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28. Januar 2014

Tänzerische Leichtigkeit und elegische Momente

William Cuthbertson und Weimo Gao bringen in Waldkirch Altmeister Bach zu Gehör – aber auch ein chinesisches Wiegenlied.

  1. Weimo Gao und William Cuthbertson Foto: Hildegard Karig

WALDKIRCH. Das Neujahrskonzert der Waldkircher Orgelstiftung mit dem Waldkircher Pianisten William Cuthbertson und der jungen chinesischen Cellistin Weimo Gao aus Shanghai wurde für die Besucher am Sonntagmorgen zu einem gelungenen Auftakt der diesjährigen Veranstaltungen im Orgelbauersaal. Ein Mix aus Solo- und Duoauftritten stellte bekannte und gänzlich unbekannte Werke gegenüber.

Am Anfang des Programms stand die Solosuite Nr. 3 für Violoncello von Johann Sebastian Bach. Seine Solosuiten wurden lange Zeit als Lehrstücke abgetan und erfuhren erst mit den legendären Interpretationen durch Pablo Casals Aufnahme in die Konzertprogramme fast jedes Cellisten. Es war mutig von Weimo Gao, sich gleich zu Beginn mit der Suite Nr. 3 zu präsentieren, in der es nur sie, ihr Spiel und die Musik Bachs gibt.

Die junge Cellistin, seit vier Jahren Schülerin von Christoph Henkel, Professor an der Freiburger Musikhochschule, stellte sich der Herausforderung, die dieser höchst anspruchsvolle musikalische Monolog für jeden Interpreten bedeutet und gewann mit jedem Satz mehr an Sicherheit und Ausdruckskraft. Die Bourrée I spielte sie mit der tänzerischen Leichtigkeit, die diesem Stück innewohnt und es für Cellisten als Zugabe so attraktiv und bekannt hat werden lassen.

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Mit der "Plauderei", einem Stück für Klavier solo des russisch-französischen Komponisten César Cui, wurde eine Reihe von Salonstückchen eröffnet. William Cuthbertson agierte ein weiteres Mal als wandlungsreicher Pianist: als zuverlässiger Begleiter wie solistisch nach der Pause in den beiden Nocturnes op.15 von Chopin. Das "romantische Stück" der chinesischen Komponistin Liu Zhuang, das "Wiegenlied" von Xu Xiyi (mitgebracht von Weimo Gao und mit keiner weiteren Information zu belegen) und "3 kleine Stücke", von Cuthbertson extra für Weimo Gao komponiert, zeigten das Miteinander von Cello und Klavier an Petitessen verschiedenster Stimmungen, die erstaunlich europäisch orientiert waren. Mit den "Rokoko-Variationen" von Tschaikowski war ein Werk ins Programm aufgenommen, welches für Cellisten zu den technisch anspruchvollsten zählt.

Extreme Beweglichkeit und Leichtigkeit im Spiel und gleichzeitig ein berückender gesanglicher Ausdruck in den ruhigeren Variationen: Weimo Gao spielte die elegischen Momente klangschön aus und setzte mit großer Sicherheit und Ruhe eine technische Virtuosität ein, die faszinierte. Tschaikowski hatte mit diesen Variationen, im Original für Cello und Orchester, ein weiteres Beispiel für seine Instrumentationskunst gegeben. Gerade in den Anfangstakten ist das Gegenüber von Bläsern und warmen Celloklang besonders klangschön. Mit einem Klavierauszug müssen immer Einbußen in Kauf genommen werden, in dieser Spielart der beiden Interpreten ergab sich dennoch eine lohnende Begegnung mit einem großen Werk.

Der begeisterte Beifall wurde mit der Interpretation des "Schwan" aus dem Karneval der Tiere von Camille Saint-Saens beantwortet. Noch eine Gelegenheit für die Cellistin zu schmelzenden, vollen Celloklängen. Eine Zugabe der besonderen Art ergab sich durch den Geburtstag von Cuthbertson: Auf Anregung von Wolfgang Brommer sangen alle Zuhörer zum Schluss ein Ständchen, für dessen Begleitung auch eine Drehorgel mit ins Spiel gebracht wurde.

Autor: Hildegard Karig