Spiel mit Raum und Architektur in Metropolen

Helmut Rothermel

Von Helmut Rothermel

Do, 07. Juni 2018

Waldkirch

Ausstellung der Australierin Cath Brophy im Georg-Scholz-Haus.

WALDKIRCH. Vom beschaulichen Waldkirch aus betrachtet scheint das quirlige Leben in Megastädten wie Istanbul, London oder Hongkong mit ihren riesigen Bauten wie aus einer anderen Welt. Die australische, heute in Zürich lebende Künstlerin Cath Brophy hat längere Zeit in den drei genannten Metropolen gelebt und präsentiert nun im Georg-Scholz-Haus mit einer Auswahl ihrer Arbeiten aus den letzten acht Jahren ihre Eindrücke von den dortigen Stadtlandschaften.

Ausgangspunkt der gezeigten Werke sind architektonische Beobachtungsstudien, oftmals mit der Kamera eingefangenen, aus denen sie ihre eigenen Kompositionen entwickelt. Diese werden ausgearbeitet als schwarz-weiße Kohlezeichnungen oder auch teils farbige Collagen aus verschiedenen Materialien.

In ihrem Heimatland Australien hat die Landschaftsmalerei eine große Tradition und auch sie habe sich ursprünglich mit Naturformen beschäftigt, erzählt Brophy. Während ihres Aufenthalts in Hongkong sei sie dann in die Welt des gewaltigen, schwindelerregenden Dschungels von Hochhäusern eingetaucht, die Millionen von Menschen auf engstem Raum eine Heimat geben. Beim Leben und Arbeiten in dieser Stadt entwickelte sie ihre Faszination für die kontrastreichen Stile der dortigen Architektur. In der künstlerischen Arbeit gehe es ihr aber nicht um eine fotorealistische Abbildung des Gesehenen. Vielmehr spielt sie mit ihrer Wahrnehmung von gebautem Raum; in einem Prozess von Destruktion und Neukonstruktion entstehen subjektive Impressionen. "Reconfigured" ist denn auch der Titel der Ausstellung.

Vom realen Vorbild zur abstrakten Impression

Mit ihrer Umstrukturierung von Gebäuden möchte sie beim Betrachter Spannung erzeugen. Es entsteht einerseits der Wunsch, in das abgebildete, offene Gebäude einzutreten. Andererseits wird das Vergebliche dieses Ansinnens schnell deutlich, denn es findet sich kein Eingang, das ganze scheint ein Labyrinth. Perspektivische Unmöglichkeiten, die an die Bilder M.C. Eschers erinnern, verwirren die Wahrnehmung. Zwei Bilder sind in einem übereinander geschichtet, verschiedene Perspektiven in einem Bild zusammengefügt. Das Ganze basiert auf der Realität, entwickelt dann aber ein Eigenleben verschiedener Abstraktionsgrade. Das Spannungsfeld zwischen beschreibender und freier Kunst wird tief ausgelotet. "Labyrinth" ist auch der Titel des rund drei auf drei Meter großen, in Mischtechnik auf Papier geschaffenen Werkes, das den Abschluss eines Ausstellungsrundganges bildet und in dem Brophy so etwas wie die Quintessenz ihres Schaffens sieht. Die erwähnte Unmöglichkeit des völligen Eintauchens und Eintretens spiegelt für Brophy das eigene Grundgefühl einer Spannung zwischen gewordener Heimat und gebliebener Fremdheit wider, das schon aber noch nicht ganz Dazugehören in der Heimat auf Zeit.

Hongkong ist aber nicht nur Megacity, es gibt daneben Überbleibsel aus der ländlichen Vergangenheit traditioneller Dorfgemeinschaften wie Fan Ling. Viele Bewohner leben dort noch in niedrig gebauten, althergebrachten Häusern, die mehrere Generationen einer Familien beherbergen. Das Foto eines dieser Häuser ist in der Ausstellung zu sehen. Ihre simple, symmetrische Struktur ist Inspirationsquelle für eine Reihe von Giclée-Drucken. Traditionelle chinesische Dekorationselemente sind dabei abgeleitet von Kachelmustern, Gittern und Zäunen, die den Häusern des Dorfes ihre eigene Persönlichkeit geben.

Auf einem täglich über mehrere Monate angefertigten Skizzenbuch basieren kleinformatige Collagen, die Ideen für die großformatigen Architekturbilder liefern. Neben die vielen Arbeiten, die aus Kombinationen von Rechtecken und Kuben bestehen und Türen, Brücken und Treppenhäuser zeigen, treten Bögen, geschwungene und gewölbte Formen. Ein Werk interpretiert die facettenreiche maurische Architektur der Alhambra in Granada.

Die Ausstellung "Cath Brophy – Reconfigured" ist vom 10. Juni bis 15. Juli zu sehen. Vernissage ist am Sonntag, 10. Juni, um 11 Uhr. Öffnungszeiten sind: Freitag und Samstag 15 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 16 Uhr.

Im Begleitprogramm gibt es am Montag, 11. Juni, um 20 Uhr, die Gelegenheit zu einem Kunstgespräch mit Cath Brophy. Als Beitrag zu den Waldkircher Heimattagen veranstaltet das Kunstforum am Sonntag, 17. Juni, ab 11 Uhr, ein Sommerfest, bei dem das bekannte Freiburger Heim- und Fluchtorchester auftritt. Mehr Infos: http://www.georg-scholz-haus.de