"Stadtteildetektive" raten Räten

Sylvia Timm

Von Sylvia Timm

Fr, 16. Juli 2010

Waldkirch

Teilnehmer an Kinder-Politikbeteiligungsprojekt stellten ihre Arbeitsergebnisse in der Ortschaftsratssitzung Kollnau vor .

WALDKIRCH. Wie kann man Kinder schon frühzeitig für Politik interessieren, sie in politische Prozesse einbinden und vielleicht sogar Grundlagen für späteres Engagement legen? Diesen Fragen folgt derzeit ein Projekt zur Kinder-Politikbeteiligung in Waldkirch. Viertklässler aus Kollnau waren als "Stadtteildetektive" unterwegs und stellten ihre Ergebnisse jetzt den Ortschaftsräten vor.

Aufgeregt nahm eine ganze Schulklasse im Bürgersaal des Kollnauer Rathauses Platz, denn schließlich stand Großes bevor: Die Erwachsenen hatten angekündigt, dass sie ihnen zuhören wollen. An Stellwänden konnte man die Arbeitsergebnisse – gewonnen in mehreren Stadtteilrundgängen, vertieft im Unterricht und diskutiert in großer Runde im Haus der Jugend – bereits vor der Sitzung ansehen. Aber aus dem Mund der Kinder klang alles noch viel authentischer.

Artig begrüßten die Schüler die Räte mit "Guten Abend meine Damen und Herren" und wählten auch sonst gepflegte Worte wie Hundekot statt Hundekacke – und die haben sie bei ihren Rundgängen massenhaft gefunden. Ihr Wunsch: Mehr Hundebeutelspender für die Gassi gehenden Herrchen und Frauchen. Aber auch Spielmöglichkeiten fanden die Kinder in Kollnau etliche: Die Spielplätze am Ebertle, am "Waldhaus", hinter der St.-Josef-Kirche (Neue Häuser), hinter ihren Wohnhäusern in der Friedrichstraße oder im Schwimmbad und auch dem Gummiplatz. Für die Rückfront der Georg-Schindler-Halle (in Richtung Gummiplatz) wünschen sie sich eine Übermalung oder mindestens das Entfernen von Graffities, denn "da stehen so viele unschöne Dinge drauf". Ein Viertklässler schlug später in der Diskussionsrunde vor, vielleicht die Jugendlichen, die die Wand voll geschmiert haben, das machen zu lassen, eventuell mit schönen Graffities. Andere Kinder äußerten, vor allem zum Müll auf öffentlichen Plätzen, schon ähnlich resignative Gedanken wie Erwachsene: "Was soll das bringen das aufzuräumen, am nächsten Tag sieht es wieder so aus". Einer schlug vor "Man könnte ja die Polizei holen und die nehmen die (Schmutzfinken) dann fest mit Handschellen, damit sie einen richtigen Schreck bekommen."

So weit soll’s natürlich nicht gleich kommen, aber dem Vorschlag an die Ortschaftsräte, "mal mitzukommen und sich alles zeigen zu lassen" und auch mal mit Jugendlichen zu reden ("wenn wir das machen, dann beleidigen die uns") konnten die Räte folgen. Barbara Thien (FW) sagte, sie würde gern mit den Kindern am ersten Ferientag eine Müllsammelaktion in Kollnau machen. Auch der Vorschlag, im Schwimmbad mit Farbe einiges zu verschönern, kam an: Das sei eine gute Idee, stellte der extra fürs Kinderprojekt an der Ortschaftsratssitzung teilnehmende OB Richard Leibinger fest. Er dankte den Kindern und auch den erwachsenen Beteiligten für ihr Engagement und schlug vor, nun einen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten. Reinhard Eble (FW) will, dass schon in der nächsten Sitzung darüber geredet werden soll und vielleicht könnte man ältere Schüler einbeziehen, zum Beispiel für Spielplatzpatenschaften. Ganz offensichtlich sind die Vorschläge der Kinder auf offene Ohren gestoßen und dem vom letzten vortragenden Jungen abschließend gesagten "Ende" folgt schon bald konkrete Ortsteilpolitik.