"Bilder regen die Fantasie an"

Gabriele Zahn

Von Gabriele Zahn

Do, 19. Januar 2017

Waldkirch

Rund 50 Interessierte ließen sich die Signierstunde der Illustratorin Binette Schroeder nicht entgehen / Anschließender Vortrag.

WALDKIRCH. Etwa 50 Personen verschiedenen Alters kamen ins Elztalmuseum zur Signierstunde mit Illustratorin Binette Schroeder. Jedem zeichnete sie individuell eine Widmung in das vorgelegte Buch. Etwa 30 Fans hörten Schroeder auch interessiert bei ihrem Vortrag zu.

Die Bücher von Binette Schroeder sind beliebt. Alle Altersgruppen lieben "Lupinchen", "Ratatatam", "Ritter Rüstig und Ritter Rostig" und die vielen anderen Figuren, die Schroeder erschaffen hat. Immer mehr Fans kamen bereits vor Beginn der Signierstunde und besichtigten zunächst die Ausstellung mit Werken von Binette Schroeder. Anschließend kauften sie ein oder zwei Bücher, wenn sie nicht ihre eigenen von zu Hause mitgebracht hatten. Die Gelegenheit, die Autorin und Illustratorin persönlich kennen zu lernen, wollte sich niemand entgehen lassen. Die Fans nahmen dafür auch längere Anfahrten in Kauf und stellten sich geduldig an, bis sie ihr Buch Schroeder zum Signieren überreichen konnten. Schroeder ließ sich Zeit. Mit schöner kalligrafischer Schrift schrieb sie jedem Fan ein paar persönliche Worte ins Buch, jeweils individuell gestaltet mit einigen kleinen Blumen, die jede Signatur zu etwas Einzigartigem machten. Da kamen die jungen Großeltern, die ihren Enkeln ihr Lieblingsbuch schenken wollten, oder Eltern, die sowohl ihren Kindern als auch deren Großeltern ein Buch von Schroeder schenken wollten. Eine berührende Geschichte erzählte ein junger Mann: Er habe sich als kleiner Junge das Buch "Florian und Traktor Max" aus der Bibliothek geliehen. Es war sein Lieblingsbuch und er bedauerte es, dass er es nach zwei Wochen wieder abgeben musste. Dieses Buch hat er sich jetzt gekauft und ließ es von Schroeder signieren. Die Autorin freute sich über diese Anekdote, dass sie ihm zusätzlich zur Signatur noch ein Bild hinein malte: Ein einzelner Apfelbaum auf einem Hügel, der mit Blumen bewachsen war.

Im Anschluss an die Signierstunde hielt Schroeder einen Vortrag über "Illustration – oder was man mit Worten nicht erzählen kann". Das Auge sehe ähnlich komplex wie der Geist, meinte Schroeder, die Bildzentrale im Gehirn müsse eine enge Beziehung zu den Gefühlen haben. Ein Bild richte sich zuallererst an das Gefühl, erst dann werde es gedanklich reflektiert. Einen Illustrator interessiere, wie eine Geschichte bildhaft umgesetzt werden kann. Kein Text und kein Foto vermögen das zu vermitteln, was ein gemaltes Bild könne. Beispielsweise könne mit einem Bild Wissenschaft so vermittelt werden, dass die Neugierde angeregt wird. Andererseits hänge das Erfassen eines Bildes auch davon ab, was der Betrachter selbst schon erlebt hat. Bildgeschichten können heiter aber auch melancholisch oder traurig sein. Kinder kennen die Gefühle Verlassensein, Bedrohung und Alleinsein. Schroeder forderte die Zuhörer auf, Kinder nicht vor melancholischen (Bild-) Geschichten zu verschonen, denn sie würden gestärkt aus der Auseinandersetzung mit der Geschichte hervorgehen. Bilder erwecken das Mitgefühl der Kinder und können sie so auf die Gesellschaft vorbereiten. Neben melancholischen Bilderbüchern gebe es aber vor allem die, die die Fantasie anregen. Schroeders Bücher seien Traumweltillustrationen. Sie geben den Kindern den Raum, den sie brauchen, um ihre Seele baumeln zu lassen. Zudem regen sie die Fantasie an.

Schroeder berichtete, wie ihr Großvater sie im Alter von fünf Jahren auf den Schoß nahm, ihr Bilderbücher zeigte und Geschichten erzählte. Die damals gesehenen Motive finden sich in ihren eigenen Bildern in gewandelter Form wieder. Im Detail ging Schroeder auf ihre eigene zeichnerisch-malerische Entwicklungsgeschichte ein, wie sie sich der Farbe annäherte und diese mit Wut in das Papier einarbeitete. Jeder Bildidee ging eine psychologische Analyse voraus, und an viele Details hat sie sich sukzessiv herangetastet. Kritisch merkte sie an, dass bei zu perfekten Bildern der Fantasie kein Freiraum bleibt. Auf Nachfrage eines Zuhörers gab sie bekannt, dass sie eine Idee für ein neues Projekt habe. Darüber reden wollte sie aber nicht.

Info: Die Ausstellung "Märchenhaft" mit Werken von Binette Schroeder kann noch bis 29. Januar besichtigt werden.