Krippendorf

Warum Bamlach alle fünf Jahre zum Bethlehem Südbadens wird

Theresa Steudel

Von Theresa Steudel

So, 16. Dezember 2018 um 13:56 Uhr

Bad Bellingen

Der Sonntag Alle fünf Jahre verwandelt sich Bamlach bei Bad Bellingen in eine große Krippenausstellung. Noch am heutigen Sonntag können fast 90 Krippen aus allen Ecken der Welt bestaunt werden.

Fünf Minuten vor Austellungseröffnung marschiert Markus Bächlin schnellen Schrittes den Bückleweg in Bamlach entlang, der heute Krippenweg heißt. Er geht vorbei an offenen Garagen- und Scheunentoren oder Fenstern, in denen Bewohner Kirchenkrippen aufgestellt haben, weiter Richtung Gemeindehalle. Bächlin ist Mitglied der Kolping-Familie, die diese Ausstellung auf die Beine stellt, und einer der Hauptorganisatoren. Er grinst und sagt aufgeregt: "Das große Event beginnt."

Seit dem ersten Adventswochenende ist das Dorf auf den Beinen, um die nur alle fünf Jahre stattfindende Ausstellung vorzubereiten. An die 300 Ehrenamtliche sind im Einsatz. Dazu kommen die Helfer während der einjährigen Vorbereitung. Und die Offenburger Krippenfreunde, Personen aus Waldkirch, den Bad Bellinger Ortsteilen und anderen Ecken Südbadens, die an die 70 Krippen in die Gemeindehalle gebracht und alle Figuren aufgestellt haben.

Bächlin führt durch die Ausstellung und rät, auf Details zu achten. Zum Beispiel bei der kleinen Schwarzwaldkrippe. Der Krippenbauer aus Waldkirch habe darum gebeten, dass das Christkind noch nicht in die Krippe kommt. Schließlich ist noch nicht Weihnachten. Und tatsächlich – Maria hält eine leere Windel. Und Josef, mit Brett in der Hand, steht neben einer Werkzeugbank, um die Krippe erst noch zu zimmern.

In der Halle stehen Krippen aus Mexiko, dem Kongo, die älteste kommt aus Kolumbien. Ihre Figuren stammen wohl aus dem 18. Jahrhundert. Bächlin findet es faszinierend, wie verschieden die weltbekannte Szene interpretiert wird. Nicht nur die Materialien ändern sich – Holz, Blech, Stoff, Filz, Stein –, sondern auch die Arten der Krippen – Stall-, Tempel-, Wurzel- und die Kastenkrippe mit ihrer beeindruckenden Tiefe.

Manchmal wählt der Krippenbauer eine ganz andere Szene. Bächlin deutet auf eine Kulisse, welche die Familie auf der Flucht vor Herodes nach Ägypten zeigt. Auf der anderen Seite des Raumes steht zwischen dem Jesuskind und den Heiligen Drei Königen eine große Holzwand. Diese stelle die achteinhalb Meter hohe Mauer in Bethlehem dar, die heute zwischen Israel und der Westbank steht. Die Kolping-Familie unterstützt ein Kinderkrankenhaus in Bethlehem, zu diesem Zweck wurde die Krippe erbaut, erklärt Bächlin. "Heute würden die Drei Könige nicht mal mehr zum Kind finden."

Man soll nachdenken. Innehalten. "Wir wollen einen Gegenpol bilden zu all den Weihnachtsmärkten, bei denen es nur ums Essen geht", sagt Bächlin. Bei den Besuchern kommt das gut an. Das Ehepaar Brendle aus Heitersheim war schon ein paar Mal da und entdeckt trotzdem jedes Mal etwas Neues. Sie besuchen auch andere Krippenausstellungen in der Region, zum Beispiel in Münstertal – auch, um Anregungen für die eigene Krippe zu bekommen.

Inzwischen ist es kurz vor 17 Uhr: Zeit für das stündliche Krippenspiel. Markus Bächlin läuft wieder den Krippenweg entlang, zur Kirche, wo das Spiel aufgeführt wird. Dafür hat Bamlach nicht nur extra einen Stall gebaut, Esel, Kuh und Schafe organisiert – sondern auch mehr als 15 Säuglinge, die abwechselnd das Jesuskind spielen. Auch alle anderen Figuren werden von Kindern und Jugendlichen dargestellt. "Es lohnt sich", sagt Bächlin mit einem Augenzwinkern.
Bamlacher Krippendorf Sonntag, 16. Dezember, von 11 bis 19 Uhr. Eintritt 4 Euro, der Krippenweg kann gratis besucht werden.