"Alles andere ist Aquarium"

kf

Von kf

Di, 04. März 2014

Wehr

BZ-INTERVIEW mit Jurek Majkowski, der in Wehr seit zehn Jahren eine Tauchschule betreibt und jetzt auch Tauchen im Rhein lehrt.

WEHR. Eine Tauchschule in Wehr? Was wie ein Widerspruch klingt, ist seit zehn Jahren das Geschäftsmodell von Jurek Majkowski. Der 53-Jährige betreibt die Tauchschule Aquaplus und möchte jetzt auch den Rhein als Tauchrevier erschließen. BZ-Mitarbeiter Jörn Kerckhoff sprach mit ihm über das Tauchen in Flüssen und Seen und über versunkene Streifenwagen.

BZ: Bei dem Wort Tauchschule denken die meisten an Strand, blaues Meer und Korallen und nicht an den Schwarzwald. Wo haben Sie ihre Schule?

Majkowski: Am Schluchsee. Dort ist das Wasser dunkel und die Sichtweite maximal neun Meter. Aber die Mystik des Sees treibt die Leute zu uns. Wer im Schluchsee das Tauchen gelernt hat, der lacht immer über andere Tauchreviere. Alles andere ist Aquarium. Wer im Schluchsee tauchen kann, für den ist alles andere ein Spaziergang. Die Leute kommen auch zu den fortführenden Kursen immer wieder zu uns, das ist der beste Beleg dafür, wie besonders der See ist.
BZ: Ist der Schluchsee nicht eine ziemlich trübe Brühe?

Majkowski: Der Schluchsee ist dunkel, aber nicht trüb. Genau das macht ihn aus. Es gibt viele Felsen, Bäume und Wurzeln und für die fortgeschrittenen Taucher, die alte Staumauer. Das macht die Tauchgänge sehr mystisch.

BZ: Was macht für Sie persönlich den Reiz am Tauchen aus?

Majkowski: Die Stille. Keiner redet und ich höre nur die ausgeatmeten Luftblasen. Und dann natürlich das Schweben. Das ist wie in dem Lied von Reinhard Mey. Dort heißt es "Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein". Genauso ist es beim Tauchen auch. Trotz der schweren Ausrüstung fühlt man sich ganz leicht. Aber privat bin ich schon lange nicht mehr zum Tauchen gekommen, das ist der Preis, den man als Tauchlehrer zahlt. Bei der Ausbildung sind es die Problemkinder, die den Reiz ausmachen. Wenn man sieht, wie sich diese von Tauchgang zu Tauchgang entwickeln, ist das eine tolle Sache.

BZ: Sie bieten neuerdings auch Kurse zum Tauchen in Flüssen und Strömungen an. Worauf kommt es dabei an?

Majkowski: Auf die Planung. Das Verzaskatal im Tessin ist eines der schönsten Tauchgebiete. Dort taucht man mit der Strömung unter einer Brücke durch. Man muss die Kräfte richtig einteilen, damit man den Weg zurück schafft. Auch im Rhein will man ja nicht irgendwann im Rechen des nächsten Kraftwerks hängen bleiben. Deswegen gehört zu diesen Tauchgängen eine ganz genaue Planung; sie ist in der Ausbildung sehr wichtig.
BZ: Im Rhein bei Bad Säckingen wartet immer noch ein Streifenwagen der Polizei darauf, entdeckt und geborgen zu werden. Haben Sie schon einen Tauchgang zur Suche unternommen?

Majkowski: Nein, bisher wusste ich gar nichts davon. Das muss man uns nur sagen. Wir sind in unserer Tauchschule ja auch Experten für Strömungen. Ich schätze mal, dass der Wagen inzwischen sicher schon bis Wallbach getrieben ist, aber das kommt auf viele Faktoren an. So einen Tauchgang kann man planen. Das wäre eine Herausforderung, wir machen das.

Zur Person: Jurek Majkowski (53) lebt in Wehr, ist ausgebildeter Tauchlehrer und leitet seit zehn Jahren die Tauchschule Aquaplus Wehr, deren Basis am Schluchsee ist.