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11. Januar 2013

20:16 für Laguna – das waren noch Zeiten

Vor 30 Jahren scheiterte im Weiler Gemeinderat der letzte Versuch, den Bau des Freizeitbades im Nonnenholz doch noch zu verhindern.

  1. 1957: Am Freibad hängt das Herz der Weiler. Der alte Eingangstrakt verschwand schon beim Bau des Laguna 1983/84, derzeit wird nun auch das Becken auf die Hälfte verkleinert (siehe Bild links oben). Foto: Stadtarchiv

  2. 2013: Frei- und Hallenbad werden saniert. Foto: Meyer

  3. Das Laguna-Bad übertraf seit der Eröffnung alle Erwartungen. Nach 25 Jahren war aber der Lack ab, nun ist eine Totalsanierung im Gang. Foto: Laguna

WEIL AM RHEIN. Auf den Tag genau vor 30 Jahren, am 11. Januar 1983, fiel im damals noch 36 Mitglieder zählenden Weiler Gemeinderat eine Entscheidung, die bis heute und noch für viele weitere Jahre nachwirkt. Mit einer knappen, aber dennoch eindeutigen Mehrheit von 20:16 Stimmen votierten OB Boll sowie Vertreter von CDU, SPD und Freien Wählern für den Bau eines Hallenfreizeitbades, das erst Monate später auf den heute geläufigen Namen Laguna getauft wurde.

15 Millionen Mark sollte das Vergnügungsbad maximal kosten, letztlich wurden es gut 22 Millionen, was mit dazu beitrug, dass das Freizeitbad stets umstritten blieb. Andererseits übertrafen die Besucherzahlen aber alle Prognosen und machten es möglich, dass Laguna das unvermeidliche Defizit aus dem Betrieb des Freibads übernehmen konnte und so den städtischen Haushalt entlastete – als kleine Gegenleistung für die enorme Schuldenlast.

Wie alles anfing
Erste Pläne für ein Hallenbad schmiedeten die Stadtväter seit Mitte der 70er Jahre. Die Phase des Wiederaufbaus nach dem Krieg und des Ausbaus der Infrastruktur galt als erledigt. 1951 schon hatte die Stadt ein Freibad bekommen, der Wohnungsbau wurde intensiviert, in den 60er und frühen 70er Jahren erstellte man Neubauten für Gymnasium, Realschu

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le und Hauptschule, für die Abwasserreinigung einigte man sich mit Lörrach und Industriebetrieben auf ein Klärwerk im Bändlegrund. Nun schien die Zeit reif für ein Projekt "der gehobenen Daseinsfürsorge". Mit anderen Worten: Man wollte sich etwas leisten. Anfänglich schwankte das Begehren noch zwischen Stadthalle und Hallenbad, 1977 fiel die Entscheidung zugunsten eines Freizeitbads mit Wellenbecken und Sauna, zugleich kam, weil energetisch günstig, sogar noch eine Eislaufbahn dazu. Auch die Sanierung des fast 30 Jahre alten Freibads gehörte mit zum Paket.

Dass ein solches Vorhaben viele Millionen Mark kosten würde, war bald klar. Und weil zu befürchten war, dass dadurch andere wichtige Investitionen blockiert würden, setzte eine intensive und kontroverse Diskussion ein, die zwischen 1977 und 1983 zu mehreren Abstimmungen im Gemeinderat und einem Bürgerbegehren führte, das scheiterte (siehe Infobox).

Was den Gegnern Sorgen machte
Während die Befürworter sowohl Schuldenlast als auch Betriebskosten des Bades, die man 1981 auf 1,2 Millionen Mark jährlich schätzte, als "zu bewältigen" einstuften und sich vom Freizeitbad eine neue Attraktivität der Stadt Weil am Rhein versprachen, machten den Gegnern die Kosten große Sorgen, zumal sie fortlaufend stiegen von anfangs 7,8 auf bald über 20 Millionen Mark. So musste 1980 das Vorhaben auf zwei Drittel der ursprünglichen Größe gestutzt werden, um den Kostenrahmen von 1978 überhaupt noch halten zu können.

Wie die Gegner argumentierten
Die meisten Gegner des Vorhabens gab es in der SPD-Fraktion, damals mit 14 Sitzen stärkste Fraktion im Gemeinderat. Ihr Wortführer Nikolaus Lorenz wies beständig darauf hin, dass die Stadt sich überschulde und andere wichtige Vorhaben nicht mehr angehen könne. Das Bad werde nicht vorrangig den Weiler Bürgern zu Gute kommen, sondern auf Badegäste aus dem Umland angewiesen sein. Dass Auswärtige den Nutzen hätten, aber die Weiler das finanzielle Risiko tragen müssten, störte auch die Gegner in den anderen Fraktionen, wie etwa Erich Rieger und Hilde Walter von der CDU, Rudolf Fahrländer und Heinz Kasper von den Freien Wählern, die FDP-Stadträte Dorothea Köbele und Karl-Heinz Niechoj und die Grünen Emilie Clauss und Hans Willmann.

