Crowd-Funding-Kampagne

Zwei Gründer aus dem Elztal helfen mit ihrem Start-up alten Menschen beim Trinken

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Mi, 06. Februar 2019 um 13:11 Uhr

Waldkirch

Zwei Gründer des Start ups Iuvas stellten im Pflegeheim St. Nikolai neue Trinkhilfen vor, die körperlich eingeschränkten Menschen das Trinken erleichtern und das Verschlucken vermeiden.

Bei manchen Erfindungen fragt man sich, warum da noch keiner früher draufgekommen ist. Eine solche stellten jetzt David Fehrenbach und Jonas Zimmermann, beide aus dem Elztal, im Pflegeheim St. Nikolai in Waldkirch vor: die Sippa-Trinkhilfe. Die Resonanz unter den Pflegekräften, aber auch unter den Senioren war sehr gut. Mit einer Crowdfunding-Kampagne suchen die Existenzgründer jetzt Unterstützer, um die Trinkhilfen in größeren Stückzahlen produzieren zu können.

"Iuvare" bedeutet "du hilfst"

David Fehrenbach und Jonas Zimmermann haben zusammen mit ihren Studienkollegen Moritz Knoblach und Sinan Denemec ein Start up für Medizinprodukte namens Iuvas gegründet. Das Wort Iuvas ist vom lateinischen iuvare abgeleitet und bedeutet so viel wie "du hilfst, du unterstützt". Die Firma hat ihren Sitz in München, ist aber wegen der Herkunft von zwei der vier Gründer auch stark mit dem Breisgau verbunden. Sinan Denemec ist Krankenpfleger und Pflegewissenschaftler, alle anderen sind Medizintechnik-Ingenieure.

Zum wiederholten Mal sind Fehrenbach und Zimmermann im Pflegeheim St. Nikolai zu Besuch. Dieses Mal haben sie auch das neueste Modell der Sippa-Trinkbecher dabei. Während das Vorgängermodell vor allem für den Klinikalltag gedacht ist, soll das neuere in Pflegeheimen oder bei Patienten zu Hause zum Einsatz kommen. Das Besondere an den Bechern ist, dass sie es ermöglichen zu trinken, ohne den Kopf nach hinten zu beugen.

Silikonmembran erzeugt Gegendruck

Wie das gehen kann, zeigt Jonas Zimmermann: In einen Becher ist eine dünne Silikonmembran eingelegt, die zunächst wie eine kleine Scheibe aussieht. Als er etwas Saft auf sie gießt, beult sie sich nach unten aus, bis der Becher voll ist und sich die Membran innen an die Becherwände anschmiegt. Renate Schäfer, die im Pflegeheim lebt, nimmt den Becher und probiert ihn aus: Sie setzt das über der Membran aufgesetzte Mundstück an ihre Lippen und beginnt zu trinken. Normalerweise würde sie nun den Kopf immer weiter in den Nacken legen müssen, was sie aber aus gesundheitlichen Gründen nicht kann. "Deshalb bleibt bei mir immer ein Rest von zwei, drei Zentimetern Höhe im Becher", erklärt sie später. Ohne die Position des Kopfes zu verändern, kann sie mit der Trinkhilfe aber einfach weitertrinken: Die Membran sorgt für Gegendruck – aber so, dass das Getränk nicht oben aus dem Becher "quillt". Als sie ausgetrunken hat, lächelt Frau Schäfer: "Es macht richtig Freude, auf diese Weise einen Saft zu trinken." Komfortabel und unanstrengend und geschmacklich nicht zu vergleichen mit einem Strohhalm, sondern viel besser. "Der Saft verteilt sich ganz anders im Mund", erklärt sie.

Crowdfunding-Kampagne bis 10. März

Der Geschmack ist ein schöner Nebeneffekt, hauptsächlich wird damit aber Menschen mit körperlichen Einschränkungen geholfen, die ein großes Risiko haben, sich zu verschlucken und dann womöglich zu schwach sind, das Verschluckte wieder auszuhusten – so können Lungenentzündungen entstehen. St.Nikolai-Pflegedienstleiterin Karin Schrodi findet die Trinkhilfe "klasse" und hofft auf eine baldige Serienproduktion der neuen Becher.

Um die Herstellung in größerer Stückzahl zu ermöglichen, brauchen die jungen Gründer allerdings erstmal Geld. Vor wenigen Tagen haben sie im Internet eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, die noch bis zum 10. März läuft. Leute, die die Idee gut finden, können mit mindestens 25 Euro einsteigen und erhalten als Dank einen der Sippa-Becher – entweder für sich selbst oder zugunsten von drei Einrichtungen: das St.-Nikolai-Pflegeheim in Waldkirch, die PSP-Gesellschaft (die Parkinsonkranken hilft) und die Stiftung Pfennigparade (die sich für Menschen mit Körperbehinderung einsetzt).

Insgesamt braucht das Start up rund 50 000 Euro, um eine Anschubfinanzierung für die Produktion zu haben. "Abgebucht wird der selbst gewählte Betrag erst, wenn wir wissen, dass wir die 50 000 Euro zusammenkriegen", betont Zimmermann. Denn erst dann sei sichergestellt, dass die Becher, die als Dank ausgeliefert werden sollen, ebenso wie weitere auch wirklich hergestellt werden können – hoffentlich ab Juli. Der Beginn der Kampagne ist gut: Eine Woche nach dem Start gibt es schon Zusagen für mehr als 8000 Euro.

Damit keiner die Idee klauen kann, haben sich die jungen Gründer ihre Sippa-Becher patentieren lassen. Und sie arbeiten auch weiter an der Verfeinerung: beispielsweise anderen Griffen und einem Auslaufschutz, falls der Becher mal umfallen sollte. Das erste Modell "sippa clinic" hat bereits eine Hilfsmittelzulassung und kann entsprechenden Patienten verschrieben werden. Demnächst fahren die jungen Gründer zum deutschlandweiten Parkinsonkongress und werden ihre Idee auch dort vorstellen.

Mehr Infos unter www.iuvas.de beziehungsweise direkt auf www.startnext.com.