Jubiläum des Kommunalen Kinos

Opulenter Geburtstag der "Klappe 11"

Karin Heiß

Von Karin Heiß

So, 27. September 2009 um 15:28 Uhr

Waldkirch

Mit zwei großen Veranstaltungen feierte der Verein Kommunales Kino "Klappe 11" am Wochenende sein elfjähriges Bestehen. Am Freitag gab es den eher offiziellen Teil, am Samstag eine Party im Stil der Zwanziger Jahre.

WALDKIRCH. Worte können kaum fassen, welch großartige Jubiläumsveranstaltungen das Team vom Kommunalen Kino Waldkirch "Klappe 11" für seinen elften Geburtstag am Wochenende auf die Beine gestellt hat und vollständig wiedergegeben werden kann es hier schon gar nicht. Wer’s erlebte, dürfte das unumwunden bezeugen. Der Einsatz und das große Engagement des "harten Kerns von zehn Leuten", wie Alexander Schoch, einer der drei Vorsitzenden, betonte, spiegelte sich formvollendet in jedem Detail der beiden Festabende.

Bernd Zickgraf lobt "Kino plus"

Jazzige Töne von "Sax ’n’ Hop", einem Bläser-Trio aus Freiburg, begleiteten den Sektempfang vor dem Kino im Jugendhaus Kollnau am Freitag. Drinnen gab es eine Ausstellung mit Einblicken in die Geschichte und Entwicklung der "Klappe 11". Der stellvertretende Bürgermeister Bernd Zickgraf vertrat den OB und verwies in seiner Laudatio auf das, was das Kommunale Kino in Waldkirch so besonders macht: Das Drumherum, was er als "Kino plus" bezeichnete.

Kein Mainstream

Das Programm selbst ist absichtlich kein "Mainstream", sondern eine penibel getroffene Auswahl qualitativ hochwertiger Filme, die in regulären Großkinos nicht immer die verdiente Beachtung finden, hinzu kommt an den Filmabenden "der liebevolle Service" der Vereinsmitglieder, der diese dann zu einem geselligen Erlebnis macht. Regelmäßig werden die Kinoabende ergänzt durch themenbezogene oder musikalische Beigaben. Das ermöglicht die jahrelange Kooperation des Klappe-11-Teams mit anderen Vereinen, Gruppen und Institutionen.

Kurzfilme junger Filmemacher

Die soziale Ausprägung ist immanent und zeigt sich darüber hinaus unter anderem in der Unterstützung junger Filmemacher. Zwei von ihnen bekamen an diesem Wochenende die Chance, ihre Kurzfilme zu präsentieren: Miriam Trost, die an der Kunst-PH Freiburg studiert, mit "Change in a bottle", der in Freiburg spielt, und Daniel Laufer mit "Kleinstadtkino", einer Verfilmung der Geschichte und der gegenwärtigen Arbeit der "Klappe 11". Die Culture-Flash-Komödie "Outsourced" war der Hauptfilm am Freitag. Beim Konzert von "Goschehobel" ging der Abend mit Party und Tanz zu Ende.

Mit Wasserwelle und Oldtimer

Der große Jubiläumsabend am folgenden Tag stand unter dem interessanten Motto "Die wilden 1920er Jahre" und zog zahlreiche passend gekleidete Gäste in die Kollnauer Festhalle, die ihre Erwartungen wohl vollauf befriedigt sahen. Perfekt inszeniert war alles, von A wie Ambiente (der nicht wieder zu erkennenden Räumlichkeit) bis Z wie Zeitreise zum Beginn der Filmgeschichte. Rot-schwarze Dekorationen, von Kerzenschein erleuchtet, vermittelten Bar-Atmosphäre, hinzu kamen Requisiten aller Art, die näheres Hinschauen verdienten, wie Bilder einstiger großer Schauspieler und eine historische Kamera. Vorgefahren wurden die Vereinsmitglieder mit Chauffeur in den aufsehenerregenden Edelkarossen vom Odtimer-Club in Gundelfingen. Über den roten Teppich ging es ins Foyer, wo Service-Mädchen mit gestärkten Häubchen an Büffet und Sektbar bereit standen.

Stuhltanz und Käferkrabbelei

Durch das außergewöhnliche Programm führten Martin Lunz und Petra Seitz vom Literarischen Theater Badenweiler und ergänzten es mit einigen witzigen Sketchen aus dem alltäglichen Miteinander von Frauen und Männern, damals und heute. William Cuthbertson, einer der Vorsitzenden, begleitete nicht nur den gezeigten Stummfilm von Harold Lloyd am Flügel, sondern auch die populären Chansons der 1920er, welche die Sängerin Carolin Kubacki aus Efringen-kirchen mit ihrer ausdrucksstarken und flexiblen Altstimme vortrug. Mit einem kabarettistischen Stuhltanz begrüßte das Klappe-11-Team das Publikum. Es folgte ein Schattentheaterstück, das Felicitas Adobatti, Regisseurin vom Waldkircher Kinder- und Jugendtheater, mit einigen Vereinsmitgliedern einstudiert hatte: "Max und Moritz" raubten Onkel Fritz mit allerhand Käferkrabbelei den wohlverdienten Schlaf.

Stummfilm von Bunuel und Dali

Tierisch, und für manch ein Auge eventuell zu makaber, ging es weiter. Doch einem surrealistischen Film sei das erlaubt: "Der andalusische Hund", ein Stummfilm von Louis Bunuel, für den Salvador Dali das Drehbuch schrieb, war 1929 der erste dieses Genres und erzielte viel Anerkennung, insbesondere hinsichtlich seiner künstlerischen Aspekte. Nach dem Programm wurde im großen Salon ausgiebig getanzt bis in die frühen Morgenstunden.