Filme mit Anspruch

Dorothea Scherle

Von Dorothea Scherle

Mi, 10. Oktober 2018

Waldkirch

Beim Regional-Filmfestival in Waldkirch wurden elf Kurzfilme gezeigt und bewertet.

WALDKIRCH. Filmclubs aus Karlsruhe, Lahr und dem Breisgau haben sich im Waldkircher Gasthaus "Hirschen" zu einem Filmfestival der Region Baden getroffen. Elf Kurzfilme mit einer Länge zwischen 9 und 18 Minuten waren eingereicht worden. Eine fünfköpfige Jury bewertete sie.

Fünf Filme hatten die Mitglieder des Filmclubs Breisgau für den Wettbewerb ausgewählt. Evelyne Ganters Film "Klingendes Waldkirch" ermöglichte den Besuchern ein Wiedersehen mit zum Teil längst verstorbenen Waldkirchern, wie dem Organisten Heiner Buhl, dem Musikzeichner Otto Wernet, der Drehorgelspielerin Elisabeth Schneider, dem Drehorgelbauer Michael Hiss, dem Hobbyfilmer August Jägle und dem kürzlich verstorbenen Dirigenten Walter Jäger. Nostalgisch wurde es auch bei Peter Postlers Film "Ein vergangenes Handwerk", über Alfred Rostalski mit seiner altertümlichen, aber funktionstüchtigen fahrbaren Holzsäge- und Spaltmaschine, die er tuckernd aus der Hödlerstraße zu seinen Kunden fuhr. Klaus Haberstroh, der Vorsitzende des Filmclubs, hat mit "Anima" einen Film über Michael Bornhak eingereicht, der in seiner Werkstatt in der Waldkircher Friedhofstraße große Streichinstrumente baut. Schritt für Schritt zeigt Haberstroh, wie ein Kontrabass entsteht. Die "Anima" ist die "Seele", nämlich der Stimmstock eines Kontrabasses.

Peter Christiansen hat mit seiner Frau die Sonora-Wüste in Mexiko bereist und zeigt in "Erlebnisse in der Sonora Wüste" die fremdartige Flora und Fauna, wie den Roadrunner, einen Vogel, oder die Saguaro-Kakteen. Falk Nixdorf schließlich hat sich in "ArtHaus-Kino" mit den "Löwen Lichtspielen" in Kenzingen befasst und die Inhaber Christel und Lothar Kauschwitz interviewt. Ein Stück Zeitgeschichte wird lebendig. Aus Lahr hat sich Falk Auer mit "Seife aus Oliven" beteiligt, einem Film über den Familienbetrieb Patounis auf Korfu. Günter Walz ist als Einzelmitglied angetreten, das nicht an einen lokalen Verband angeschlossen ist, sondern dem Bundesverband angehört. In "Historic Landmark" stellt er die Cable Cars in San Francisco vor.

Die Mitglieder des Filmclubs Karlsruhe hatten vier Filme eingereicht. Emanuel Kastner und seine Frau befassen sich in ihrem Film "Die Hallig Nordstandishmoor" mit dem kleinen Eiland vor der nordfriesischen Küste, das nur mit einer Lore erreichbar ist.

Jury war mit der Qualität sehr zufrieden

Doris von Restorff ist in "Der Wald ist ihre Heimat" ein bewegender Film über das Volk der Pygmäen in Zentralafrika gelungen, in dem sie zum einen die traditionelle Lebensweise im Wald zeigt, aber auch entwurzelte Menschen, die man um der Holzgewinnung willen aus ihrem Gebiet vertrieben hat. Immer wieder fokussiert die Autorin auf einzelne Gesichter der Vertriebenen, in denen Tristesse und Elend geschrieben stehen. Jörg Köhler zeigt in "Shivaratri" das höchste Fest im Hindukalender zu Ehren des Gottes Shiva. Ulrich Streit hat in "César Manrique" ein eigenwilliges Porträt des Architekten und Malers auf Lanzarote gedreht, indem er die Schauplätze von Manriques Kunst zeigt, aber ein animiertes Personenpaar diese Schauplätze als Interviewerin und interviewter Künstler erklären.

Jeweils nach drei oder vier Filmen gaben die Jurymitglieder Dieter Ebelt aus Kenzingen, Friedrich Hegener aus Emmendingen, Holger Klitzke aus Denzlingen, Hans Lepkojis aus Teningen und Dieter Zwierlein aus Denzlingen Voten ab. Insgesamt zeigte sich die Jury mit den eingereichten Beiträgen sehr zufrieden. Kameraführung, Szenenübergänge, Überblendtechnik, Nutzung von Grafiken, Schnitt, Tontechnik und natürlich die Inhalte wurden begutachtet. Kritisiert wurden zum Beispiel Längen, zu laute Musik, schwer verständlicher Dialekt oder fehlende Beschriftung. Einen ersten Preis mit Weiterleitung zum Landeswettbewerb erhielten in der Endwertung der Waldkircher Klaus Haberstroh sowie Doris von Restorff und Günter Walz. Einen zweiten Preis mit Weiterleitung erhielten Falk Auer, Emanuel Kastner, Peter Christiansen, Jörg Köhler, Ulrich Streit und Falk Nixdorf, einen zweiten Preis ohne Weiterleitung Evelyne Ganter und einen dritten Preis Peter Postler. Eine Urkunde und der Beifall der Zuschauer entlohnen die Filmer. Geld gibt es keines und auch keine langen Gesichter, denn, so Falk Nixdorf, der für die Region Baden zuständig ist: "Über Juroren ärgert man sich nicht, man freut sich nur, dass sie sich die Mühe machen, eine Wertung abzugeben."