Kompromiss: Kostenlimit
Schließlich einigte man sich im Gemeinderat darauf, 70 Prozent der Arbeiten auszuschreiben und anhand der Ergebnisse die Kosten zu ermitteln. Sollten diese 15 Millionen Mark überschreiten, wollte man auf das Bad verzichten. Als die Kosten dann just auf 14,9 Millionen Mark berechnet wurden, holte die SPD zum letzten Versuch aus, das Projekt doch noch zu stoppen. Am 11. Januar 1983 stimmte der Gemeinderat darüber ab, ob die Ausschreibungen aufgehoben werden, oder der Bau beginnen solle. Für den Stopp votierten neun SPD-Leute, je zwei Vertreter von CDU, FDP und Freien Wählern sowie die Grünen-Stadträtin. Den Befürwortern um OB Boll und den CDU-Fraktionssprecher Josef Schweikert schlossen sich zehn weitere CDU-Stadträte, fünf Sozialdemokraten und drei Freie Wähler an. Mit 16:20 scheiterte der SPD-Antrag und der Weg für den Bau des Bads war nach sechs Jahren frei. Die Kosten für das Bad stiegen in der Folge noch mehrfach und lagen letztlich bei 22 Millionen Mark. Zugleich lagen aber auch die Besucherzahlen weit über den Erwartungen, was bald weitere Investitionen nötig machte.

Neue Chance für Laguna
Seit 2010 beschäftigt das Laguna-Badeland nach 25-jährigem Betrieb den Gemeinderat erneut. Die Anlage war in die Jahre gekommen, die Attraktivität kam abhanden, die Besucherzahlen gingen zurück. Sowohl Laguna als auch das Freibad bedurften dringend einer Sanierung. Doch weil man von den Zeiten des optimistischen Schuldenmachens inzwischen Abstand genommen hatte, brachte die Stadtverwaltung zunächst sogar einen Komplettabriss von Frei- und Hallenbad ins Gespräch. Der Gemeinderat indes votierte letztlich mit riesiger Mehrheit – und allein gegen die Stimme von FDP-Mann Wolfgang Roth-Greiner – für eine umfassende Sanierung, die 16 Millionen Euro kostet. Die Neueröffnung ist für diesen Frühsommer vorgesehen.

Nur einer von damals noch dabei
Unter den 26 Stadträten, die die jüngste Entscheidung fällten, war übrigens nur noch einer, der schon 1983 mitgestimmt hatte. Heinz Kasper stand damals auf Seiten der Gegner, weil er die finanzielle Belastung der Stadt für nicht vertretbar hielt. Wie Nikolaus Lorenz oder Erich Rieger hält er sein Votum von damals immer noch für richtig und fühlt sich durch die letzten 30 Jahre bestätigt. Gleichwohl hat Kasper nun für die Sanierung votiert. Wie er vom Saulus zum Paulus wurde, erklärt er so: "Sich nach einer politischen Niederlage in die Schmollecke zurückzuziehen ist schlechter Stil. 2010 galt es, viel Geld für eine Sanierung in die Hand zu nehmen oder mit einem Einsatz von etwa 6 Millionen Euro aus dem Laguna-Areal eine grüne Wiese zu machen. Das ist in meinen Augen dem Steuerzahler nicht vermittelbar. Nur ein modernes Freibad zu errichten oder die Sauna auf einen optimierten Stand zu bringen, schieden bei realistischer Betrachtung von Finanzierung und Folgekosten aus. Aus diesem Grund kam für mich nur die umfängliche Sanierung in Frage." Und so wie Kasper sahen es (fast) alle anderen Stadträte.

CHRONIK: Der Weg zur Entscheidung

25.10.1977: Gemeinderat votiert für ein Freizeitbad im Nonnenholz. Geschätzte Kosten: 7,8 Millionen Mark.

13.3.1979: Der Gemeinderat beschließt den Bau eines Freizeitbades ohne Eisbahn im Nonnenholz. Kosten: 10,5 Millionen Mark.

1.7.1979: Bürgerentscheid über den Bau eines Freizeitbads. Zwei Drittel der Wähler stimmen gegen das Vorhaben, aber es beteiligen sich zu wenig Bürger.

28. 4.1981: Der Gemeinderat stimmt mit 23:11 Stimmen für den Bau eines Hallenfreizeitbads mit Wellenbecken, Sauna und Eislaufbahn. Geschätzte Kosten: 20 Millionen Mark.

24.11.1981: Der Gemeinderat beschließt, 70 Prozent der Arbeiten auszuschreiben. 20 Millionen Mark werden als Kostenlimit festgeschrieben.

26.1.1982: Der Gemeinderat verzichtet auf die Eisbahn. Das Kostenlimit sinkt auf 15 Millionen Mark.

1.12.1982: OB Boll teilt mit, dass für 86 Prozent der Arbeiten die Ausschreibungsergebnisse vorliegen und die Gesamtkosten bei 14,9 Millionen Mark liegen.

11.1.1983: Der Gemeinderat lehnt mit 20:16 Stimmen den Antrag der SPD-Fraktion ab, den Bau des Bades doch noch auszusetzen und die Ausschreibungen aufzuheben.

14.12.1984: Eröffnung des Laguna-Badelands.  

Autor: nn

Autor: Hannes Lauber