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21. Februar 2014

Sozialwerk Breisgau erweitert seine betreuten Wohn- und Arbeitsbereiche in Waldkirch

Das Sozialwerk Breisgau erweitert seine betreuten Wohn- und Arbeitsbereiche in Waldkirch am Altersbach und in der Innenstadt.

  1. Im „Haus am Altersbach“ werden 27 neue Arbeitsplätze für Menschen mit hohem Hilfe- und Ruhebedarf realisiert. Das Gebäude ist fast bezugsfertig. Foto: Gabriele Zahn

WALDKIRCH. Das gemeinnützige Sozialwerk Breisgau, die Trägergesellschaft der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft "Am Bruckwald", erweitert ihre Angebote in Waldkirch: Das "Haus am Altersbach" steht kurz vor der Bezugsfertigkeit. Die neu angemieteten oberen drei Stockwerke des ehemaligen Gasthauses "Krone" in der Innenstadt von Waldkirch sind im Innenausbau.

Das Sozialwerk Breisgau betreibt schon seit vielen Jahren die Politik der Inklusion. In Waldkirch wurde 1994 erstmals die "Villa Blaue Blume", eine Stadthausgemeinschaft in der Merklinstraße, eingerichtet. Es folgten die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft "Am Bruckwald", die Stadthausgemeinschaft "Arche" und das "Haus Unserer Lieben Frau". Geschäftsführer Michael Danner von Wilpert berichtet, dass die Nachfrage nach Wohnplätzen und nach Arbeitsplätzen groß sei. Dabei soll jeder so leben können, wie er ist. Deshalb wurde überlegt, welche Wohnformen für Menschen mit Hilfebedarf geeignet sind und welche dieser Wohnformen den Rechten von Menschen mit Behinderung einer gleichberechtigten Teilnahme an der Gesellschaft gerecht werden.

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Bei der Suche nach einem geeigneten Objekt legten Danner und Heimleiter Christian Schreiber Wert darauf, die neuen Wohngemeinschaften noch näher ins Zentrum der Stadt zu bringen. "Wir sind selbst auf den Investor des Areals Krone zugegangen", berichtet Danner von Wilpert. Baulich habe das Objekt an die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Hilfebedarf angepasst werden müssen. Das sei schwierig gewesen. Unter anderem haben die Heimbauverordnung und der dafür entsprechende Brandschutz eingehalten werden müssen, sagte Schreiber. Erst seit vergangenem Jahr gebe es die rechtliche Sicherheit des Trägers und des Investors, dass im neuen Gebäude "Alte Krone" an der Lange Straße Wohnformen für Menschen mit Hilfebedarf realisiert werden können.

Das Sozialwerk Breisgau mietet dort drei Geschosse an. Im ersten Obergeschoss wird es eine Gemeinschaft mit ambulant betreutem Wohnen geben. Bei dieser Wohnform können Menschen mit geringem Hilfebedarf selbstständig und eigenverantwortlich leben und erhalten dabei eine auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Unterstützung. Im zweiten Obergeschoss und im Dachgeschoss werden Menschen stationär betreut wohnen, das heißt, sie planen ihren Alltag selbstbestimmt und eigenverantwortlich.

"Waldkirch wurde als

inklusive Stadt ausgezeichnet – wir leisten unseren

Beitrag dazu."

Michael Danner von Wilpert
Dabei werden sie auf ihrem Weg zu einem selbstständigeren Leben von einem Mitarbeiter des Sozialwerks Breisgau begleitet und unterstützt. "Das Objekt ist komplett barrierefrei", sagte Schreiber, so dass dort auch Rollstuhlfahrer wohnen können und werden. Die Menschen, die in der "Alten Krone" wohnen werden, werden das Stadtbild bereichern und die Bürger fordern, prophezeite Danner von Wilpert. Waldkirch wurde als inklusive Stadt mit dem Paul-Lechler-Preis ausgezeichnet – "Wir leisten unseren Beitrag dazu."

Neben dem Bedarf an mehr Wohnplätzen ist auch der Bedarf groß an mehr Arbeitsplätzen für Menschen mit hohem Hilfe- und Ruhebedarf. Erste Gespräche für die Erweiterung des Werkstattbereichs am Bruckwald wurden bereits 2006 geführt, zwei Jahre später wurde die Erweiterung genehmigt. Im Herbst 2012 konnte mit dem Bau im angrenzenden Gewerbegebiet Bruckwald begonnen werden. Jetzt ist das Gebäude "Haus am Altersbach" fast bezugsfertig.

Im Alltag werde deutlich, dass bei den älter werdenden Menschen der Bedarf an Therapie und an Ruhe stetig zunehme, sagte Schreiber. Um die Lebenskräfte der Menschen zu erhalten, werde es deshalb im Dachgeschoss des "Hauses am Altersbach" einen Pflege- und Therapiebereich geben. Im mittleren und unteren Geschoss werden 27 neue Arbeitsplätze realisiert für Menschen, die schon in der Bruckwald-Gemeinschaft wohnen.

Für die Menschen, die einen ruhigeren Arbeitsprozess brauchen, werden im mittleren Geschoss eine Kerzenwerkstatt und im unteren Geschoss eine Seifenwerkstatt eingerichtet. Neben der Kerzenwerkstatt gibt es einen Gemeinschafts- und Ruheraum, in dem gemeinsam gegessen wird und auch Essen zubereitet werden kann. Im unteren Geschoss wird es zusätzlich einen Bildungsbereich geben, in dem die Menschen mit hohem Hilfebedarf die Chance haben, lebenslang zu lernen. Die Lerngruppen werden homogen, aber auch gemischt sein, damit – entsprechend dem Gedanken der Inklusion – die Schwächeren von den Stärkeren lernen können. Der Bildungsbereich biete aber auch die Möglichkeit, Filmabende zu veranstalten. Neben dem Gebäude ist ein abgeschirmter geräumiger Platz angelegt für einen entspannenden Aufenthalt im Freien. Die Findlinge, mit denen die Böschung gestaltet ist, stammen vom Grundstück. Schon jetzt vermittelt der dieser Platz Geborgenheit. Die Bepflanzung wird im Frühjahr erfolgen.

Autor: Gabriele Zahn