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15. April 2010

Kongeniale Interpretation Chopinscher Etüden

Das zweite Konzert von William Cuthbertsons Reihe beeindruckte erneut durch hohe Professionalität, spritzig dargeboten.

  1. William Cuthbertson spielt die Etüden von Chopin im Saal der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Am Bruckwald Foto: Hans Jürgen Kugler

WALDKIRCH. Etüden sind eigentlich Übungsstücke für Klavier, vorwiegend technisch und pädagogisch orientiert, anhand derer der Schüler Tonleitern trainieren soll, Arpeggien und Sprünge auf der Klaviatur. Im besten Falle eine Schule der Virtuosität. Bei Chopin kommt einiges mehr hinzu. Was Chopin euphemistisch als Etüden bezeichnet, gehört zum Schwersten, was die Klavierliteratur zu bieten hat. Es sind hochexpressive Charakterstücke, in denen Chopin das Potenzial des Fortepianos und die spieltechnische Entwicklung bis an die äußersten Grenzen des Spielbaren ausgeweitet hat.

Einer, der diese schwer zu spielenden Werke meisterhaft beherrscht, ist der Waldkircher Pianist William Cuthbertson, der die Zuhörerinnen und Zuhörer im ausverkauften Saal der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft "Am Bruckwald" im zweiten Konzert seines groß angelegten Chopin-Zyklus’ auf eine wahre Tour de Force durch das wohl schwierigste Terrain pianistischer Kunst geführt hatte.

Gleich die erste Etüde, von Bachs C-Dur-Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier inspiriert, zeigt die enormen Unterschiede auf, die zwischen beiden Klavierzyklen bestehen. Es fehlt hier der Platz, jede einzelne Etüde und deren kongeniale Interpretation durch William Cuthbertson gebührend zu würdigen, darum hier nur eine kursorische Auswahl.

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Die dritte Etüde in E-Dur dürfte die bekannteste sein, geprägt von einer kantablen Melodie, wie Chopin nach eigener Überzeugung nie eine schönere komponiert habe. Cuthbertson spielte sie mit einem wunderbar warmblütigen, dabei aber auch klaren, reinen Klang.

Geradezu überfallartig bricht gleich darauf die Etüde Nr. 4 cis-Moll herein, stürmisch, mit irrwitzigen Läufen, eine Folter für jeden Pianisten. Nach der eher funkelnd-verspielten "Schwarze-Tasten-Etüde" in Ges-Dur die Nr. 6, eine technisch äußerst anspruchsvolle Toccata. Zum fulminanten Abschluss des ersten Zyklus die berühmte "Revolutionsetüde" in c-Moll: Cuthbertson versteht es, trotz der dramatischen Wucht, der wütenden Bassläufe und der irrwitzigen Sprünge darin in jedem Moment seines Vortrags den Spannungsbogen der Komposition flexibel und doch gespannt zu halten.

Zum Abschluss des ersten Teils stellte Cuthbertson die drei Nouvelles études vor, ein Auftragswerk für Ignaz Moscheles, der ein Kompendium der besten Pianisten seiner Zeit zusammenstellte.

Nach der Pause der zweite Zyklus, Opus 25; gewidmet Marie d’Agoult, einer Freundin Liszts, was zu mancherlei Spekulationen Anlass gab. Am bekanntesten ist die Nr. 1, die Schumann mit einer Äolsharfe verglich, und die Nr. 11 "Winterwind", dessen äußerst stürmische Böen Cuthbertson wieselflink und makellos in Szene setzte. Elegant perlend wie Champagner die Nr. 9 "Der Schmetterling" und wiederum stürmisch und getrieben von brachialer Naturgewalt die Nr. 12 "Die See", mit der der Zyklus endet. Der nicht enden wollende Beifall des Publikums wurde mit zwei spritzigen Zugaben belohnt, der Cantabile B-Dur und der Ecossaise D-Dur, vergleichsweise leichte Stücke.

















Autor: hjk