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14. März 2015

Reales oder wahres Leben

Die Fastenmeditation in Waldkirch beschäftigte sich mit dem garantierten Grundeinkommen.

  1. Der Platz des Referenten vor dem Fastentuch blieb bei der Fastenmeditation in Waldkirch leer, dennoch wurden einige Gedanken zum Thema Gerechtigkeit vorgetragen. Foto: Thomas Steimer

WALDKIRCH. Die zweite Fastenmeditation des Jahres 2015 in Waldkirch nahm einen etwas anderen Verlauf als geplant. Den Prediger – Johannes Stein, Bundespräses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) – ereilte die Grippe, so dass er nicht in die St.-Margarethen-Kirche kommen konnte. Auszüge aus der geplanten Predigt wurden jedoch von Pfarrer Heinz Vogel vorgetragen. Sie enthielten vor allem ein Plädoyer für das garantierte Grundeinkommen.

Der Tag habe wunderbar angefangen, doch dann erreichte ihn ein Anruf mit der Absage von Johannes Stein, erzählte Pfarrer Vogel. Also musste man improvisieren: Gemeinsam mit der ehrenamtlich in der Gemeinde tätigen Theologin Annette Traber sammelte Pfarrer Vogel zunächst Stimmen aus der Zuhörerschaft zum vorgetragenen Bibeltext und trug dann Gedanken zum Thema "Weinberg" in der Bibel vor. Ganz auf die Meditation Johannes Steins mussten die Anwesenden jedoch nicht verzichten, denn der Referent hatte Pfarrer Vogel einige Notizen per Mail zugeschickt, die dieser vortrug. Das Motto des Vortrags lautete "Vom realen zum wirklichen Leben. Die Ökonomie Gottes (Matthäus 20,1-16)."

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Grundlage war ein Gleichnis aus dem Matthäusevangelium: Ein Gutsherr wirbt Arbeiter für seinen Weinberg an; einige am frühen Morgen, andere zur dritten, sechsten, neunten und elften Stunde (ca. 9 Uhr, 12 Uhr usw.). Mit den zuerst Angeworbenen vereinbart er den üblichen Tageslohn: einen Denar. Doch am Abend zahlt er denen, die nur eine Stunde gearbeitet ebenfalls einen Denar aus. Diejenigen, die den ganzen Tag gearbeitet haben und nicht mehr erhalten als die anderen, beschweren sich. Der Gutsherr entgegnet, ihnen geschehe kein Unrecht, sie hätten das Vereinbarte bekommen und er selbst dürfe mit dem Geld, was ihm gehöre, großzügig sein.

Johannes Stein sieht darin einen Appell, das "reale Leben", das heißt die vorgefundene Situation, zum "wahren Leben" hin zu verändern. Das "wahre Leben" nennt Jesus auch das "Reich Gottes". In Fall des Gleichnisses vom Gutsherrn gleiche das reale dem wahren Leben sehr; es gäbe Arbeit, die getan werden müsse, einen Markt, individuelle Arbeitsleistung und so weiter. Doch im realen Leben gäbe es "Lohn nach Leistung", im wahren Leben des Gleichnisses dagegen "gleichen Lohn für alle".

Im wahren Leben solle es gerecht zugehen, die Grundbedürfnisse aller sollten befriedigt werden. Im vorliegenden Fall brauche ein Mensch einen Denar zum Überleben und den erhält er vom Gutsherrn, egal, wie viel er arbeitet. Für Johannes Stein heißt das: "Zwei Prinzipien also: Leistungslohn versus Bedarfslohn. Die Position Jesu ist eindeutig."

Und in die heutige Zeit übersetzt forderte der Präses der KAB: "Ein garantiertes Grundeinkommen muss her." Es sei finanzierbar. "Allerdings werden die oberen Zehntausend von ihrem Reichtum abgeben müssen. Das ist auf dem Weg vom realen zum wahren Leben unvermeidbar."

Autor: ths