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31. Mai 2013

Meisterspiel mit eigenem Stil

Der 14. Meisterkurs mit Professor Peter Feuchtwanger schloss mit einem herausragenden Konzert im Barocksaal des Elztalmuseums.

  1. 14. Meisterkurs in Waldkirch: Mit Daniel Kasparian, Agnes Joshi-Meili, Elisa Neugart, Professor Peter Feuchtwanger, Masako Kamikawa, Urs Weilenmann und Christian Loeschke (von links). Foto: Eberhard Weiss

  2. Die Japanerin Masako Kamikawa spielte Chopins Rondo in Es-Dur mit Brillanz und Ausdruck. Foto: Eberhard Weiß

WALDKIRCH. Mit einem mitreißenden und abwechslungsreichen Programm stellte sich der Meisterkurs mit Professor Peter Feuchtwanger beim Abschlusskonzert im Barocksaal des Elztalmuseums vor. Auch dieses Konzerterlebnis verdanken die Freunde der Klaviermusik dem hier lebenden Pianisten William Cuthbertson, der für die gesamte Organisation des einwöchigen Kurses und die Verpflichtung des berühmten Lehrers, Pädagogen und Komponisten verantwortlich war.

Es war der 14. Meisterkurs im Waldkircher Elztalmuseum, den Peter Feuchtwanger leitete. Drei Pianistinnen und drei Pianisten aus Deutschland, der Schweiz und Japan nahmen an dem Meisterkurs teil – alle selbst hochbegabte Musikerinnen und Musiker, die aber bei Peter Feuchtwanger, diesem renommierten Musikpädagogen, Neues lernen wollten. Bei ihm, der mit seinen Klavierübungen Spielfreude anregt und mit einem flüssigen Spiel die Freude am eigenen Tun verstärkt. Hemmungen zu beseitigen ist ein Ziel, also die Gewinnung von "Freiheit", aber auch die Verbesserung der Technik. Nach kurzer, großartiger Karriere als Konzertpianist widmete sich Feuchtwanger der Ausbildung von Schülern und wurde dadurch zum Förderer großer Talente. In München geboren, in Haifa aufgewachsen, lebt er heute in London.

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Das Konzert eröffnete die Züricherin Agnes Joshi-Meili, die sich zu ihrem Vortrag die Sonate Nr. 6 a-moll von Wilhelm Friedemann Bach ausgewählt hatte. Auch Elisa Neugart, am Ammersee wohnend, hatte sich eine Komposition des ältesten Sohnes von Johann Sebastian Bach, die Polonaise C-Dur, ausgesucht. Das Spiel beider Künstlerinnen war gekennzeichnet und gefiel durch die Präzision der Vorträge, wenn man sich die Kompositionen auch "etwas näher" bei der Wiener Klassik wünscht. Daniel Kasparian, ein auf der schwäbischen Alb lebender Künstler, spielte zunächst das Andante e-moll aus Pièces de Clavecin des 1703 in Brüssel geborenen Joseph-Hector Fiocco. Das Stück ließ Kasparian zwischen dem langsamen Adagio und dem raschen Allegro "pendeln"– eine gute Idee. Von ganz anderem Zuschnitt war sein zweiter Vortrag: Die Sonate F-Dur von Dimitrij Bortnianski. Die Komposition – geschrieben im Allegro – besteht zum großen Teil aus schnellen, ja rasanten Läufen, die einen Pianisten an die spieltechnische Obergrenze treiben können. Aber Kasparian meisterte sie, fast möchte man meinen "mit leichter Hand".

Einen Ausflug in die Romantik unternahm Christian Loeschke mit drei Stücken aus Robert Schumanns "Waldszenen". Beim "Eintritt" glaubt man in eine Kathedrale zu treten, wobei die Erhabenheit beim "Vogel als Prophet" durch das unermüdliche Rufen des Kuckucks bald unterbrochen wird, die aber mit dem "Abschied" endet. Die Japanerin Masako Kamikawa spielte mit Brillanz und Ausdruck in ihrem eigenen Stil das herrliche Rondo Nr. 3 in Es-Dur Op.16 von Frédérik Chopin. Die Besucher waren begeistert.

Peter Feuchtwanger selbst geht als Komponist seine eigenen Wege, die sich, wohl bedingt durch seine Kenntnisse arabische Musik aus der Zeit in Haifa, eng an indische und persische Musik anlehnt. Christian Loeschke spielte "Dhun-Raga Tilang" die "Study No. 7 an Eastern idiom" (Indian), während Masako Kamikawa, die an Hackbrettmusik erinnernde "Tariqa Nr. 1 – Studio No.4 in Eastern idiom" (Persian) in der ihr eigenen Art des leisen und gefühlsreichen Spiels vortrug. Dazwischen war Urs Weilenmann mit zwei wohlklingenden und meisterhaften Charakterstudien, den Impromptus in Ges-Dur und As-Dur, beide aus Franz Schuberts Opus 90, und Daniel Kasparian mit dem schnellen "Liebeswalzer" des Ukrainers Moritz Moszkowski, einem Vertreter der "Salonmusik", zu hören.

Die Besucher dankten Peter Feuchtwanger, William Cuthbertson und allen Meisterschülern mit langem und herzlichem Beifall.

Autor: Eberhard Weiss