Polizeieinsatz

Eine Bombenattrappe hat die Innenstadt von Wehr lahmgelegt

Felix Held, Erika Bader

Von Felix Held & Erika Bader

Fr, 11. Mai 2018 um 10:54 Uhr

Wehr

In Wehr gab es am Freitag einen größeren Polizeieinsatz. Auslöser war ein verdächtiger Koffer vor einem Dönerladen. Er entpuppte sich jedoch als Attrappe. Die Innenstadt war stundenlang lahmgelegt.

[aktualisiert um 17.15 Uhr]

Eine Bombenattrappe hat die Wehrer Innenstadt für Stunden lahmgelegt. Die Hauptstraße blieb am gestrigen Freitag stundenlang für den Verkehr und Passanten gesperrt. Ein auffälliger Koffer mit herausstehenden Kabeln sorgte gegen 9.30 Uhr für einen Großeinsatz der Polizei. Erst gegen 13.30 Uhr gab es Entwarnung: Die Kofferbombe war nur eine Attrappe.

Der Besitzer eines Dönerimbisses an der Hauptstraße hatte die Polizei alarmiert, als er am Morgen sein Geschäft eröffnen wollte und vor der Ladentür den verdächtigen Koffer erblickte. Da die Beamten des Wehrer Polizeipostens aus Sicherheitsgründen nicht in den Koffer hineinblicken konnten, wurden die Bombenentschärfer der Polizei angefordert. Kollegen aus Bad Säckingen und Schopfheim rückten zur Verstärkung an – insgesamt waren mehr als 50 Polizeibeamte vor Ort und sperrten die Hauptstraße ab. Die Feuerwehr Wehr rückte unterstützend ebenfalls an. 500 Meter im Umkreis der vermeintlichen Kofferbombe und zwei Häuserreihen an der Hauptstraße wurden evakuiert.



Etwa 200 Bewohner mussten innerhalb kürzester Zeit ihre Häuser verlassen. "Manche Bewohner waren etwas missmutig, als wir sie aufgefordert haben, ihre Wohnung zu verlassen, aber das ist irgendwie auch verständlich", sagte Mathias Albicker, Pressesprecher der Polizei Waldshut, im Gespräch mit der BZ vor Ort. In einem Fall musste das DRK helfend eingreifen, da ein Bewohner nicht in der Lage war, eigenständig die Treppe hinabzugehen. Eugen Mulflur, zweiter Stellvertreter des Bürgermeisters, war sofort zur Stelle. Er organisierte gemeinsam mit der Stadt, dass die Stadthalle als Notunterkunft geöffnet wurde und stellte Getränke für die betroffenen Anwohner bereit. Stadtbaumeister Helmut Wunderle erklärte, dass die Stadt für das Organisatorische und die Logistik verantwortlich sei – so habe man dabei geholfen, die Hauptstraße mehrfach abzusperren.

Die Bombenentschärfer
Grund für die lange Sperrung der Hauptstraße war, dass die Entschärfer der Polizei erst von Stuttgart mit dem Auto nach Wehr fahren mussten. Ein schnelleres Eintreffen sei nicht möglich gewesen, da die schweren Gerätschaften, wie Roboter und Röntgengerät, nicht mit einem Helikopter transportiert werden können. So kämpfte sich die Spezialeinheit mit Blaulicht und Sirene durch den Verkehr am Brückentag, wie Mathias Albicker verdeutlichte.

Vor Ort stellten die Fachleute fest, dass die vermeintliche Bombe nur eine Attrappe war. Was genau sich im Koffer befand, dazu machte die Polizei keine Angeben. "Das ist explizites Täterwissen. Jetzt geht es erst einmal darum, die Spuren zu sichern", machte Albicker deutlich. Und weiter: "Hier hat es jemand bewusst darauf angelegt, einen Polizeieinsatz zu provozieren." Eine Bombe vorzutäuschen oder auch nur eine Androhung zu machen, das sei eine schwere Straftat. "Da werden alle Register gezogen", so Mathias Albicker. Laut Albicker gebe es solche Drohungen normalerweise eher im Bereich von Bahnhöfen, deswegen sei dieser Fall ungewöhnlich. Bei der Erstbefragung durch die Polizei habe der Inhaber des Imbisses angegeben, dass ihm so etwas noch nie passiert sei und er bisher auch nicht mit Anfeindungen zu kämpfen gehabt habe. Mathias Albicker lobte das Verhalten des Besitzers. Der habe mit dem Absetzen des Notrufs alles richtig gemacht und genau richtig reagiert, dass er nicht den Koffer geöffnet habe, um hineinzublicken.

Geschäfte mussten schließen
Die Geschäfte in der Sperrzone mussten allesamt während des Einsatzes geschlossen werden. Mirco Ranauda, der an der Hauptstraße in einem Tattoo-Studio arbeitet, zeigte Verständnis für den Polizeieinsatz, ärgerte sich aber über die wirtschaftlichen Einbußen, die dieser bedeutete. "Wir hätten heute eigentlich einen Großauftrag in unserem Geschäft gehabt. Vier Tätowierer wären heute zehn Stunden beschäftigt gewesen. Für uns bedeutet das einen Tagesausfall, da entfallen 800 bis 1000 Euro pro Tätowierer", macht Ranauda den wirtschaftlichen Verlust für die betroffenen Händler an der Hauptstraße deutlich.

Bei der direkt an den Sperrbezirk angrenzenden Talschule lief der Unterricht hingegen wie gewohnt weiter. "Die Lehrer wurden von uns informiert. Nach Schulschluss sollen die Kinder einfach nicht über die Hauptstraße nach Hause gehen", erklärte Eugen Mulflur. Die Wehrerin Christa Dimara hatte über soziale Netzwerke von dem Großeinsatz in der Innenstadt erfahren und kam an die Talschule, um ihre neunjährige Tochter nach Unterrichtsende abzuholen: "Ich mache mir keine Sorgen, hier wurde alles so schnell abgesperrt, das zeigt mir, dass sich hier um die Sicherheit gekümmert wird", sagte die Mutter.

Die weiträumige Sperrung sorgte dafür, dass die Bürger keinen Blick auf die Attrappe werfen konnten. Zudem blieb der Bereich um den Dönerimbiss noch einige Zeit abgesperrt, damit die Beamten der Kriminalpolizei noch mögliche Spuren sichern konnten. Die Stimmung in der Stadt blieb während des gesamten Vormittags gelassen und ruhig.