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11. November 2015

Erinnern tut auch manchmal weh

Der Kollnauer Historikprofessor Wolfram Wette wird heute 75 Jahre alt.

  1. Wolfram Wette wird heute 75 Jahre alt. Foto: Archivfoto: Timm

WALDKIRCH (sti). Der wohl wichtigste Geburtstagsglückwunsch lag schon in der Post: Bundespräsident Joachim Gauck gratulierte Professor Wolfram Wette, Kollnau, zu seinem 75. Geburtstag: "Für Ihren Einsatz für die Vernunft, für Lernbereitschaft und damit für eine wache, tolerante und aufgeklärte Zivilgesellschaft gebührt Ihnen großer Dank", schrieb der Bundespräsident.

Wette wurde am 11. November 1940 geboren. Als der Zweite Weltkrieg endete, war er fünf Jahre alt – seine Beschäftigung damit sowie auch mit dem vorangegangenen Ersten Weltkrieg und angrenzenden Themen dauert bis heute. Zunächst studierte Wette Politikwissenschaften, Geschichte und Philosophie. Von 1971 bis 1995 arbeitete er als Historiker am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg, seit 1998 als Professor am Historischen Seminar der Uni Freiburg. Als Mitbegründer des Arbeitskreises Historische Friedensforschung war es quasi folgerichtig, dass sich Wolfram Wette auch in seinem Wohnort für die "Waldkircher Friedenswoche" (1978) und für die "Waldkircher Erklärung gegen Rüstungsexporte" (2007) engagierte. Für die SPD war er von 1980 bis 1989 Mitglied des Gemeinderates und dort auch Vorsitzender der SPD-Fraktion und des SPD-Stadtverbandes.

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Wette forschte intensiv zu Opfern und Tätern im Nationalsozialismus und setzte sich damit auseinander, warum die jeweiligen Individuen letztendlich in der Extremsituation der NS-Diktatur so handelten, wie sie es taten. Er entriss viele Einzelschicksale dem Vergessen. Auch Kontakte zwischen Zeitzeugen und jungen Menschen waren ihm stets ein Anliegen. 1992 wurde er Ehrenprofessor der russischen Universität Lipezk.

Wolfram Wette engagiert sich auch in der 2011 entstandenen Ideenwerkstatt "Waldkirch zur NS-Zeit". Am kommenden Sonntag, dem Volkstrauertag, wird er zur Enthüllung der Gedenktafeln für die in Waldkirch kurz vor Kriegsende erschossenen Wehrmachtsdeserteure die einführenden Worte halten.

Im Mai diesen Jahres wurde Wolfram Wette mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland geehrt. Zahlreiche Buchveröffentlichungen legen Zeugnis ab von seinem umfangreichen Schaffen, das er nie nur als rein wissenschaftliche Arbeit, sondern immer als Brücke zur Gegenwart und zivilcouragiertem Handeln heute Lebender betrachtet hat.

Autor: sti