. "Natürlich löst die Ankündigung von Filialschließungen keine Begeisterung in den betroffen Orten aus", sagt Dreher. Daher sei dem Bankvorstand wichtig gewesen, sie persönlich zu kommunizieren und zu begründen. Zunächst seien Volksbankvertreter und Gemeinden informiert worden, im Anschluss hätten alle Kunden ein Informationsschreiben bekommen. So auch in Neuershausen, wo nach der Schließung der Filiale in Buchheim 2016 ursprünglich die Marcher Kundenkontakte konzentriert werden sollten.

Ältere Kunden würden bei Bankgeschäften unterstützt

Derzeit hat die Filiale, deren Geschäftsräume sich im Eigentum der Bank befinden, an zwei Wochentagen geöffnet. "Wir haben im April und Mai 2017 eine sechswöchige Frequenzanalyse unserer Filialen durchgeführt, während in dieser Zeit rund 20 000 Besucher in unseren Geschäftsstellen waren, kamen nur 300 Kunden in die Bank nach Neuershausen", erklärt Dreher. "Wir waren überrascht, dass auch viele Kunden aus Neuershausen ihre Geschäfte in anderen Filialen erledigen." Zudem habe auch die Nutzung des Geldautomaten stark nachgelassen – trotz des Wegfalls des Automaten in Buchheim. "Diese Entwicklung macht uns auch nicht glücklich, doch wir haben keine Chance gesehen, die Kundenfrequenz in Neuershausen wieder zu erhöhen."

Um gerade älteren Kunden weiterhin Bankgeschäfte zu ermöglichen, biete man Unterstützung beim Telefon-Banking an. Bei Bedarf werde man einmal im Monat Bargeld nach Hause liefern und Freiumschläge ausgeben, mit denen handschriftliche Überweisungen an die Bank geschickt werden könnten. Bargeld gebe es zudem immer mehr in Einkaufsmärkten.

Die nun in Neuershausen frei werdenden Gewerberäume sollen in Absprache mit der Gemeinde verkauft werden. Man könne sich dort sehr gut Praxisräume vorstellen, sagt Dreher. Von der Schließung nicht begeistert ist Helmut Mursa: "Als Bürgermeister ist es mir natürlich wichtig, dass in March insgesamt, aber insbesondere in den einzelnen Ortsteilen eine gute Infrastruktur und eine gute Versorgung vorhanden ist." Leider könne das die Gemeinde nicht alleine bewerkstelligen, sie sei auf die Anbieter angewiesen. Wenn es sich für die Volksbank so darstelle, dass sich der Standort in Neuershausen wirtschaftlich nicht trage, "sehe ich das als klaren Verlust für den Ort an".

Künftig fehlt auch ein Ort der Kommunikation

Dennoch könne er die wirtschaftlichen Gründe der Bank "grundsätzlich nachvollziehen". Trotzdem habe er dem Vorstand gegenüber seine Bedenken geäußert, "dass die Volksbank Breisgau Nord sicherlich auch Verluste bei den Mitgliedern erleiden wird, entweder als unmittelbare Reaktion auf die Schließung oder langfristig durch fehlende Neumitglieder". Gerade durch fehlende Bargeldversorgung über einen Geldautomaten gehe oft die Bindung zur Filialbank verloren.

Auch Neuershausens Ortsvorsteher Bernhard Germer, selbst viele Jahre Mitarbeiter und Leiter der Volksbankfilialen in Buchheim und Neuershausen, bedauert die Schließung. "Es gibt wohl wirtschaftliche Zwänge für die Bank, doch die sind für die Kunden nur schwer nachzuvollziehen." Zudem habe es an den zwei Öffnungstagen nur wenig Leerlauf in der Filiale gegeben. "Die Schließung spielt nun natürlich den in March verbleibenden Banken wie der Freiburger Sparkasse in Buchheim, der Volksbank Freiburg in Hugstetten und der Raiffeisenbank Gundelfingen in Holzhausen in die Hände. Wenn jemand aus March ein neues Konto braucht, wird er wohl kaum nach Bötzingen oder Eichstetten fahren." Zudem sei die Volksbank für Neuershausen neben der Bäckerei eine Institution, ein wichtiger Treffpunkt und Ort der Kommunikation gewesen, der künftig fehlen werde.

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