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20. November 2009
Klimawandel
Hochkarätige Klima-Veranstaltung in Waldkirch
Der Klimawandel und mögliche Schritte dagegen trafen in Waldkirch auf das Interesse einer großen Zuhörerschar.
WALDKIRCH (BZ). Auf Einladung der Bürgerinitiative Energiewende und der Ortsgruppe Waldkirch des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland referierte Manfred Schieß aus Rastatt im voll besetzten Hirschensaal über Klimawandel und CO-neutrale Lösungen zur Stromversorgung.
Der pensionierte Gymnasiallehrer war zunächst entwicklungspolitisch im Aufbau eines Schulbuchverlags in Tansania tätig und wurde durch den Rückgang der Gletscher am Kilimandscharo für den Klimawandel sensibilisiert. In seinem fundierten Vortrag ging er zunächst eindringlich auf die drastischen Warnungen der Klimaforscher vor der sich beschleunigenden Erderwärmung ein. Anhand mehrerer "Kipppunkte" erläuterte er, warum spätestens ab 2015 die Treibhausgasemission weltweit abnehmen müsse, damit eine Klimakatastrophe vermieden werden kann.Solche Kipppunkte, die auch auf der Weltklimakonferenz in Kopenhagen eine wesentliche Rolle spielen, seien zum Beispiel gewaltige Methanfreisetzungen beim Auftauen von Permafrostböden in Sibirien, das Abschmelzen der Grönland-Eismassen, der Kollaps des Amazonas-Regenwalds oder das Absterben von Korallenriffen durch Meeresversauerung. Wenn diese Kipppunkte überschritten würden, werde sich die Klimakatastrophe durch die dadurch ausgelösten Veränderungen verselbstständigen und durch die Menschheit nicht mehr beeinflussbar sein. Schieß zitierte den renommierten Klimaforscher Schellnhuber mit den Worten, dass bei 5 bis 6 Grad Celsius Erderwärmung keine Hochzivilisation mehr auf der Erde möglich sei. Derzeit würde aber durch den Bau neuer Kohlekraftwerke, die pro Tag jeweils 10 000 bis 15 000 Tonnen CO ausstießen, bei uns, in China und den USA genau der falsche Weg beschritten. Schieß machte aber auch klar, dass es nicht zur Klimakatastrophe kommen muss, wenn nur der politische Wille da sei, seinen Ursachen konsequent zu begegnen.
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Er stellte ein an der Uni Kassel durch den Physiker Gregor Czisch entwickeltes Konzept vor, das es möglich machen würde, innerhalb von 20 Jahren komplett auf erneuerbare Energien umzusteigen und auf Kohle- und Atomkraft zu verzichten. Voraussetzung dafür sei die intelligente Vernetzung von ertragsstarken Windkraft-, Wasserkraft- und Solarstandorten in Europa, Nordafrika und Russland mittels eines "Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsnetzes" (HGÜ). HGÜ-Leitungen übertragen auf lange Strecken Strom mit deutlich geringeren Verlusten und werden deshalb auch schon in einigen Weltregionen benutzt. Für die Energieversorgung Europas würde es völlig ausreichen, in den genannten Regionen nur die besten Standorte zu nutzen.
Die jährlichen Investitionskosten (über 20 Jahre) für das gesamte HGÜ-Konzept würden laut Schieß knapp 80 Milliarden Euro für den gesamten Raum mit rund 1,1 Milliarden Einwohnern betragen und lägen damit in einer vergleichbaren Größenordnung wie die Konjunkturprogramme I und II der alten Bundesregierung. Bei den großen Energieversorgern stoße das HGÜ-Konzept aber aus kurzfristigen wirtschaftlichen Überlegungen auf wenig Gegenliebe, da es weniger Rendite verspreche als der Weiterbetrieb von Kohle- und Atomkraftwerken.
Kommunale Energieversorger aus der Schweiz und Norwegen planen aber derzeit bereits eine HGÜ-Leitung von Norddeutschland nach Norwegen, um bis 2014 die norddeutsche Windkraft mit der norwegischen Wasserkraft zu vernetzen. Die Niederlande haben bereits 2008 eine solche Leitung für ihre Windkraft fertig gestellt. Die zahlreichen Zuhörer waren von den fundierten, neuen Informationen sichtlich beeindruckt und erwarten, dass die von Dr. Czisch entwickelte Option einer ausschließlichen Nutzung von regenerativen Energien nun auch stärker in die politische Diskussion Eingang findet.
Autor: bz
