Beobachtung von Lichtspuren

Helmut Rothermel

Von Helmut Rothermel

Do, 05. April 2018

Waldkirch

Ausstellung "Glas-Licht" mit Werken der Freiburger Künstlerin Petra Frey / Bis 13. Mai im Georg-Scholz-Haus Kunstforum zu sehen .

WALDKIRCH. Die Nutzung von Spiegeleffekten in Kunstwerken hat eine lange Tradition. So lassen sich schon in der Malerei des Spätmittelalters und der Renaissance Beispiele finden, in welchen die verwirrende Wirkung von Spiegeln als raffinierte optische Kunstgriffe eingesetzt werden, um in der direkten Blickrichtung des Betrachters eigentlich Unsichtbares darzustellen und die Dimension von Wahrnehmung zu erweitern.

Ein bekanntes Beispiel ist die "Arnolfini-Hochzeit" des flämischen Meisters Jan van Eyck (um 1390-1441): Im Rücken eines frontal abgebildeten Hochzeitspaares hängt ein Spiegel, in dem mehrere, eigentlich vor dem Paar stehende Personen erkennbar sind. Petra Frey nimmt mit einem originellen und eigenständigen Ansatz diese Tradition auf, überschreitet sie aber auch. Während es dort in der Regel die unmittelbare und "reale" Umgebung ist, die im Glas sichtbar wird, richtet sich hier das Interesse weg vom Gegenstand und hin zu aus dem Vorgefundenen neu erschaffenen Welten und Realitäten.

Was geschieht eigentlich, wenn Licht in einem nahezu dunklen Raum auf Glas trifft? Die Beantwortung und Ausarbeitung dieser Fragestellung steht im Mittelpunkt des künstlerischen Schaffens von Petra Frey. "Glas – Licht" ist denn auch der treffende Titel ihrer Ausstellung in den Räumen des Georg-Scholz-Haus Kunstforums. Zunächst entstehen beim Zusammentreffen Lichtspuren, Reflexe und Brechungen auf der klaren und transparenten Glasfläche oder auch auf Glasscherben. Bei wechselnden Lichtverhältnissen und Veränderung der Position des Betrachters sind diese oft nur einen ganz kurzen Moment da, ehe sich wieder neue Formen und Farbenspiele bilden.

Mit dem Fotoapparat wird von der Künstlerin zunächst ein momentaner Eindruck als eine Art Notiz festgehalten. Dann beginnt die Arbeit an der Leinwand, die Verwandlung des Fotos in Ölmalerei. Eine erste, schwarze Farbschicht bildet die Folie, von der die nun aufgetragenen, tanzenden Lichtreflexe sich abheben. Auffällig sind die starken Hell-Dunkel-Kontraste. Die Farbigkeit Rembrandts mit ihren Chiaroscuro-Effekten, welche das im Licht erhellte zentrale Bildmotiv dramatisierend vom dunkeln Hintergrund abheben, habe sie sehr stark beeindruckt, sagt Frey.

Die auf dem Foto abgebildeten Lichtspuren erfahren im Malprozess eine ganz und gar subjektive Wandlung, in welche Gefühle, Erfahrungen, Ahnungen, Wünsche der Künstlerin einfließen. Auf einem der in der Ausstellung zu sehenden Bilder sind verschiedene Trinkgläser als Träger der Lichtreflexe erkennbar. Doch schon hier tritt das Glas schemenhaft und transparent stark in den schwarzen Hintergrund hinein, um den eigentlich interessierenden Reflexen und Brechungen Raum zu geben. Das Licht bricht hier regelrecht aus der Dunkelheit hervor. Manchmal ist dieses Leuchten aus der Dunkelheit aber auch viel feiner, ist Suche nach dem ganz Zarten und Gebrechlichen.

Auf anderen Bildern haben sich die Lichtspuren vollständig vom Glas gelöst und erzeugen eigene neue Realitäten, Traumbilder, welche dem Betrachter alle Freiheit der Interpretation lassen. Verfremdungen entstehen, indem minimalste Ausschnitte der Reflexe und Brechungen isoliert betrachtet und verwandelt werden. Dabei kann Frey ihre Liebe zum Detail, ihre Faszination für den Mikrokosmos ausleben. Weitere Verfremdungen und neue Einblicke entstehen, wenn die Leinwand während des Malens gedreht wird und sich die Perspektiven ändern. Gewebeartige Hintergründe, klirrende Strukturen, an Pflanzen oder Tierflügel erinnernde Formen lassen der Phantasie Raum. Um sich nicht im Detail zu verlieren, sagt Frey, müsse sie die Arbeit an einem Werk oftmals einige Zeit ruhen und reifen lassen.

Die meisten Bilder der Künstlerin sind großformatig, was ihrer starken Sehnsucht nach Weite entspreche, erläutert Frey. Diese großen Bilder sind in Schwarz- und Weißtönen gemalt, allenfalls kleine rötliche, bräunliche und bläuliche Einsprengsel sind zu erkennen. Einen Kontrapunkt hierzu bilden in der Ausstellung einige kleinformatige Bilder in zurückhaltender Farbigkeit.
Die Ausstellung "Glas-Licht" ist vom 8. April bis zum 13. Mai in den Räumen des Georg-Scholz-Haus Kunstforums in der Schlettstadtallee 9 zu sehen. Öffnungszeiten sind Freitag und Samstag von 15 bis 18 Uhr sowie Sonntag und Feiertag von 11 bis 16 Uhr. Vernissage ist am kommenden Sonntag, 8. April, um 11 Uhr. Am Mittwoch, 11. April, gibt es von 19 bis 21 Uhr einen Kreativworkshop für Erwachsene. Das Gespräch mit der Künstlerin findet am Montag, 16. April, 20 Uhr, statt. Das weitere Begleitprogramm findet man unter http://www.georg-scholz-haus.de