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21. August 2012

Mack Rides baut eine neue große Werkhalle

MdB Peter Weiß informierte sich

  1. Mack Rides-Geschäftsführer Christian von Elverfeldt informiert die Besucher, darunter den Bundestagsabgeordneten Peter Weiß (Mitte) und rechts neben diesem Waldkirchs Altbürgermeister Hugo Eisele und der frühere Landtagsabgeordnete Alois Schätzle aus Kollnau. Foto: Rebekka Sommer

WALDKIRCH. Mack gehört zu Waldkirch. Seit 232 Jahren. Wie es derzeit bei Mack Rides aussieht, einem Weltmarktführer bei Produktion von Fahrgeschäften für Vergnügungs- und Freizeitparks, davon wollte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß in einem "Feierabendgespräch" der CDU Waldkirch informieren. Rund 30 Interessierte folgten den Erläuterungen des Geschäftsführers Christian von Elverfeldt rund um die Konstruktionshalle in der Mauermattenstraße.

Was gibt es Neues im Acherbahnengeschäft? Früher konnten die Spaziergänger am Waldkircher Elzuferweg miträtseln, welche neue Attraktion nun gerade wieder über den Zaun des Mack’schen Firmengeländes in den Himmel wuchs und schließlich als Achterbahnen-Neuhheit erkennbar war. Wie zum Beispiel die "Wilde Maus"; der hölzerne Prototyp dafür entstand 1957 in Waldkirch.

"Heute entstehen die Fahrgeschäfte direkt vor dem Computer", erklärt Geschäftsführer Christian von Elverfeldt. Die Berechnungen seien dadurch so genau, dass die Bahnen erst vor Ort – etwa also in Russland, China oder Australien – aufgebaut werden müssten. "Es ist heute nicht mehr nötig, dass der Handwerksmeister mit dem Schweißgerät über den Hof läuft und hier noch hämmert, da noch klopft", sagt Elverfeldt, "am Ende passen die Teile perfekt ineinander." Trotzdem werden neugierige Waldkircher bald wieder etwas zu gucken haben: Die Europapark-Attraktion für das Jahr 2014 wird auf dem Firmengelände in der Mauermattenstraße aufgebaut und danach getestet. Man darf gespannt über den Zaun linsen.

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Jetzt steht auf dem Hof eine Art Swimmingpool in XXL: Darin befand sich eben noch die Teststrecke für ein neues Fahrgeschäft, das die "Drehenden Kaffeetassen" mit einer Wasserschlacht verbindet.

Mit der neuen, 2200 Quadratmeter großen Werkhalle, die seit April 2012 auf diesem Gelände entsteht und deren Wände beim ersten Stockwerk angelangt sind, war die definitive Entscheidung gefallen, am Standort Waldkirch zu bleiben und ihn auszubauen. "Die neue Halle ermöglicht uns klassischen Materialfluss: Vorne kommen die Rohre hinein, hinten das fertige Produkt heraus", so von Elverfeldt. Das sei eine enorme Kosteneinsparung im Vergleich zu bisher. Derzeit befindet sich das Material für die einzelnen, aufeinanderfolgenden Arbeitsschritte an verschiedenen Stellen im Hof und in der Halle; zuviel Zeit geht dabei verloren, es zu suchen und zusammenzutragen. Nach dem Hallenbau soll im nächsten Schritt die Produktionskapazität erhöht werden. "Wenn ein Kunde eine Achterbahn anfordert, will er nicht zwei Jahre warten", so Elverfeldt. Paradoxerweise führen sowohl der Wirtschaftsaufschwung der Schwellenländer wie die Rezession in der Euro-Zone zu mehr Nachfrage. Die Einen haben plötzlich mehr Geld, die Anderen weniger, wollen aber im Urlaub trotzdem was erleben. Beides kann Mack Rides nutzen; die Branche ist relativ krisensicher.

Zwischen Konstruktionsplänen und Schienen steigen die CDU-Mitglieder, Stadträtinnen und -Räte in der Halle umher. Weiter hinten in der Halle wird auch um 18 Uhr noch geschweißt – der Werktag hat hier drei Schichten. Fotografieren darf man nicht, die Angst vor Werkspionen ist groß. Was die Konkurrenz nicht sehen soll, sind die Details des Nullebenenverfahrens, das Ingenieure hier entwickelt haben: An jedem Fertigungsprozess befinden sich auf "Nullebenen", also auf dem Hallenboden, Stahlplanken, an denen Halterungen für die Schienenrohre angebracht sind, die beliebig in Höhe, Winkellage und mehrere Achsrichtungen verstellt werden können. Über ein Laser-Tracker-System werden die Messpunkte an den Schienen sekundenschnell erfasst und ermittelt, ob ihre Position mit der virtuellen Vorgabe im Computer übereinstimmt. Jede noch so geringe winzige Abweichung kann sofort korrigiert werden.

"Manch einer weiß vielleicht noch, wie man früher mit leichten Genickschmerzen aus der Acherbahn stieg", erinnert sich von Elverfeldt. Schon millimeterweise Abweichungen vom Bauplan können nämlich an den Stellen zu spürbaren Rüttlern des Zuges führen, wo Schienen ineinandergefügt sind. Durch die parallele virtuelle Realität, die es im Computer schafft, garantiert das Nullebenenverfahren, dass jede kleinste Abweichung vom Soll ohne großen Aufwand sofort sichtbar wird. Damit spart Mack Rides fast die Hälfte der Zeit, die früher für die Schienenherstellung gebraucht wurde.

Manche Arbeiten lagert Mack Rides aus – mit der Lackiererei etwa machte sich ein ehemaliger Mitarbeiter selbständig. Neben den Schienen, dem Herzstück einer Bahn und der Glasfaserkunststofftechnik ist und bleibt eine Spezialität die sogenannte Thematisierung, also das Design der Bahnen nach Kundenwunsch.

Autor: Rebekka Sommer