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22. Oktober 2014

Von Liebeslust und Liebesleid

WALDKIRCHER KULTURWOCHEN: Facettenreiches Konzert im Orgelbauersaal.

  1. Frauke Hofmann (Mezzosopran) und Pianist Wlliam Cuthbertson im Orgelbauersaal mit „I feel pretty“ aus der West Side Story Foto: Hildegard Karig

WALDKIRCH. Die große Opernbühne, das jiddische Ghetto oder die englische Renaissance – all das hat Sängerin Frauke Hofmann am Sonntagmorgen in den Waldkircher Orgelbauersaal geholt. Sie wusste von einem Stück zum nächsten intensiv die jeweiligen Stimmungen einzufangen. Begleitet hat Hofmann William Cuthbertson am Klavier. Etwa 30 Zuhörer kamen in den Genuss einer "musikalischen Liebeszeitreise", für die die familiäre Atmosphäre des Orgelbauersaals ein optimales Ambiente darstellte. Die Zuhörer waren nah dran an den verschiedenen Facetten der Liebe, an der gestaltenden Gestik und Mimik der Sängerin, an den virtuosen Einschüben des Pianisten und nicht zuletzt an der humorvollen und sehr informativen Moderation beider Künstler.

Die Führung durch das Programm war gespickt mit Geschichte und Geschichten rund um die Liebe. Es wurde in der ausgewählten Musikliteratur deutlich, mit wie viel Kenntnis und Sorgfalt das Programm zusammengestellt war. Klassiker aus verschiedenen Epochen, aus Oper, Musical, dem Liedschaffen und der Klaviermusik erzählten von der Liebe und den damit einhergehenden Gefühlen. Himmelhochjauchzend bis zum Tode betrübt, Liebeslust und Liebesleid, Melancholie, deftiger Zorn und verhaltene Sehnsucht – alles war gegeben und mit viel Können, Verve und auch Ironie wiedergegeben.

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Frauke Hofmann machte sich die Eigenheiten der Sprachen, in der sie die verschiedenen Nummern sang, gesangstechnisch zunutze. Ihre Verständlichkeit war optimal und ihre ausdrucksvolle, kultivierte Stimme, gepaart mit schauspielerischer Bereitschaft und kleinen inszenatorischen Mitteln wie Schal und Trenchcoat ließen die Interpretationen überaus lebendig werden.

Jeder Zuhörer konnte sicherlich ein für ihn stimmigstes Stück bezogen auf die Liebe mitnehmen. Gesang und Klavier schienen sich gegenseitig zu beflügeln, William Cuthbertson agierte als Begleiter sorgfältig und empathisch. In den Solostücken und in seinen Moderationen zeigten sich Kenntnis der Literatur und pianistisches Können gleichermaßen.

Der weite Bogen, den Sängerin und Pianist vom "Come again" eines John Dowland für den Puristen bis hin zum "Je ne regrette rien" einer Edith Piaf für den Melancholiker schlugen, geriet lebendig und ausdrucksstark.

Autor: Hildegard Karig